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Ballung der Emotionen dank Erich Fried

Von Reinhold Gruber   01.Juni 2012

Ballung der Emotionen dank Erich Fried
Da stimmt die Chemie: Hoffmann und mg3.

Mit „Was es ist“ haben die Stimme aus Wien (Stichwort „Trailer“) und die Musiker aus Oberösterreich ein besonderes Projekt mit Leben erfüllt. Am 4. Juni kann man das live im Café Fino in der Linzer Eisenhandstraße erleben (Beginn 19.30 Uhr). Nachzuhören ist das Programm auch auf CD.

Gab es den einen Moment, an dem „Was es ist“ Formen angenommen hat?

Hoffmann: Nach meiner Erinnerung hat sich das langsam, aber stetig entwickelt. Es war ja ganz zu Beginn unserer Zusammenarbeit noch gar nicht klar, dass es eine Kooperation auf lange Zeit werden würde. Aber die Chemie stimmte in einem überwältigenden Maß und damit erhöhte sich auch die Anzahl der gemeinsamen Auftritte und damit auch der Wunsch, diese besondere Verbindung – künstlerisch wie menschlich – auf CD zu bannen.

Gasselsberger: Bei fast allen meinen bisherigen CD-Produktionen war immer zuerst das Album und dann die Tournee. Hier ist es anders gelaufen. Es gab einige Auftritte, bei denen sich das Programm immer mehr zu dem formte, was es ist. Die Texte und die Musik sind zusammengewachsen. Nur so konnte diese Ballung an Emotion entstehen.

Was macht Erich Fried, seine Poesie, seine Gedanken so besonders?

Hoffmann: Dichtung heißt Gedanken so „dicht“ und komprimiert in Worte zu kleiden und das Wesentliche vom Unwesentlichen so zu trennen, dass nur noch das wirklich Wesentliche übrig bleibt. In diesem Sinne ist Erich Fried ein wirklich großer Dichter. Seine Gedichte sind Projektionsflächen für aufnahmebereite Hörer und Leser.

Gasselsberger: Besonders ist für mich das vermeintlich Einfache. Fried berührt mit seiner Lyrik und Prosa die Menschen, die nicht zu intensiv interpretieren wollen, als auch die Menschen, die sich von seiner philosophischen Wortgewalt in den Bann ziehen lassen wollen.

Wie leicht oder wie schwer fiel die Auswahl der Texte?

Hoffmann: Die Texte auszuwählen fiel sehr leicht. Ungeheuer schwer fiel, auf so viele wunderbare Gedichte und Prosatexte verzichten zu müssen. Einerseits wegen der Rechte, die man für eine solche CD zwangsläufig benötigt, und die für einzelne Texte einfach nicht erhältlich waren, andererseits weil das Angebot so reichhaltig und grandios ist, dass jede Weglassung schmerzt.

Euer Programm schürt Gefühle, ist pure Emotion, hat einerseits eine Leichtigkeit, die verführt, und andererseits einen Tiefgang, der nachdenklich macht. Beim Hören hatte ich das Gefühl, dass hier die pure Lust an Musik und Sprache ausgelebt wird. Ist das so?

Hoffmann: Mir war wichtig, nicht meine Interpretation in den Vordergrund zu stellen, sondern Erich Fried durch mich sprechen zu lassen. Denn alles, was man ausdefiniert, subtrahiert man zwangsläufig von der Vorstellungsfähigkeit des Hörers.

Gasselsberger: Meine Musik, also vielmehr die Musik meines Trios, ist so konzipiert, dass viel improvisatorischer Freiraum bleibt, um auf die Sprache und die Art des Vortrags spontan reagieren zu können. Genau diese Interaktion heißt für mich pure Lust an Musik und Sprache. Frank hat in einer der Proben zu mir gesagt, man müsse Erich Fried Raum geben und genau das versuchen wir.

Wie beeinflussen die Worte die Komposition?

Gasselsberger: In der Tat haben wir die Gedichte oft gehört und gelesen, bevor wir die Stücke komponierten. Ich hatte nach einiger Zeit ein spezielles Gefühl verspürt, das das jeweilige Gedicht hinterlassen hat. Beim Komponieren gibt es immer mehrere Wege – ich hoffe, dass meiner zu den Hörern führt.

Hat die Musik von mg3 einen Einfluss auf die Art, wie man die Texte liest?

Hoffmann: Natürlich! Wenn man auch sich selbst Sensibilität unterstellt, dann beeinflusst die großartige Musik von mg3 selbstverständlich den Textvortrag auf positive Weise, das heißt, sie vertieft die Wahrnehmung der Texte.

Gibt es ein Lieblingsgedicht von Fried?

Hoffmann: Ja! Meines heißt „Angst und Zweifel“. Zweifle nicht an dem, der dir sagt, er hat Angst, aber habe Angst vor dem, der dir sagt, er kennt keinen Zweifel!

Gasselsberger: Aus aktuellem Anlass sicher das Gedicht „Vom Sparen“. Die letzten Zeilen lauten: Denn die Sparschweinereien werden fast immer verfügt von fetten Schweinen auf Kosten der armen Schweine.

Was macht die besondere Chemie zwischen euch aus?

Hoffmann: Ich meine, es ist schön, dass man besondere Beziehungen zu wenigen Menschen – ob Frau oder Mann – nicht wirklich ergründen und daher auch nicht definieren kann. Es passt halt einfach, das macht dankbar!

Gasselsberger: Frank ist zutiefst musikbegeistert. Seine respektvolle, zugängliche und humorvolle Art hat uns zusammengeschweißt. Ich möchte als Künstler nur mehr mit Menschen zusammenarbeiten, die ich nicht nur schätze, sondern auch gern habe. Das ist in dieser Formation der Fall.

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