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7 Ammenmärchen zum Thema Stillen

Von Ulrike Griessl   24.Februar 2021

7 Ammenmärchen zum Thema Stillen
Muttermilch ist die beste Nahrung für Babys.

Wie klappt das Stillen? Welche Vorteile hat es? Ist künstliche Babynahrung nicht genauso gut? Was kann man falsch machen? Zu all diesen Fragen rund um die Ernährung von Babys kursieren viele unterschiedliche Ansichten. Sie tragen dazu bei, frisch gebackene Mütter in der ohnehin herausfordernden Zeit mit einem Neugeborenen zusätzlich zu verwirren und zu verunsichern.

"Das müsste nicht sein", meint die Gynäkologin und ausgewiesene Stillexpertin Gudrun Böhm. Denn es gebe klare wissenschaftliche Erkenntnisse zum Thema Stillen. Die Vizepräsidentin des VSLÖ (Verband der Still- und LaktationsberaterInnen IBCLC Österreich) und Oberärztin am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Linz klärt auf, was richtig ist und wobei es sich um Ammenmärchen handelt.

  1. Es ist egal, ob man sein Baby stillt oder mit Babynahrung füttert. "Muttermilch enthält alles, was das Neugeborene benötigt, um sich optimal zu entwickeln. Keine auch noch so angepriesene Ersatznahrung kann diese Fülle an Inhaltsstoffen bieten. Nachgewiesen ist unter anderem, dass gestillte Kinder seltener Mittelohrentzündungen, chronische Darmentzündungen, Allergien, Diabetes und Adipositas entwickeln, als Kinder, die mit künstlicher Babymilch gefüttert werden."
  2. Meine Mutter konnte nicht stillen, daher kann ich es auch nicht. "Stillen ist keine vererbbare Fähigkeit, sondern erlernbar. Früher haben Mütter oft nicht gestillt, weil sie nicht wussten, wie wichtig es für ihre Kinder ist, daher gaben sie rascher auf, wenn es nicht sofort klappte. Die ersten Tage mit dem Neugeborenen legen den Grundstein für die weitere Stillbeziehung. In diesen Tagen ist es normal, dass das Baby sehr oft an der Brust saugen möchte – auch nachts. Das korrekte Saugen und die Stillpositionen müssen geübt werden. Beim ersten Kind ist eine professionelle Unterstützung sicher hilfreich."
  3. Während der Stillzeit sind frisches Brot und Steinobst für Mütter tabu. "Stillende sollen sich ausgewogen und gesund ernähren und nur auf Nahrungsmittel verzichten, die ihnen selbst nicht guttun, die also Blähungen oder Allergien verursachen. Auf Alkohol sollte in der Stillzeit allerdings verzichtet werden."
  4. Durch das Stillen werden die Brüste schlaff. "Das Brustgewebe verändert sich vor allem durch Nikotin, Alter und Gewichtsschwankungen. Natürlich auch in der Schwangerschaft. Stillen hat, bis auf eine kurze Zeit nach dem Abstillen, keinen negativen Effekt auf die Form der Brust."
  5. Vier Stunden Pause zwischen den Mahlzeiten müssen sein. "Muttermilch ist optimal verdaulich und kann nach Bedarf verabreicht werden. Manchmal sind die Pausen beim Stillen etwas länger, vor allem abends gibt es aber eine Phase des häufigen Trinkens, die sogar einen eigenen Namen bekommen hat, nämlich ,Cluster feeding‘. Dieses intensive Trinken am Abend ist normal und darf nicht als Hinweis auf zu wenig Muttermilch gewertet werden."
  6. Nächtliches Stillen verhindert das Durchschlafen. "Babys schlafen generell nicht durch, und das ist auch gut so, da sich das Gehirn mit diesem individuellen Schlafrhythmus optimal entwickeln kann. Stillen in der Nacht bietet den großen Vorteil, dass Mama oder Papa nachts nicht aufstehen und Flaschen zubereiten müssen. Während des Stillens können Mutter und Baby sogar einschlafen und finden so insgesamt mehr Schlafzeit."
  7. Sobald das Baby den ersten Zahn hat, sollte man abstillen, um Karies zu vermeiden. "Wie Studien beweisen, stimmt das nicht – auch wenn es manche Zahnärzte behaupten. Bei adäquater Mundhygiene und normalem Saugen des Babys in den ersten beiden Lebensjahren konnte kein erhöhtes Risiko für die Entstehung frühkindlicher Karies nachgewiesen werden. Allerdings gibt es Einflüsse auf die Entstehung von Karies, die auch bei Stillkindern auftreten können, so etwa fehlende Mundhygiene, ungünstige Ernährungsgewohnheiten, Mundatmung oder ein ungünstiger pH-Wert des Speichels," erklärt Oberärztin Gudrun Böhm von den Barmherzigen Brüdern.

Hilfe für Stillende

Medizinische Fachkräfte wie Ärzte, diplomiertes Krankenpflegepersonal oder Hebammen können sich durch eine fundierte Zusatzausbildung (Ausbildung zur IBCLC, International Board Certified Lactation Consultant) Spezialwissen zum Thema Stillen aneignen.

„Bei Fragen rund um Muttermilch, Problemen während der Stillzeit oder zur Vorbereitung auf eine bevorstehende Stillzeit stehen Müttern Stillberaterinnen-IBCLC mit Fachwissen und praktischen Tipps zur Seite“, sagt die Gynäkologin und Stillexpertin Gudrun Böhm.

Eine IBCLC in Wohnnähe ist unter www.stillen.at zu finden.

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17. Mai 2021