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Heilsames Katzenschnurren

Von Ulrike Griessl   19.November 2012

Heilsames Katzenschnurren
Wenn sich Katzen verletzen, schnurren sie, um ihre Selbstheilungskräfte zu aktivieren.

Katzen schnurren, wenn sie sich wohl fühlen oder wenn sie Vertrauen aufbauen wollen. Das weiß jeder, der eine Samtpfote besitzt. Weniger bekannt ist jedoch, dass Katzen auch Schnurren, wenn sie an einer Verletzung oder an Schmerzen leiden. Das haben Wissenschaftler des „Fauna Communications Research Institute“ in North Carolina herausgefunden. Ihren Forschungen zufolge können verletzte Katzen durch Schnurren die Heilung ihrer Wunden beschleunigen. Besonders Knochenbrüche würden bei Katzen auf diese Weise schneller heilen als bei anderen Tieren. Die medizinisch wertvolle Schnurrfrequenz liegt laut Forschung zwischen 27 und 44 Hertz.

Knochenwachstum wird angeregt

Warum diese Schwingungen eine heilende Wirkung haben, erklärt der deutsche Wissenschaftler Leo Brunnberg von der Klinik für Haustiere an der Freien Universität Berlin, der sich ebenfalls wissenschaftlich mit diesem Phänomen beschäftigt hat: „Das Schnurren stimuliert zunächst die Muskulatur, die in enger Beziehung zum Knochen steht. Durch die kaum merkliche Belastung der Muskeln wird der Knochenwuchs angeregt. Poröse Knochen bekommen auf diese Weise mehr Dichte, gebrochene Knochen heilen schneller.“

Ob Katzenschnurren auch bei menschlichen Knochen eine positive Wirkung hat, haben belgische Forscher in einer sechsmonatigen Pilotstudie untersucht. Sie ahmten die Schnurrfrequenz mit Vibrationsplattformen nach und beobachteten, ob sich die Knochendichte von Osteoporose-Patienten dadurch erhöhen ließ. Die Erfolge sprachen für sich.

Diese Untersuchungen haben wiederum den Grazer Allgemein- und Ganzheitsmediziner Kurt Pinter fasziniert, sodass er begann, die Wirkung des Schnurrens auch bei seinen Patienten zu testen. Dazu verwendete der Mediziner Polster, in die er die Schnurrgeräusche seiner Hauskatze mittels Verstärker eingebaut hatte. Diese legte er Patienten auf jene Körperstellen, die sie schmerzten. „Es hat mich selbst erstaunt, aber die Erfolge waren tatsächlich extrem gut“, berichtet Pinter.

Mittlerweile hat der Grazer Arzt sechs Jahre Erfahrung mit der Methode gesammelt und Hunderte Patienten behandelt. Er wendet die „Katzenschnurr-Therapie“ bei unterschiedlichen Beschwerden an. „Ich konnte damit beispielsweise einem Posaunisten helfen, der nach einem Skiunfall starke Schmerzen und eine Schwellung in der linken Schulter hatte“, erzählt Pinter. Der Patient sei zu ihm gekommen, um sich eine Cortisonspritze zu holen, habe sich dann aber auf Anraten des Arztes mit dem „Schnurrpolster“ behandeln lassen. „Der Musiker war vorher extrem skeptisch, nach zwei Sitzungen aber umso erstaunter, dass die Schwellungen und der Schmerz weg waren“, erzählt der Mediziner.

 

Testergebnisse

Testergebnisse des Grazer Internisten, Kardiologen und Sportmediziners Günter Stefan (ehem. ärztlicher Leiter des Physiotherapiezentrums Laßnitzhöhe bei Graz) zeigen, dass die „Katzenschnurr-Therapie“ auch die Lungenfunktion von Patienten verbessern kann.

Stefan wendete diese bei Patienten mit Asthma oder mit der Lungenerkrankung COPD an, die wegen der Bildung zähen Schleims unter Kurzatmigkeit und verminderter Leistungsfähigkeit litten.

In einem Zeitraum von zwei Wochen legte er zwölf Patienten als einzige Therapie täglich 20 Minuten lang je ein Katzenschnurr-Kissen im Bereich des linken und des rechten Lungenflügels auf. Nach der Behandlung hatten alle Patienten deutlich günstigere Werte als vorher und fühlten sich auch erheblich besser.

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07. Dezember 2019