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Gesundheit

Sprungbrett für den Kinderwunsch

Von Dietlind Hebestreit   22. Juni 2016 00:04 Uhr

Sprungbrett für den Kinderwunsch
Paare, die ungewollt kinderlos bleiben, nehmen große Anstrengungen auf sich, damit die Frau schwanger wird.

Für künstliche Befruchtung gelten in Österreich strengere Gesetze als in anderen Staaten: Eine Eizellspende ist nur bis 30 erlaubt, "Social freezing" ist verboten.

Wenn der Wunsch nach einem eigenen Kind nicht in Erfüllung geht, können Mediziner heute in vielen Fällen mit künstlicher Befruchtung nachhelfen. Prof. Gernot Tews vom gleichnamigen Kinderwunschinstitut in Wels beantwortet die wichtigsten Fragen zum Thema IVF (In-vitro-Fertilisation):

Darf sich in Österreich jeder künstlich befruchten lassen?

Erlaubt ist das nur für Paare, seit 2015 auch für lesbische Partner. Alleinstehende sind ausgeschlossen – obwohl sie Kinder adoptieren dürfen. Es muss eine medizinische Indikation vorliegen, zum Beispiel ein Eileiterschaden bei der Frau oder schlechtes Samenmaterial des Mannes. Außerdem zahlt der IVF-Fonds nur bei Frauen unter 40 und Männern unter 50 Jahren.

Was kostet eine IVF-Behandlung?

Pro Versuch 4500 Euro. Bei durch den IVF-Fonds geförderten Versuchen muss das Paar jeweils etwa 1100 Euro bezahlen.

Was hat die Novelle des Fortpflanzungsmedizingesetzes 2015 verändert?

Neben der Zulassung für lesbische Paare und der Erlaubnis von Eizellspenden wurde die Präimplantations-Diagnostik bei bestimmten Indikationen zugelassen. Und zwar, wenn lebenslange Schäden oder Schmerzen zu erwarten sind oder geistige und körperliche Einschränkungen.

Wie funktioniert Präimplantations-Diagnostik (PID)?

Die Eizelle wird im Labor künstlich befruchtet. Der Arzt untersucht dann den daraus entstehenden Embryo, ob er gewisse Erbkrankheiten wie zum Beispiel Mukoviszidose aufweist. Eingesetzt wird dann ein gesunder Embryo. Allerdings darf in Österreich nur untersucht werden, wenn ein konkreter Verdacht besteht – etwa dass eine Erbkrankheit in der Familie bekannt ist. Das greift nicht weit genug.

Wann sollte PID noch erlaubt sein?

Zum Beispiel bei Frauen über 35. Bei ihnen steigt die Neigung zu genetischen Fehlern wie Trisomien an. Das könnte man ausschließen, darf man in Österreich aber nicht. Hingegen ist Pränataldiagnostik, also die Untersuchung des Embryos im Mutterleib, erlaubt – und auch die darauf folgende Abtreibung, wenn ein Gendefekt gefunden wird.

Gibt es noch andere Kritikpunkte?

Frauen dürfen nur bis 30 Jahre Eizellen spenden, das sollte ausgeweitet werden. Immerhin sind Samenspenden beim Mann lebenslang erlaubt.

Was ist in anderen Ländern erlaubt und bei uns verboten?

Leihmutterschaft ist in Österreich strikt untersagt. In Nordamerika kann man sich zum Beispiel – im Gegensatz zu Österreich – das Geschlecht des Kindes wünschen: Kostenpunkt 18.000 Dollar. Dieses Verbot in Österreich ist jedoch sinnvoll. Auch "Social freezing" ist bei uns verboten.

Was ist "Social freezing"?

Dafür werden Eizellen in jungen Jahren entnommen und eingefroren, wenn deren Qualität noch sehr gut ist. Sie können dann später befruchtet und eingesetzt werden. Mit 23 Jahren sind 90 Prozent der Eizellen geeignet, mit 42 Jahren sind es nur noch zehn Prozent. Hier wäre ein Umdenken zu begrüßen.

 

Reproduktionsmedizin

Bei der künstlichen Befruchtung, auch In-vitro-Fertilisation genannt, werden Eizellen durch eine Punktion gewonnen und mit dem Samen zusammengegeben. Es erfolgt eine Befruchtung. Meist nach fünf Tagen wird dann ein Embryo in die Gebärmutter eingesetzt. Man kann von einer bis zu 40-prozentigen Erfolgsquote ausgehen. Das bedeutet, oft sind mehrere Versuche notwendig. Rund drei Prozent der Kinder kommen in Österreich nach einer künstlichen Befruchtung zur Welt.

Die Zwillingsrate beträgt bei IVF-Schwangerschaften zehn Prozent. In Deutschland ist die Quote beinahe doppelt so hoch. Zum Vergleich: Bei normalen Schwangerschaften liegt die Zwillingsrate bei 0,8 Prozent. „Gesetzlich wird empfohlen, nur einen Embryo pro IVF-Versuch einzusetzen“, sagt Reproduktionsmediziner Gernot Tews.

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