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So halten Sie Ihr Gehirn wirklich jung

Von Dietlind Hebestreit   08. August 2012 00:04 Uhr

So halten Sie Ihr Gehirn wirklich jung
Es lohnt sich, das Gehirn zu hegen und zu pflegen.

Puzzle legen, Kreuzworträtsel lösen, mentale Rotationsprogramme am Computer durchspielen – Tätigkeiten, die salopp „Gehirnjogging“ genannt werden, sollen das Gedächtnis stärken und das Denkvermögen verbessern.

„Es gibt es keine Studien, die das eindeutig nachweisen. Dafür steckt eine riesige Industrie dahinter“, sagt Manuela Macedonia, von der Linzer Uni, die auch Gastwissenschaftlerin am Max Plank Institut in  Leipzig ist. Wer gut Kreuzworträtsel lösen kann, hätte deshalb nicht unbedingt bessere geistige Fähigkeiten, wie zum Beispiel ein besseres Gedächtnis in allen möglichen Bereichen . „Transfereffekte lassen sich nicht beweisen“, so die Wissenschaftlerin. Allerdings gebe es viele wissenschaftlich bewiesenen Möglichkeiten, das Gehirn jung zu halten:

Sport: Dabei sollte es sich um zyklische Bewegungen handeln, wie gehen, walken, laufen, radeln, schwimmen, am Hometrainer strampeln. „Viermal pro Woche eine Stunde. Und außerhalb der Komfortzone“, sagt Macedonia. Zyklische Bewegung regt die Aktivität des Hippocampus an, jener Gehirnstruktur, die für Zellenerneueurungsprozesse zuständig ist (1). Gute Effekte erzielt man also nur mit Anstrengung, „es wurden aber zum Beispiel auch bei Alzheimerpatienten im späten Stadium, die dreimal in der Woche eine halbe Stunde im Gang auf und ab gingen, Verbesserungen entdeckt“(2). Bewegung wirkt sich auch gegen Depression (3) aus: und hilft Stimmungsschwankungen im Klimaterium fernzuhalten. (4)

Geistige Anstrengung: Ähnlich wie bei der Bewegung ist auch bei geistiger Tätigkeit Anstrengung notwendig. Zeitung und Bücher lesen oder ins Theater gehen reicht also nicht aus. „Man muss sich auch hier außerhalb der Komfortzone begeben, also sich zum Beispiel eine Fremdsprache aneignen oder lernenmit dem Computer umzugehen. Besonders positiv: Ein Musikinstrument lernen“, so Macedonia. Genau Dinge, die man nicht gut kann und übt, geben positive Impulse.  (5) Das Geheimnis heißt „lebenslanges lernen“.

Frisches Essen: Möglichst frisch geerntet, geschnitten oder gekocht sollten Obst, Kräuter und Gemüse in bester Qualität auf den Tisch kommen (6). Omega3-Fettsäuren (7) (Fisch aus kalten Gewässern, Leinöl) putzen die Gefäße durch und reduzieren die Gefahr eines Schlaganfalls. Auch Nüsse sind gute Nahrung für das Gehirn. Auch ein Gläschen Rotwein schadet nicht (8). Nur in geringen Mengen: Schweinefleisch.
Soziales Leben: Mit Freunden etwas unternehmen, glückliche Momente mit der Familie erleben, alle Arten von positiver sozialer Interaktion erhalten die Jugendlichkeit des Gehirns (9).

Achtung Gefahr für Ihr Gehirn: Besonders wer in Pension geht, sollte sich rasch um sinnvolle Aktivitäten umsehen, in denen man gefordert ist. So lässt sich der geistige Verfall bremsen.

 

Das menschliche Gehirn besteht aus zwei Bereichen:

Graue Substanz: Die Nervenzellen an der Oberfläche des Gehirns (Gehirnrinde) heißen Neuronen. Sie werden im Lauf der Zeit zerstört und teilweise durch im Hippocampus erzeugte Zellen ersetzt. Im Lauf der Zeit lässt dieses Verfahren der Regeneration (Neurogenese) nach, Zellen können nicht mehr zur Gänze ersetzt werden. Die Gehirnrinde wird dünner.

Weiße Substanz: Im Inneren des Gehirns ist die weiße Substanz. Sie besteht einerseits aus Fortsätzen der Neuronen, die Informations-Bahnen bilden, auf denen Informationen transportiert werden; andererseits sind Glia-Zellen in der weißen Substanz enthalten. Glia-Zellen unterstützen zusätzlich die Kommunikationsarbeit der Neuronen. Im Lauf der Zeit schrumpft das Volumen der weißen Substanz. Somit lässt auch die Informationsübertragung nach.

Alzheimer und Depression: Bei Alzheimer-Patienten setzen sich Ablagerungen von Eiweißmolekülen im Informationsnetzwerk auf der Oberfläche des Gehirns ab. Sie zerstören Knotenpunkte, die für die Informationsübertragung wichtig sind. Depressionen haben eine verheerende Wirkung auf das Gehirn und können dazu führen, dass der Mensch vergesslich wird.

 

Zitat:

„Die positive Wirkung von Gehirnjogging ist nicht nachgewiesen. Man kann aber viel tun, in erster Linie Bewegung um sein Gehirn jung zu halten.“

Manuela Macedonia, Wissenschaftlerin mit Spezialgebiet Gehirn und joggt viermal in der Woche 10 km, um ihr Denkorgan auf Trab zu halten.

 

Links zum Thema "Psychische Gesundheit":

Hilfe für Angegörige psychisch Erkrankter

Wenn die Psyche Hilfe braucht (Gesundheitsportal der Bundesregierung)
 

Wie gut wissen Sie über das Thema Gesundheit Bescheid? Testen Sie hier Ihr Wissen!

 

Die Nummern im Text zeigen Studien an, Hinweise dazu hier:

1 Erickson, K. I. et al. Exercise training increases size of hippocampus and improves memory. Proc Natl Acad Sci U S A 108, 3017-3022, doi:1015950108 [pii] 10.1073/pnas.1015950108 (2011).

2 Venturelli, M., Scarsini, R. & Schena, F. Six-month walking program changes cognitive and ADL performance in patients with Alzheimer. Am J Alzheimers Dis Other Demen 26, 381-388, doi:1533317511418956 [pii] 10.1177/1533317511418956 (2011).

3 Knochel, C. et al. Cognitive and behavioural effects of physical exercise in psychiatric patients. Prog Neurobiol 96, 46-68, doi:S0301-0082(11)00213-9 [pii] 10.1016/j.pneurobio.2011.11.007 (2012).

4 Villaverde Gutierrez, C. et al. Influence of exercise on mood in postmenopausal women. J Clin Nurs 21, 923-928, doi:10.1111/j.1365-2702.2011.03972.x (2012).

5 Moreno, S. et al. Short-term music training enhances verbal intelligence and executive function. Psychol Sci 22, 1425-1433, doi:0956797611416999 [pii] 10.1177/0956797611416999 (2011).

6 Dias, G. P. et al. The role of dietary polyphenols on adult hippocampal neurogenesis: molecular mechanisms and behavioural effects on depression and anxiety. Oxid Med Cell Longev 2012, 541971, doi:10.1155/2012/541971 (2012).

7 Cole, G. M., Ma, Q. L. & Frautschy, S. A. Dietary fatty acids and the aging brain. Nutr Rev 68 Suppl 2, S102-111, doi:10.1111/j.1753-4887.2010.00345.x (2010).

8 Basli, A. et al. Wine polyphenols: potential agents in neuroprotection. Oxid Med Cell Longev 2012, 805762, doi:10.1155/2012/805762 (2012).

9 Eisenberger, N. I. & Cole, S. W. Social neuroscience and health: neurophysiological mechanisms linking social ties with physical health. Nat Neurosci 15, 669-674, doi:nn.3086 [pii]10.1038/nn.3086 (2012).

 

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