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Gesundheit

Musik wirkt

Von Claudia Riedler   16. März 2016

Musik wirkt

"Musik kann eine Wirkung auf uns haben, ähnlich wie ein Medikament", sagt Prof. Günther Bernatzky von der Universität Salzburg. Im OÖN-Gespräch berichtet er über neue Studien und den Einfluss der Klänge auf Körper und Psyche.

Wir fühlen uns wohl, wenn unser Lieblingslied im Radio läuft. Wir hören Musik, um zu entspannen. Wir singen, um den Kopf frei zu bekommen. Musik hat viele Auswirkungen auf den Körper, manche sind bekannt, andere weniger. Prof. Günther Bernatzky beschäftigt sich seit fast 20 Jahren mit der Musikwirkungsforschung. Er lehrt an der Universität Salzburg, ist Biologe und Schmerzforscher. In seinem aktuellen Buch "Musik und Medizin" gibt er eine Übersicht über das Thema. Führende Wissenschafter präsentieren darin neueste Erkenntnisse.

Was hat sie dazu bewogen, das umfangreiche Werk über Musik und Medizin herauszubringen?

Bernatzky: Es besteht eine große Lücke zu diesem Thema für die Öffentlichkeit. Neue Forschungsergebnisse werden zu wenig berücksichtigt. Musik ist viel mehr als eine Art Psychotherapie. Man kann die gesundheitlichen Wirkungen auf eine Stufe mit Sport und anderen kulturellen Praktiken stellen.

Das Thema startet früh: Musik soll bereits Ungeborenen im Mutterleib gut tun, etwa soll Musik von Mozart klüger machen. Was halten Sie davon?

In den USA glaubte man an den sogenannten Mozart-Effekt. Deshalb schenkte man in Georgia allen Frauen nach der Geburt ihres Kindes eine Mozart-CD. Man war der Meinung, Mozart würde die Kinder intelligenter machen, sodass auch schwangere Frauen ihr noch nicht geborenes Kind mit Mozartmusik beschallten. Es gibt aber keinen Beweis dafür. Vivaldi oder Bach sind genauso gut wie Mozart. Der Schlüssel für musikalische Wirkungen liegt in der individuellen Biographie: Die Art der Musik ist deshalb nicht bedeutungslos, aber es zeigt sich immer wieder, dass Vorlieben, Vertrautheit und das Gefühl, ob Musik anregt oder beruhigt, einen großen Teil der Wirkung ausmachen. Es kommt also darauf an, welche Musik die Mutter in gute Stimmung versetzt.

Was bewirkt Musik im Körper? Wie wirkt sie sich auf die Psyche aus?

Musik hat viele Wirkungen auf unseren Körper und unsere Psyche. Sie reduziert Angst und Stress, löst Aggressionen aus, sie lenkt ab, hat eine kommunikationsfördernde Wirkung, bringt uns Menschen zusammen, motiviert uns zum Mitsingen, zum Mittanzen und stimuliert unsere Muskulatur. Auch unsere Psyche wird stimuliert: Wir ändern in Abhängigkeit von der gehörten Musik unsere Stimmung. Einsamkeit wird leichter ertragen. Veränderungen durch Musik schlagen auf allen Ebenen durch. Mehr noch: Der Hirnstamm reagiert auf schnelle Änderungen, das Gefühlssystem auf besonders schön empfundene Stellen, und die Hirnrinde schafft Verbindungen mit dem Gedächtnis, Aufmerksamkeit und Bewegungen. In diesem Sinne wirkt Musik im besten Sinne ganzheitlich.

Ist es dabei wichtig, selbst zu musizieren, oder hat der passive Musikkonsum ähnliche Effekte?

Allein das Hören von Musik bewirkt etwas in uns. Dazu müssen wir die Musik aber bewusst hören und uns darauf einlassen. Selbst zu musizieren oder zu singen, hat noch größere Effekte.

Auftritte als Musiker können aber auch Lampenfieber und Stress verursachen?

Deshalb sollte man Kinder dabei immer positiv bestärken. Die Ängste, zu versagen, sind dadurch später deutlich geringer. Das Musizieren soll Freude machen. Man lernt dabei auch, auf andere einzugehen.

Welche Wirkung hat speziell das Singen?

Die Wirkungsebenen sind vielfältig. Singen ist zunächst eine soziale Kunst. Kinder bemerken, dass ihre Stimme sehr viel kann. Sie spielen damit, und dann kommen auch noch andere Stimmen dazu. Lieder helfen, Sprache zu entwickeln, und sogar im späteren Fremdspracherwerb hilft es. In Österreich kommen täglich viele Menschen aus anderen Sprachräumen an. Das gemeinsame Singen ist eine geeignete Strategie, Menschen miteinander zu verbinden.

Was passiert beim Singen im Körper?

Mit dem Singen aktivieren wir verschiedene Muskeln, wir atmen anders, und wir trainieren dabei unser Zwerchfell. Beim gemeinschaftlichen Singen werden auch Hormone wie das "Kuschelhormon" Oxytocin produziert. Eine Studie meines Mitautors Professor Kreutz zeigt zudem, dass Singen sich auf Patienten mit der Lungenerkrankung COPD positiv auswirkt.

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