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Gesundheit

„Gute Lügen stabilisieren Freundschaften“

Von Sabine Novak   02. April 2013 00:04 Uhr

„Gute Lügen stabilisieren Freundschaften“
Lügen gehören zu unserer Natur.

Das Buch „Wenn ich ehrlich bin, dann lüg ich richtig gut“ ermuntert dazu, nicht immer die Wahrheit zu sagen.

Aus Rücksicht auf den Partner sagen wir nicht immer die Wahrheit. Das grell gemusterte Kleid der guten Freundin loben wir, um sie nicht zu kränken. Wir lachen über Witze des Chefs, obwohl wir sie nicht lustig finden. Kleine Lügen gehören zu unserem Alltag. Das lässt sich nicht wegleugnen. Die beiden Psychologen und Autoren Ute Ehrhardt und Wilhelm Johnen sagen vielmehr: Wer von sich behauptet: „Ich lüge nie“, habe es bereits getan.

Sie beschäftigen sich in ihrem Buch „Wenn ich ehrlich bin, dann lüg ich richtig gut. Wahrheit bringt uns nicht immer weiter“ nicht mit Betrügereien, die für die Hintergangenen große Nachteile nach sich ziehen. Thema sind vielmehr die kleinen alltäglichen Lügen. Schonungslos ehrlich zu sein, würde uns zahlreiche Probleme einhandeln, die Menschen in unserem Umfeld beleidigen und uns in die soziale Isolation treiben.

Die Linzer Psychologin Isabella Woldrich findet das spannend. „In den letzten Jahren wurde in Selbstsicherheitsseminaren immer totale Wahrheit gelehrt, jetzt gibt es den Schwenk in die andere Richtung. Das ist gut so. Es geht darum, die Wahrheit so zurecht zu zimmern, dass sie in das soziale Umfeld passt.“ Lügen gehören zu unserer Natur, sagen die Autoren des Bestsellers „Gute Mädchen kommen in den Himmel, böse überall hin“. Und sie gehen noch einen Schritt weiter: „Die Fähigkeit zu lügen, ist eine intellektuelle Höchstleistung, ohne deren Existenz keine soziale Welt möglich ist.“ Der Linzer Moraltheologe, Universitätsprofessor Michael Rosenberger pflichtet bei. „Lügen braucht viel Intelligenz“, sagt er: „Um lügen zu können, muss ich mich in die Vorstellungswelt des anderen versetzen, die Gedankenwelt des anderen erahnen.“ Ein kleines Kind habe noch nicht die Fähigkeiten, sich in andere hinein zu versetzen und kann daher nicht lügen. „Tricksen kann ich, weil ich mit den Gedanken des anderen spiele, und das muss ich gut machen, sonst würde er es sofort durchschauen“, sagt der Moraltheologe.

Die Buchautoren nennen fünf Gründe, warum lügen Sinn macht:

1. Gute Lügen stabilisieren Freundschaften.

2. Gute Lügen vermeiden Konflikte.

3. Gute Lügen verschaffen Vorteile.

4. Gute Lügen erhöhen Erfolgschancen.

5. Gute Lügen verstärken das Lebensglück.

Auch sich selbst zu belügen macht Sinn. Wir belügen uns, indem wir unsere Schwächen entschuldigen. Glücksforscher sagen, dass eine intelligente Selbstmanipulation Bedingung für ein positives Lebensgefühl ist.

„Wenn ich ehrlich bin, dann lüg ich richtig gut. Wahrheit bringt uns nicht immer weiter“ von Ute Ehrhardt und Wilhelm Johnen. Knaur-Verlag, 304 Seiten, 12,99 Euro

 

"Zu welchen Notlügen greifen Sie zuweilen?" - Die OÖN haben nachgefragt

Isabella Woldrich, Psychologin: "Ich versuche, nicht echte Unwahrheiten zu sagen, sondern die Erweiterung der Wahrheit. Wenn mir das Kleid einer Bekannten nicht gefällt, sage ich das nicht, wenn sie mich nach meiner Meinung dazu fragt. Sondern vielmehr: Die Haare passen total gut dazu, oder: Das Kleid unterstützt total deinen Typ."

Michael Rosenberger, Moraltheologe: "Kleine Beschönigungen oder sich Dinge zurechtzureden, würde man in der Ethik noch nicht als Lüge bezeichnen. Ich gebe mich manchmal gestresster, als ich bin, um zu signalisieren: Lasst mich gehen, ich will in Ruhe weiterarbeiten. Man weiß ja vorher nicht, wie lange jemand mit seinem Anliegen meine Zeit braucht."

Günther Lainer, Kabarettist: "Ich lebe vom Lügen, wenn ich ein Kabarettprogramm schreibe. Umso besser wir Kabarettisten G‘schichteln drucken, umso lustiger ist unser Programm. Man lügt sich auch gern selbst an. Persönlich rege ich mich oft über Handy-telefonierer auf, wenn ich unterwegs bin. Aber ich nutze es selbst am meisten."

Dorothea Lusenberger, Astrologin: "Ich bin ein Verfechter von kleinen Notlügen. Ich muss über mich lachen, wenn ich mich wieder einmal dabei ertappe. Zum Beispiel erzähle ich, dass ich den ganzen Tag Stress gehabt habe und mit meiner Arbeit nicht fertig geworden bin. Wenn ich ehrlich bin, habe ich viel Zeit zum Pflegen von Sozialkontakten verwendet."

 
 
 
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