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Gesundheit

"Ich laufe nicht für die Figur, sondern fürs Gehirn"

Von Dietlind Hebestreit   01. September 2018 00:04 Uhr

"Ich laufe nicht für die Figur, sondern fürs Gehirn"
Die Welserin Manuela Macedonia sportelt bei jedem Wetter und nennt das "aktive Gehirnpflege".

Hirnforscherin Manuela Macedonia erklärt, was Bewegung im Gehirn bewirkt und wie man sich motiviert.

Bewegung macht klug und schützt vor Demenz. Um das genauer zu erklären, hat Manuela Macedonia, Hirnforscherin an der JKU Linz, ein Buch mit dem Titel "Beweg dich!" geschrieben, das am Montag erscheint. Im OÖN-Gespräch erklärt sie, wie man es angeht.

 

OÖN: Sie sagen "Ich laufe nicht für meine Figur, ich laufe für mein Gehirn". Gibt es keinen bequemeren Weg, geistig fit zu bleiben?

Manuela Macedonia: Diese Frage wird mir oft gestellt und ich muss definitiv sagen: Bewegung ist die natürlichste und beste Art, geistig fit in jedem Alter zu sein und zu bleiben. Die Alternative dazu ist, zu akzeptieren, dass wir weniger leistungsfähig sind und im Alter eine größere Wahrscheinlichkeit haben, an Demenz zu erkranken.

Können Sie kurz erklären: Was bewirkt Bewegung im Gehirn?

Bewegung regt eine Reihe von Prozessen an, die das Gehirn als System leistungsfähig halten, unter anderem die Entstehung neuer Gehirnzellen, neuer Blutgefäße, die Ausschüttung von Nervenwachstumsfaktoren, um nur einige zu nennen. Mit anderen Worten wirkt sich Bewegung – im Gegensatz zu Medikamenten – systemisch aus, sie wartet das Gehirn wie ein Generalservice beim Auto statt nur die Überprüfung des Reifendrucks.

Wie kann ich Bewegung zum Lernen nützen?

Um Inhalte zu speichern, brauchen wir ein gutes Kurzzeitgedächtnis. Die Information wird zunächst im Hippocampus gespeichert. Dieser sitzt in der Tiefe unseres Gehirns und speichert das Gelernte bis zu zwei Jahre. Bewegen wir uns, bleibt auch der Hippocampus fit und seine Funktion intakt. Studien haben gezeigt, dass das Hippocampusvolumen sportlicher Kinder bedeutend größer ist als jenes von Kindern, die sich wenig bewegen.

Warum ist Sport für Teenager besonders wichtig?

Sie brauchen einerseits ein gutes Gedächtnis für die Schule. Andererseits regt Bewegung die Ausschüttung von Nervenwachstumsfaktoren an. Haben Jugendliche zu wenig, sind sie impulsiv und können sich schlecht konzentrieren. Sport ist zwar kein Wundermittel, aber er macht ausgeglichen und mildert ADHS-Symptome.

Sie sagen, Sport ist die beste Alzheimer-Prävention. Wie kann das sein?

Eine dänische Wissenschaftlerin hat 2012 das glymphatische System entdeckt. Es handelt sich um ein Reinigungssystem im Gehirn und Rückenmark, das Ablagerungen und Schadstoffe des Gehirnstoffwechsels abtransportiert. Im Alter wird dieses System träge: Die Ablagerungen sammeln sich an der Gehirnoberfläche und verursachen die Entstehung der sogenannten Plaques. Bewegung regt aber nachweislich das glymphatische System an. Deswegen ist es mir nie zu spät, zu kalt oder zu warm oder zu windig: Ich pflege mein Gehirn aktiv und das, weil es notwendig ist!

Wenn ich es bis 50 nicht geschafft habe, Bewegung in mein Leben zu integrieren – ist es jetzt zu spät?

Bewegung hilft immer, das Gehirn zu pflegen. Sogar bei Alzheimer-Patienten hat man gesehen, dass viermal in der Woche eine halbe Stunde Spaziergang dazu führt, dass der geistige Verfall verlangsamt wird.

Warum war es Ihnen wichtig, über dieses Thema zu schreiben?

Es ist dringend notwendig, dass Menschen, die nichts mit Neurowissenschaft zu tun haben, umfassende Information zu diesem Thema bekommen. Das moderne Leben ist zwar bequem, aber durch den Bewegungsmangel haben wir auch eine Zahl von Zivilisationskrankheiten entwickelt, die uns in den nächsten Jahrzehnten sehr zu schaffen machen werden. Noch schlimmer als Übergewicht oder Diabetes sind in meinen Augen Veränderungen des Gehirns: Kinder bleiben nicht verschont und ihre kognitiven Leistungen nehmen dadurch ab. Um nicht von alternden Menschen zu reden, die immer mehr von Demenz betroffen sind. Dieses Buch erklärt, wie wir uns durch Bewegung geistig fit halten, und das völlig ohne Nebenwirkungen!

Haben Sie einen Tipp, wie man sich am besten motiviert?

Ich vergegenwärtige mir immer die Gedächtnisambulanz der Uni-Klinik in Innsbruck, wo ich vor vielen Jahren nach dem Doktorat eine Hospitation hatte und die Gespräche mit den dementen Patienten. Das ist mir Motivation genug, um mich an heißen Sommertagen und im Winter, wenn es draußen kalt und nass ist, meine Laufschuhe – wenn auch nur für eine kleine Laufrunde – anzuziehen und mein Gehirn zu pflegen.

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