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Gesundheit

Wenn Eltern zu nahe verwandt sind

Von Dietlind Hebestreit   18. April 2012 00:04 Uhr

Wenn Eltern zu nahe verwandt sind
Wenn Eltern nahe verwandt sind steigt die Sorge: Wird unser Baby gesund sein?

Bei Inzest-Kindern explodiert das Risiko für Erbkrankheiten. Ein Österreicher soll als Samenspender 600 Kinder gezeugt haben, die nun leichter Gefahr laufen bei der Partnerwahl versehentlich auf Halbgeschwister zu stoßen; ein deutsches Geschwisterpaar (vier gemeinsame Kinder) hat – erfolglos – vom Europäischen Gerichtshof gefordert, die Strafbarkeit des Geschwisterinzests aufzuheben.

Warum Inzest echte Risiken für daraus entstehenden Kinder birgt, erklärt Humangenetiker Hans-Christoph Duba: „Autosomal rezessiv übertragbare Erbkrankheiten treten in diesen Fällen deutlich öfter auf.“ Der Grund: Jeder Mensch trägt in sich die Anlage für fünf bis zehn solcher rezessiven Krankheiten (bekannt sind zur Zeit 1274 Defekte). Wenn eine rezessiv vererbbare Krankheit auftritt, muss die gleiche Anlage von Vater und Mutter kommen. Normalerweise treffen aber nur sehr selten zwei Menschen zusammen, die ausgerechnet die gleichen Gendefekte weitergeben.

Krank durch Inzest

„Wenn jedoch Geschwister gemeinsam Kinder zeugen, sind ein Viertel der Erbanlagen ident – die Gefahr, dass die gleichen Anlagen für die sonst sehr seltenen Krankheiten zusammentreffen, steigt deutlich an“, sagt Duba. Noch größer ist die Wahrscheinlichkeit, wenn die Mutter mit ihrem Sohn, der Vater mit seiner Tochter ein Kind zeugt. Dann stimmt nämlich sogar die Hälfte der Erbanlagen überein.

Weil Kinder, die mit Spermien aus der Samenbank befruchtet wurden, ihren leiblichen Vater meistens nicht kennen, besteht in diesen Fällen die Gefahr, dass sich Halbgeschwister versehentlich heiraten. Deshalb ist die Anzahl der Babys, die in Österreich durch denselben Vater künstlich befruchtet werden dürfen, begrenzt.

Cousin heiratet Cousine

In die Genetische Beratungsstelle der Landesfrauen- und Kinderklinik Linz kommen regelmäßig Paare, die nahe verwandt sind. Denn während die Heirat zwischen Cousin und Cousine in Österreich zwar erlaubt, aber gesellschaftlich eher tabu ist, sind Verbindungen zwischen nahen Verwandten in den Mutterländern vieler Migranten (Türkei, Ägypten) üblich.

Der Prozentsatz für solche Heiraten lag in Österreich früher bei 1,28 Prozent, ist durch die gestiegene Mobilität allerdings rückläufig. Häufiger sind diese Verbindungen zum Beispiel in Pakistan (bei manchen Kasten: 80 Prozent), der Türkei (rund ein Drittel der muslimischen Bevölkerung) oder in Israel (27 Prozent der arabischen Einwohner).

„Unbedenklich sind Heiraten zwischen Cousin und Cousine ab einer Verwandtschaft dritten Grades, also wenn diese gemeinsame Ururgroßeltern hatten“, sagt Duba. Generell gelte aber trotzdem, dass die „genetische Fitness“ von Menschen am größten sei, wenn deren Eltern möglichst unterschiedliche Erbanlagen hätten.

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