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Männer, die ganze Wahrheit: Georg Pfau im Interview

Von Barbara Rohrhofer, 19. April 2011, 00:04 Uhr
Georg Pfau Bild: Verlag

Der Linzer Allgemein- und Sexualmediziner Georg Pfau hat gemeinsam mit dem Autor Thomas Hartl ein „Aufdeckerbuch“ über Männer geschrieben. Die OÖNachrichten wollten „die ganze Wahrheit“ wissen, die das Cover des Buches ankündigt.

OÖN: Wie sind Sie denn auf die Idee gekommen, ein Aufdeckerbuch über Männer zu schreiben? Weiß man nicht längst alles – auch in puncto Sexualität?

Pfau: Nein. Unsere Sexualität ist nach wie vor tabuisiert. In der Gesellschaft wird Sex als Leistungssport betrachtet. Das soll’s nicht sein. Schon Buben werden mit Mythen über Männlichkeit erzogen. Die fühlen sich schnell überfordert, während Mädchen mit ihrer Sexualität eher unterfordert werden, sie sollen brav und hübsch sein, aber ihre Sexualität nicht zur Schau stellen.

OÖN: Im Klappentext des Buches versprechen Sie auch, die geheimsten Wünsche der Männer zu verraten. Verraten Sie, was sich ein Mann von einer Frau so alles wünscht?

Pfau: Der Mann möchte eine Frau mit gesichertem sexuellen Selbstwert. Er möchte ein lustvolles, sexuell begeisterungsfähiges Wesen.

OÖN: Mit viel Erfahrung in diesem Bereich?

Pfau: Nein, muss nicht sein. Die Sexualität definiert jedes Paar ohnehin selbst. Da ist es egal, was vorher mit anderen Partnern gelaufen ist. Darüber sollte man tunlichst nicht reden.

OÖN: Wie definieren Sie als Fachmann und Sexualmediziner guten Sex?

Pfau: Erfüllte Sexualität ist Ein „Sich-Fallenlassen“. Nicht willenlos, sondern hingebungsvoll und selbstbestimmt. Und dieses Fallenlassen funktioniert häufig nicht, weil Mann und auch Frau einen zu hohen Leistungsanspruch haben. Ich sag’ immer, vergleichen Sie Sex doch mit dem gemeinsamen Essengehen. Man hat nicht immer Gusto auf das gleiche Gericht, man will vielleicht auch nicht immer viel essen.

OÖN: Warum haben Männer aber – um beim Vergleich des Essens zu bleiben – mehr Appetit auf Sex?

Pfau: Männer haben meist von Haus aus eine größere Libido als Frauen, sie masturbieren auch öfter. Manchmal kommen aber auch Frauen in meine Sprechstund’, die mehr Sex wollen als ihre Partner. Normalerweise ist es aber umgekehrt, weil die weibliche Sexualität anders ausgerichtet ist.

OÖN: Wie denn?

Pfau: Bei der Frau ergibt sich die Sexualität aus der Beziehung, sie brauchen meist eine gefühlsmäßige Ebene.

OÖN: Und beim Mann?

Pfau: Seien Sie mir bitte nicht böse, wenn ich jetzt die ganze Wahrheit sage: Männer gehen Beziehungen ein, um regelmäßig Sex zu haben. Und um jemanden zu haben, der bei der Hausarbeit hilft.

OÖN: In Ihre Männersprechstunde kommen auch Frauen mit Beziehungsproblemen. Was raten Sie denen?

Pfau: Um eine Sexualtherapie zu machen, müssen immer beide kommen. Und ich sage Ihnen, eine Therapie funktioniert. Es lohnt sich, in die Beziehung zu investieren, sich wieder zu entdecken, sich offen zu sagen, was man aneinander geil findet. Viele Paare leben erst nach ihrer Therapie eine erfüllte Sexualität. Und für das Lebensglück ist nichts so wichtig wie eine geglückte Beziehung, zu der nun mal guter Sex gehört.

OÖN: Zweifeln Frauen oft an sich selbst, wenn der Mann nicht mehr recht kann oder will?

Pfau: Frauen glauben, für Sexualität muss man jung und schön sein. Das wird ihnen so anerzogen. Frauen täuschen auch den Orgasmus vor, um ihren Mann gut dastehen zu lassen. Oftmals entwickeln Frauen gar eine Störung ihres sexuellen Selbstwerts und hoffen, durch Schönheits-Operationen wieder sexuell attraktiv zu werden. Ein Mann fühlt sich nie zu wenig attraktiv für Sex.

OÖN: Was ist dann das männliche Problem?

Pfau: Dass mit dem Alter Erektionsstörungen auftreten, dass es nicht immer und nicht mehr so oft geht wie früher. Meist altersbedingt und ganz normal. Und weil viele Männer Sex mit Leistungssport verwechseln, zweifeln sie dann an sich, wenn sie ihr typisch männliches Programm beim Sex nicht mehr abspielen können.

 

Der Autor und das Buch

Georg Pfau ist Arzt für Allgemeinmedizin und Sexualmediziner. Er betreibt eine der wenigen „Männersprechstunden“ in Linz und kennt die Probleme und Sorgen der Männerwelt ganz genau. Gemeinsam mit dem Sachbuchautor Thomas Hartl hat er diese jetzt zu Papier gebracht:
Buchtipp: „Männer – die ganze Wahrheit“ von Georg Pfau und Thomas Hartl, Verlag Goldegg, 351 Seiten, 22 Euro

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