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Streit auf engstem Raum: "Seien Sie großzügiger"

Von Claudia Riedler   23.März 2020

Streit auf engstem Raum: "Seien Sie großzügiger"
Kleinere Alltagskonflikte dürfen auch jetzt ausgetragen werden, große Entscheidungen sollte man verschieben.

Die Telefone bei "beziehungleben.at" läuten häufiger als sonst, viele Paare brauchen Beratung. "Konflikte, die unterschwellig immer da waren, brechen in Zeiten der Krise auf", sagt Josef Hölzl, Ehe-, Familien- und Lebensberater. Lange Aufgeschobenes bekomme jetzt Platz. "Dazu kommt, dass jeder unterschiedliche Gewohnheiten hat, was Aufstehen, Essensrhythmus, Mediennutzung oder Sauberkeit betrifft. Was bisher eingespielt war, gilt nicht mehr", sagt Hölzl und hat acht Tipps für ein harmonisches Miteinander:

1 .Entscheidungen: Treffen Sie zurzeit keine folgenschweren Entscheidungen, weder für Ihre Paarbeziehung noch für Ihre Kinder, so der Rat des Experten.

2. Konflikte: Verschieben Sie schwierige Konfliktgespräche auf Zeiten, in denen das Leben wieder seinen gewohnten Gang hat. "Vor kleinen Alltagsstreitereien braucht man sich aber nicht zu fürchten", sagt Hölzl.

3. Streit unter Eltern: Es sei kein Problem, vor den Kindern zu streiten. "Wichtig ist, danach mit ihnen zu reden, sie sollen auch sehen, dass ihre Eltern wieder versöhnt sind", sagt Hölzl.

4. Höflichkeit: Wenn man derzeit nicht liebevoll sein kann, weil Spannungen da sind, sollte man zumindest auf sogenannte "Bürofreundlichkeit" umschalten.

5. Großzügigkeit: Jeder und jede hat Eigenheiten, die man jetzt noch intensiver als sonst wahrnimmt. Hölzls Rat: "Seien Sie großzügiger und nehmen Sie nicht gleich alles persönlich – Sie kennen ihn oder sie ja – und hinter mancher unbedachten Äußerung und Kritik stecken Bedürfnisse wie etwa nach Zuwendung, Akzeptanz, Wertschätzung, Ruhe." Auch sich selbst gegenüber könne man jetzt großzügiger sein als sonst.

6. Aus dem Weg gehen: Auch wenn meist alle zu Hause sind, müsse man nicht alles gemeinsam machen. Weder als Paar noch als Familie. "Schaffen Sie Freiräume für sich, unternehmen Sie Dinge als Paar oder mit einem Kind und halten Sie Kontakt zu anderen", empfiehlt der Experte.

7. Gefühle: Es ist normal, dass Menschen Angst haben, dass sie sich um die Großeltern sorgen, dass die Kinder enttäuscht sind, weil sie keine Freunde treffen dürfen. "In dieser Zeit ist es also besonders wichtig, über Gefühle zu reden und zu versuchen, sie zu benennen", so Hölzl.

8. Abreagieren: Wenn alles zu viel wird, kann man auch alleine oder gemeinsam Dampf ablassen – bei einer Polsterschlacht, einen lauten Schrei loslassen, beim Autoputzen, Kelleraufräumen, Sporteln. "Überlegen Sie einfach, was früher funktioniert hat."

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