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Familie

Der Schnuller: Vor 70 Jahren patentiert, seit 1000 Jahren in aller Munde

19. August 2019 00:04 Uhr

Schnuller

Seit August 1949 hat der weiche Kunststoffsauger viele Millionen Babys beruhigt.

Vor siebzig Jahren – im August 1949 – wurde der Schnuller, wie wir ihn heute kennen, in Deutschland patentiert. Die Sauger an sich sind aber tausende Jahre alt. Die Vorläufer waren mitunter aber recht abenteuerlich.

Will man Albrecht Dürer glauben, hatte schon das Christuskind einen Schnuller: Auf dem Gemälde "Madonna mit dem Zeisig" (1506) hält das Jesulein ein Lutschbeutelchen in der Hand, wie es vom Mittelalter bis ins 18. Jahrhundert in Mitteleuropa als Beruhigungssauger verbreitet war: ein zusammengebundenes Stück Stoff, gefüllt mit Zucker, süßem Brei, Honig, manchmal auch Mohnsamen und oft getränkt in Laudanum, einer alkoholhaltigen Opiumtinktur.

Brutstätte für Keime

Die Verabreichung solcher Schnuller erfüllt nach heutigem Verständnis den Tatbestand der Kindesmisshandlung: Nuckelläppchen waren Brutstätten für Keime, ihr süßer Inhalt zerstörte die Zähne, sobald sie da waren, und das Laudanum machte die Kinder nicht nur erschöpft, sondern auch drogenabhängig. "Schnuller sind Pandorenbüchsen, worin Stoff zu unzähligen Krankheiten enthalten ist", warnte schon 1803 der Kinderheilkundler Friedrich Jahn. Etwas hygienischer als das Nuckelläppchen waren seine Vorläufer: Die alten Ägypter sollen ihre Kleinen schon vor 4500 Jahren mit süß gefüllten tönernen Saugtöpfchen beruhigt haben. In der Antike gab man diesen "Schnullern" das Aussehen von Tieren. In einer großen Öffnung am Hinterteil wurde der Brei eingefüllt, durch die Nasenlöcher des Tierchens saugte das Baby ihn heraus.

Wonnesauger

Die Geburtsstunde der Schnuller in der ungefähren heutigen Form schlug um die Mitte des 19. Jahrhunderts, als der sogenannte "Wonnesauger" die Kinderzimmer eroberte: Er bestand aus schwarzem Kautschuk, war aber auch in gebleichtem Weiß erhältlich und enthielt dann giftiges Blei.

Diese harten Schnuller führten – wie das Daumenlutschen – zu Zahnfehlstellungen, beobachtete der Zahnmediziner Wilhelm Balters. Daher entwickelte er 1949 zusammen mit seinem Kollegen Adolf Müller den ersten "natürlichen und kiefergerechten Beruhigungssauger und Kieferformer". Aus "natürlich und kiefergerecht" wurde 1956 das marktreife Produkt NUK.

Weich und formbar

Balters und Müller hatten festgestellt, dass Kinder, die lange gestillt wurden, selten Zahnfehlstellungen aufwiesen. Daher entwickelten sie einen Schnuller, der genauso weich und formbar sein sollte wie die Mutterbrust. Aus einem Beruhigungsmittel wurde ein kieferorthopädisches Gerät.

Schnuller richtig anwenden

Nicht abschlecken!
Eltern sollten den Schnuller ihres Babys nie abschlecken. Denn dadurch kann das Kind mit kariesauslösenden Mundbakterien angesteckt werden.

Kein Honig

Um die Beruhigungswirkung des Schnullers zu steigern, stecken ihn manche Eltern in Honig. Doch dadurch wird die Lust auf Süßes bereits im Babyalter programmiert. Zudem wird dadurch Karies beim Kind gefördert.

Saugflasche: kein Dauernuckel

Die Saugflasche soll nicht als Dauernuckel statt des Schnullers gegeben werden. Das kann zum Nursing-Bottle-Syndrom führen, also zu Karies an den Milchzähnen.

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