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Gesundheit

Achtung, die Backenzwicker kommen!

Von Dietlind Hebestreit   29. April 2015 00:04 Uhr

Achtung, die Backenzwicker kommen!
Was Erwachsenen gefällt, muss Kindern nicht passen.

Eine Linzer Expertin erklärt, wie Kinder lernen, sich gegen Übergriffe von Erwachsenen zu wehren. Auf die eigenen Gefühle zu vertrauen, ist der Schlüssel.

Das Zitat "Achtung, die Backenzwicker kommen!" stammt aus dem Kinostreifen "Dennis, die Nervensäge". Der Bub meint damit die Tanten, die alle Kinder so süß finden, dass sie sie ungefragt anfassen, umarmen, küssen. "Kinder müssen sich jedoch nicht alles gefallen lassen", sagt Michaela Kern, Leiterin des Kinderschutz-Zentrums in Linz.

"Natürlich muss es Regeln geben – zum Schutz des Kindes. Das sollten Erwachsene dem Kind auch erklären. Ansonsten kann das Kind aber immer Grenzen ziehen", so die Psychologin. Buben und Mädchen hätten ein sehr feines Gespür dafür, was ihnen angenehm ist und was nicht.

Gefühle des Kindes respektieren

Kinder reagieren meistens von Natur aus richtig und ganz spontan: Sie sagen klar und deutlich, wenn sie etwas nicht möchten. "Man sollte das Kind in allem respektieren, was es will und was es nicht will", erklärt Kern. "Wenn man dem Kind signalisiert, ,alle deine Gefühle sind blöd’, dann kann es sich darauf nicht mehr verlassen. Dann wird es sich auch nicht anvertrauen können, wenn etwas Schlimmes passiert", so die Leiterin des Linzer Kinderschutzzentrums.

Wichtiger als Sätze wie "Du kannst mir alles sagen" sei es, die Kleinen in ihren Gefühlen ernst zu nehmen und zu bestärken. "Es ist wichtiger, ihnen das Gefühl zu geben, dass man sie ernst nimmt, als ihnen das in Worten mitzuteilen", betont die Linzerin.

Wenn Kinder jemanden nicht mögen, sollen Eltern ihre Söhne und Töchter nicht überreden, doch brav zu sein, der Tante ein Bussi zu geben oder am Schoß des Onkels zu sitzen. "Es geht nie um Wahrheitsfindung. Das, was das Kind fühlt und sagt, hat immer Bedeutung", sagt die 48-Jährige.

Auf Gefühle vertrauen können

Natürlich habe nicht jeder Mensch, den ein Kind nicht so gerne hat, gleich böse Hintergedanken. "Doch wenn ein Erwachsener ein Kind tatsächlich berührt, um sexuelle Befriedigung zu erzielen, spürt das gesunde Kind das genau", so die Psychologin. Dann sollte es auf seine Gefühle vertrauen können – auch um sich in der Not seinen Eltern oder einem anderen Erwachsenen anvertrauen zu können.

Oft fällt es auch Erwachsenen schwer, ihren Gefühlen zu vertrauen und diese zu zeigen. Dann kann es auch sinnvoll sein, an sich selbst zu arbeiten, um Kindern besser helfen zu können.

 

Buchtipp

Im Verlag mebes&noack sind Bücher und ein Spiel erschienen, die Buben und Mädchen helfen ihren Gefühlen zu vertrauen und sich vor Übergriffen durch Erwachsene zu schützen:

„Ich bin doch keine Zuckermaus“ , Neinsagegeschichten und Lieder von Sonja Blattmann und Gesine Hansen, 22,50 Euro.

„Ein Dino zeigt Gefühle“, Gefühle kennen und erkennen, von Heike Löffel und Christa Manske, Bücher 1 und 2: je 19,50 Euro, Memo & Lotto-Spiel: 22,50 Euro.

„Kein Anfassen auf Kommando“ und „Kein Küsschen auf Kommando“ , gut geeignet für die Präventionsarbeit mit kleinen Mädchen und Buben, von Marion Mebes und Lydia Sandrock, Wendebuch, 11,90 Euro.

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