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Gesundheit

Singen als Gesundheitselixier

Von Ulrike Griessl   28. November 2012 00:04 Uhr

Chor Gesang Singen
(Symbolfoto)

Regelmäßiges Singen stärkt Immunsystem wie auch Muskulatur und schützt vor Depressionen.

Leider wird in Österreichs Familien oft nur in der Weihnachtszeit gemeinsam gesungen“, bedauert Martin Ludwig Fiala, Komponist und Direktor der Steyrer Musikschule. Dabei würde Singen nicht nur Spaß machen, es sei auch äußerst gesund. „Es ist für Körper und Seele ähnlich gut wie Sport oder Meditation“, behauptet Fiala. Zu dieser Überzeugung ist der 46-Jährige unter anderem durch seine langjährige Erfahrung als Chorleiter gekommen. „Meine Sänger sind nach den Proben deutlich entspannter als vorher, außerdem genießen sie die Gemeinschaft im Chor“, sagt der Musiker.

Damit aber nicht genug: Wissenschaftlich bewiesen ist laut Fiala außerdem, dass Singen die Konzentrationsfähigkeit erhöht, Aggressionen abbaut, die Intelligenz fördert und bei richtiger Atemtechnik sogar die Rückenmuskulatur und das Herz-Kreislauf-System stärkt. Gertraud Berka-Schmid, Fachärztin für Psychiatrie und Neurologie und Gesangspädagogin an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien, bestätigt diese positiven Auswirkungen regelmäßigen Singens auf Körper und Geist. „Mit der Luft, die man beim Singen ausatmet, befördert man gleichzeitig den Stress nach außen, Sorgen kann man sich daher im sprichwörtlichen Sinn von der Seele singen“, sagt Berka-Schmid.

Gesang könne aber nicht nur das momentane Wohlbefinden steigern, sondern sogar heilsam sein, weiß die Musikerin aus ihrer Erfahrung als Ärztin. „Singen mit anderen hilft, durch Erkrankungen durcheinander geratene biologische Rhythmen im Körper wieder zu ordnen, zu synchronisieren und zu koordinieren“, erklärt Berka-Schmid. Zahlreiche aktuelle Studien beweisen weitere positive Nebenwirkungen des Singens. So hat etwa der deutsche Musikwissenschaftler Gunter Kreutz von der Universität Oldenburg die körperlichen Auswirkungen des Singens in Chorgemeinschaften erforscht. Für sein Experiment ließ Kreutz 31 Sänger eines Laienchors zwei unterschiedlich gestaltete Sitzungen absolvieren: In der ersten wurde Mozarts „Requiem“ geübt, in der zweiten durften die Sänger dasselbe Stück nur von der CD hören. Vor und nach den beiden Proben mussten die Probanden Speichelproben abgeben. Dadurch konnte die darin enthaltene Menge des Proteins Immunglobulin A gemessen werden, die anzeigt, wie fit das Immunsystem ist. „Die Untersuchung hat ergeben, dass aktives Singen im Gegensatz zum Zuhören die Produktion dieses Stoffes, der die oberen Atemwege vor Infektionen schützt, signifikant fördert“, erläutert Kreutz. Für ihn ist damit wissenschaftlich belegt, dass Singen das Immunsystem stärkt.

Bewiesen ist außerdem, dass Menschen, die mit der richtigen Atemtechnik singen, ihre Rückenmuskulatur stärken. Denn trainierte Sänger atmen in den Bauch hinein. Um der Luft Platz zu verschaffen, wird das Zwerchfell nach unten gezogen und die Lungenflügel nach unten gedrückt. So entspannen Sänger den Brustkorb und trainieren die Rückenmuskeln. Richtiges Singen stärkt aber nicht nur die Muskeln, es wirkt sich durch die bessere Versorgung mit Sauerstoff auch auf die allgemeine körperliche Verfassung aus. Laut Kreutz reichen 15 Minuten, um das Herz-Kreislauf-System auf Trab zu halten.

Die Musikpädagogin und Neurologin Berka-Schmid ist zudem davon überzeugt, dass das Singen im Chor wie ein Anti-Depressivum wirkt. „Man erzeugt dabei Schwingungen im Körper und wird gleichzeitig von den anderen Chormitgliedern ,beschwungen‘, dieses gemeinsame Erlebnis erzeugt ungeheure Glücksgefühle“, sagt Berka-Schmid. Und nicht zuletzt soll Singen auch noch klüger machen, wie der Münsterer Musikpsychologe Karl Adamek herausgefunden hat. Denn: Bei regelmäßigem Singen würden sich die Synapsen im Gehirn neu verbinden.

 

Singen im Spital

In Deutschland wurde 2010 der Verein „Singende Krankenhäuser“ gegründet, der versucht, Patienten durch gemeinsames Singen bei der Genesung zu unterstützen und ihre Lebensfreude zu steigern. Diese Idee ist so gut angekommen, dass mittlerweile bereits 40 Gesundheitseinrichtungen in Deutschland Mitglieder des Vereins sind. Auch in Österreich haben zwei Spitäler diese Idee aufgegriffen: das Krankenhaus Lienz und das Diakonissenkrankenhaus in Linz (Infos unter Tel. 0732 / 7675 / 150).

Gefangenenchor in Garsten

Im Gefangenenhaus Garsten wird derzeit ein Chor gegründet. Das gemeinsame Singen und die erlebte Gemeinschaft sollen es den Häftlingen erleichtern, sich nach dem Gefängnis wieder leichter in die Gesellschaft einzugliedern.

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