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Gesundheit

Das Glück der Demenzpatienten lag auf dem Rücken der Pferde

Von Claudia Riedler   24. Oktober 2016 00:04 Uhr

Das Glück der Demenzpatienten lag auf dem Rücken der Pferde
Erste Kontaktanbahnung mit Pony Susi – die Senioren erwiesen sich allesamt als sehr mutig im Umgang mit den Pferden.

In Ebelsberg erlebten die Gäste des Demenztageszentrums eine besondere Reitstunde.

"Das Leben findet draußen statt", sagt Sabine Wögerbauer, Leiterin des Volkshilfe-Demenztageszentrums "Regenbogen" in Linz. Hier werden demenzkranke Menschen sinnvoll beschäftigt, betreut, gepflegt und versorgt. Das Durchschnittsalter der Gäste liegt zwischen 85 (Frauen) und 81 bei den Männern. Manche kommen täglich, andere ein- bis mehrmals die Woche und machen mit beim Gedächtnistraining, bei der Gartenarbeit und bei den vielen Aktivitäten draußen im Freien.

An diesem Tag bedeutet draußen: bei den Pferden im Reittherapiezentrum Steckenpferd in Linz-Ebelsberg. Haflingerstute Halinka macht den Anfang. Sie wird von den Senioren für die Reitstunde fertig gemacht. Die Mutigen kratzen ihr sogar die Hufe aus. "Die Reittherapie ist für Menschen jeden Alters geeignet. Wir bieten das für Kinder an genauso wie für Senioren", sagt Reittherapeutin Romana Pixner. Gemeinsam mit einem der Gäste führt sie die Stute Halinka hinüber in die Reithalle. Auch Pony Susi – bereits stolze 31 Jahre alt – ist bei der Reitstunde der Demenzpatienten dabei.

Es ist der Moment, der zählt. "Pferde sind echte Herzensöffner", sagt Pixner. "Auch wenn manche vorher skeptisch sind, reiten schließlich fast alle." Zuerst werden Halinka und Susi aber noch von allen Teilnehmern durch die Halle geführt und gestreichelt. "Der Körperkontakt macht viel aus und tut gut. Das weckt Erinnerungen an die Kindheit", sagt Reittherapeutin Michaela Hainzl.

Über die Treppe aufs Pferd

Zum Aufsitzen und Reiten wird nun Sir Otis, ein kräftiger Wallach, in die Reithalle geführt. Er zeigt zuerst an der Lounge die Gangarten Schritt, Trab und Galopp. "Ein schönes Pferd", entfährt es da dem einen oder anderen Reitneuling. Dann sind sie schon dran. Jeder, der sich traut, darf über eine kleine Treppe auf den großen Sir Otis steigen. "Es ist mein erstes Mal. Da wird die Verwandtschaft schauen, wenn ich das erzähle", sagt der 80-jährige Gerhard – und als er nach dem Ritt wieder absteigt: "Ich bin so froh, dass ich das gemacht habe. Es war ein angenehmes Gefühl."

"Fesch war’s", sagt Waltraute nach ihrer Runde. "Jetzt kann ich bei meiner Tochter angeben." Auch sie ist noch nie zuvor geritten. "Als junges Mädel hab’ ich gearbeitet, da gab es keinen Reitunterricht", so die 80-Jährige. Das bestätigt die 79-jährige Ingeborg. "Wir waren fünf Kinder, ein Verdiener – da gab es kein Reiten." Umso mehr hat es ihr gefallen. "Ich war überrascht, dass das Pferd so hoch ist."

"Es ist erhebend, da oben zu sitzen, und das Pferd tut, was man will", sagt Gerhard, mit 56 der jüngste Tagesgast, der durch eine Erkrankung sein Kurzzeitgedächtnis verloren hat. "Ich war auch schon beim Klettern dabei und spiele wieder Tenorhorn. Würde ich das alles nicht tun, wäre ich nicht so weit wie jetzt", sagt er.

Mit Applaus und warmem Tee werden die Reiter nach der Runde durch die Halle empfangen. "Das Reiten bringt Lebensfreude, ist aber auch körperliche Betätigung. Die Aufrichtung ist wichtig, der Muskeltonus nimmt zu, das Sprachzentrum im Gehirn wird aktiviert", sagt Reittherapeutin Pixner und Kollegin Hainzl ergänzt. "Trotzdem fühlt es sich nicht an wie Therapie."

Die Gäste des Demenztageszentrums strahlen wie die Honigkuchenpferde und tauschen ihre Erlebnisse aus. "Davon reden sie bestimmt noch lange", sagt Wögerbauer.

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