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Gesundheit

In diesem Fall ist Untergewicht riskanter als Übergewicht

27. August 2017 13:59 Uhr

Beim Kardiologen-Kongress in Barcelona wurde eine Studie vorgestellt, die zeigt, bei welchem Eingriff es bei übergewichtigen Patienten weniger Probleme gibt.

Untergewicht, nicht Übergewicht, führt bei Herzkatheter-Eingriffen zu einer höheren Sterblichkeit, zu höheren Kosten, längeren Verweildauern im Krankenhaus und häufigeren Wiedereinweisungen. Das ist das Ergebnis einer auf dem Europäischen Kardiologiekongress (ESC) in Barcelona präsentierten Analyse von mehr als einer Million Patienten, berichtet die Österreichische Kardiologische Gesellschaft (ÖKG). 

"Ein hoher Body Mass Index (BMI) ist ein bekannter Risikofaktor für Koronare Herzkrankheiten, doch haben Studien gezeigt, dass übergewichtige und adipöse Patienten nach der Wiedereröffnung von Gefäßen mittels Herzkatheter weniger Komplikationen und bessere klinische Ergebnisse haben. Dieses Phänomen bezeichnen wir als Übergewichts-Paradoxon ('obesity paradox')", so der Hauptautor der Studie Afnan Tariq, interventioneller Kardiologe vom Lenox Hill Hospital in New York. 

"Seit Längerem ist auch aus der Intensivmedizin ein ähnliches Übergewichts-Paradoxon bekannt. Unabhängig davon müssen wir aber aus herzmedizinischer Sicht darauf hinweisen, dass Übergewicht natürlich ein nachgewiesener Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist und deshalb vermieden werden sollte", kommentiert Primar Franz Xaver Roithinger von der Österreichischen Kardiologischen Gesellschaft (ÖKG) die aktuelle Studie. 

Studie mit Patienten nach Katheter-Eingriff

Die Studie untersuchte in einer für die USA repräsentativen Patientengruppe nach einem Kathetereingriff die Zusammenhänge zwischen dem BMI und der Sterblichkeit im Krankenhaus, der Liegezeit, den Behandlungskosten sowie die Wiedereinweisungsrate innerhalb von 30 Tagen. Im Jahr 2013 hatten in den USA 1.035.727 Patienten einen Herzkatheter-Eingriff, wovon 42 Prozent ein Stent oder Ballon eingesetzt wurde. 0,4 Prozent der Patienten waren untergewichtig (BMI kleiner als 19), 11,4 Prozent adipös (BMI 30,1 bis 40) und 8 Prozent krankhaft fettleibig (BMI über 40 kg/m2). 

Fazit der Untersuchung: Untergewichtige Patienten hatten ein mehr als dreifach höheres Sterberisiko nach dem Kathetereingriff als krankhaft fettleibige, und ein fünfmal höheres als übergewichtige. Die Sterblichkeit betrug 6 Prozent bei Untergewichtigen, 2,3 Prozent bei Normalgewichtigen, 1,7 Prozent bei Übergewichtigen, 1,2 Prozent bei Adipösen, 1,9 Prozent bei krankhaft Fettleibigen. 

Die Verweildauer im Krankenhaus war bei Untergewichtigen mehr als doppelt so lang wie bei Normalgewichtigen (105 Tage versus 5,1 Tage), was fast 50 Prozent höhere Kosten für Untergewichtige bedeutete. Krankhaft Fettleibige hatten eine geringfügig längere Verweildauer und höhere Behandlungskosten als Normalgewichtige. Untergewichtige wurden um 18 Prozent häufiger innerhalb von 30 Tagen wieder in ein Krankenhaus aufgenommen als Normalgewichtige, krankhaft Übergewichtige um 8,2 Prozent seltener.

"Es scheint, dass Patienten mit einem höheren BMI bessere Outcomes als normalgewichtige Patienten haben", bilanziert Tariq. "Die Studie bestätigt auch, dass die fragilen Patienten, jene mit dem niedrigsten BMI, bei Herzkatheter-Eingriffen die schlechtesten Outcomes haben."

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