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Gesundheit

Netzhauterkrankungen lassen sich behandeln

30. Mai 2012 00:04 Uhr

Netzhauterkrankungen lassen sich behandeln
Mittels optischer Kohärenztomografie (OCT-Messung) können Netzhauterkrankungen erkannt werden. Ein Gespräch mit dem Arzt liefert die geeignete Behandlungsmethode.

Mit dem Anstieg der Lebenserwartung der österreichischen Bevölkerung ist auch eine Zunahme von zum Teil gefährlichen Augenerkrankungen verbunden. Auch die Experten des Wiener Instituts für pharmaökonomische Forschung (IPF) rechnen aufgrund des demografischen Wandels mit einer Zunahme schwerer Augenerkrankungen, da eine Vielzahl der Ursachen von Blindheit primär ältere Menschen trifft. Dazu zählt etwa die Altersbedingte Makuladegeneration (AMD), die bereits ab dem 50. Lebensjahr auftreten kann und deren „feuchte Form“ allein für rund 30 Prozent aller Neuerblindungen verantwortlich ist. Weniger bekannt ist hingegen, dass auch die wachsende Zahl an Diabetikern in jedem Alter zu den Risikogruppen zählt.

Risikofaktor Diabetes

In Österreich sind bis zu 600.000 Personen an Diabetes erkrankt. Besonders heimtückisch ist der schleichende Verlauf der Erkrankung, wie Anna Mayer, Bundesvorsitzende der Österreichischen Diabetikervereinigung betont: „Diabetes tut lange nicht weh, die Betroffenen haben keinen Leidensdruck und sehen daher keine Veranlassung, zum Arzt zu gehen. So wird beispielsweise Typ-2-Diabetes oft erst nach acht bis zehn Jahren diagnostiziert und behandelt. Meistens sind dann schon Folgeerkrankungen vorhanden und die Behandlung ist schwierig und teuer.“ So drohen neben der Gefahr der Über- und Unterzuckerung auch diverse gesundheitliche Auswirkungen, die neben den Nerven auch die Blutgefäße betreffen.

Ganz besonders leiden die Augen unter einer Beeinträchtigung der Blutversorgung. Denn zu hohe Blutzuckerwerte schädigen auf Dauer die feinen Netzhautgefäße und führen zur häufigsten diabetischen Augenerkrankung überhaupt, der Diabetischen Retinopathie, aus der sich in der Folge ein Diabetisches Makulaödem (DMÖ) entwickeln kann. Davon betroffen sind sowohl Typ-1-Diabetiker, vorwiegend Jugendliche und Kinder, als auch Typ-2-Diabetiker, weshalb Kontrollbesuche beim Augenarzt für Diabetiker jeden Alters unerlässlich sind. „Trotz verbesserter Diagnostik und guter Behandlungsmöglichkeiten gilt Diabetes in den Industrieländern noch immer als häufigste Ursache für schwere Sehbehinderungen“, unterstreicht Anna Mayer.

Das Diabetische Makulaödem

Ursache des Diabetischen Makulaödems sind schadhafte Blutgefäße in den Augen, die sich bei Fortschreiten der Diabetischen Retinopathie bilden können. Denn besteht länger ein hoher Blutzuckerspiegel, kommt es zu Schäden an den Wänden der kleinen Blutgefäße. Diese werden in der Folge brüchig und Flüssigkeit sickert durch die Gefäßwände aus. Dabei können Flüssigkeitsansammlungen (Ödeme) in der Netzhaut des Auges entstehen. Erreichen die Schwellungen die Makula, das Sehzentrum des Auges in der Netzhautmitte, kommt es zu einer Einschränkung des Sehvermögens.

Zu Beginn verursacht das Diabetische Makulaödem keinerlei Beschwerden, weshalb die Erkrankung häufig unerkannt bleibt. Erst später treten schwarze Punkte oder Flecken im Gesichtsfeld auf und beeinträchtigen das Sehvermögen, Kontrastsehen und Scharfsehen lassen nach. Unbehandelt kommt es im fortgeschrittenen Stadium durch Einblutungen in den Glaskörper des Auges oder durch Schädigung des Sehnervs zum Sehverlust.

Früherkennung zählt

Diabetiker und Personen ab 40 Jahren sollten einmal jährlich eine Vorsorgeuntersuchung beim Augenarzt machen. Besteht der Verdacht auf AMD oder DMÖ, kann die Erkrankung mittels optischer Kohärenztomografie (OCT) oder Fluoreszenzangiografie bereits im Anfangsstadium festgestellt und mit der Behandlung begonnen werden. Ein möglichst früher Therapiebeginn ist von entscheidender Bedeutung für den Behandlungserfolg, wie auch Irene Vogel, Geschäftsführerin der Hilfsgemeinschaft der Blinden und Sehschwachen Österreichs, weiß: „Ich kann nur immer wieder betonen, wie wichtig es ist, regelmäßig zum Augenarzt zu gehen. Netzhauterkrankungen beginnen oft langsam und sind nicht heilbar, aber wenn die Therapie rechtzeitig erfolgt, kann man viel bewirken.“

Die Behandlung von Netzhauterkrankungen

Für die Behandlung von AMD und DMÖ stehen verschiedene Laser-Therapien sowie Injektionsbehandlungen mit einem neuen Wirkungsansatz, den sogenannten VEGF-Hemmern, zur Verfügung.

Die Laser-Behandlung ist derzeit die Standard-Therapie bei vielen Netzhauterkrankungen und kommt vor allem dann zum Einsatz, wenn sich neue Blutgefäße im Auge gebildet haben. Denn mit dem konzentrierten Lichtstrahl kann der Arzt unerwünschte Adern schrumpfen und undichte Blutgefäße verschließen, was in mehr als der Hälfte aller Fälle verhindert, dass der Sehverlust weiter fortschreitet. Für die Laser-Behandlung reicht in der Regel eine örtliche Betäubung mit Augentropfen aus.

Seit Kurzem steht zudem auch ein neuer Wirkungsansatz zur Behandlung von AMD und DMÖ zur Verfügung, der von mehreren Medikamenten, von denen auch eines in Österreich zur Behandlung von Netzhauterkrankungen zugelassen ist, verfolgt wird. Dieser basiert auf einem Wirkmechanismus, der als VEGF-Hemmer bezeichnet wird. Dabei werden gezielt die Wachstumsfaktoren unterbunden, die für das unkontrollierte Wachsen neuer Blutgefäße verantwortlich sind und damit eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Netzhauterkrankungen wie AMD und DMÖ spielen.

Dieser Ansatz gilt als äußerst vielversprechend, da es Anti-VEGF-Medikamente gibt, mit denen auch bereits verlorene Sehschärfe wieder bis zu einem gewissen Grad zurückgewonnen werden kann. Bei allen medikamentösen Therapien zur Behandlung von DMÖ wird der Wirkstoff direkt in den Glaskörper des Auges gespritzt. Da das Auge betäubt ist, ist dies schmerzfrei und der Patient kann bereits kurz nach der ambulanten Behandlung wieder nachhause gehen.

Sehvermögen ist Lebensqualität

Das Auge ist unser vielleicht wichtigstes Sinnesorgan. Denn mit zurückgehendem Sehvermögen ist ein Verlust an Selbstständigkeit verbunden, der massive negative Auswirkungen auf die Lebensqualität hat.

„Je mehr das Augenlicht nachlässt, desto weniger trauen sich die Betroffenen zu, manche ziehen sich zurück, um andere nicht zu belasten oder weil sie den Eindruck haben, aufgrund ihrer Einschränkung ausgegrenzt zu werden“, berichtet Irene Vogel, deren Organisation umfangreiche Serviceleistungen für Betroffene bietet und sich seit Jahrzehnten für die Verbesserung der Lebensumstände von Menschen mit hochgradiger Sehbehinderung einsetzt.

Auch die Österreichische Diabetikervereinigung setzt in ihrer Arbeit stark auf Bewusstseinsbildung, Information und aktive Unterstützung Betroffener, um ihre Krankheit in den Griff zu bekommen.

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