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Gesundheit

"Auf einem Bauernhof ist auch nicht alles wie im Bilderbuch"

Von Valerie Hader  11. Mai 2022 04:50 Uhr

"Auf einem Bauernhof ist auch nicht alles wie im Bilderbuch"
Viele ältere Bauern fühlen sich nach der Hofübergabe nutzlos und nicht wertgeschätzt.

Die Landwirtschaftskammer hat ein "Sorgentelefon" für Bäuerinnen und Bauern im Land eingerichtet. Die größten Probleme am Hof: Streitigkeiten zwischen Jung und Alt.

Es ist meist um die Zeit der Hofübergabe, entweder kurz vorher oder gleich danach, wenn die Generationskonflikte am heftigsten ausbrechen", sagt Agrar-Landesrätin Michaela Langer-Weninger. "Da prallen dann unterschiedliche Vorstellungen aufeinander: Die Jungen wollen vieles anders machen, die Älteren fühlen sich nicht wertgeschätzt – oder geben das Zepter gleich gar nicht aus der Hand", sagt Langer-Weninger bei einer Pressekonferenz.

Vorgestellt wurde dabei das Sorgentelefon für Bäuerinnen und Bauern. Die Beratungsstelle wurde Anfang Februar eingerichtet – und das Angebot werde sehr gut angenommen, sagt Landwirtschaftskammer-Präsident Franz Waldenberger.

Die Probleme der Menschen seien nicht neu. "Neu ist, dass die Leute heute eher bereit sind, darüber zu reden", sagt Psychologin Jennifer Schreiner, die das Projekt leitet.

Und das sind ihrer Erfahrung nach die Dinge, die den Bäuerinnen und Bauern am meisten Stress und Sorgen bereiten:

Hofübergabe: Nirgendwo steht das Thema so im Vordergrund wie bei bäuerlichen Familienbetrieben. Das Wichtigste sei, sich rechtzeitig über Wünsche, Ziele und Pläne aller Beteiligten klarzuwerden und sich darüber auszusprechen. Das kann viel bewirken.

Neben dem Zusammenleben zwischen Jung und Alt zählen auch Beziehungsprobleme zu den großen Themen. "Partnerschaften und Ehen haben sich auch in der Landwirtschaft verändert. Was Generationen zuvor noch undenkbar war, ist mittlerweile auch dort angekommen: Trennungen und Scheidungen", sagt Schreiner. Gleichzeitig seien die Erwartungen an eine Paarbeziehung hoch und werden dem Alltag am Hof oft nicht gerecht. Auch das alltägliche Zusammenarbeiten berge in vielen Fällen Konfliktpotential.

Nicht zuletzt leiden auch Landwirte unter Stress und Überlastung. "Arbeit gibt es auf Bauernhöfen immer genug, wie in anderen Branchen ist auch hier der Leistungsdruck gestiegen. Damit kann nicht jeder gleich gut umgehen", sagt Schreiner. Burnout und Depressionen seien die Folge. Auch hier könne die Sicht von außen hilfreich sein. "Wenn man die eigene Einstellung zur Arbeit überdenkt, kann man wieder lernen, all das Schöne, das das Leben auf einem Bauernhof mit sich bringt, zu sehen und wertzuschätzen."

Sorgentelefon

Die neue Beratungsstelle ist in die bereits bestehende Initiative „Lebensqualität Bauernhof“ integriert. 2021 wurden hier rund 1130 Anrufe verzeichnet – die meisten Anfragen kamen mit 34 Prozent übrigens aus Oberösterreich.

Das Sorgentelefon der Landwirtschaftskammer OÖ ist von Montag bis Donnerstag von 8.30 bis 12 Uhr unter der Telefonnummer 050/69021800 erreichbar.

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Valerie Hader

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