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Familie

Corona-Bilanz der Krisenhilfe: Damit hatten die Oberösterreicher zu kämpfen

Von Valerie Hader  04. Juni 2020 00:04 Uhr

Corona-Bilanz der Krisenhilfe: Damit hatten die Oberösterreicher zu kämpfen
Jobängste, Zukunftssorgen, Beziehungsprobleme: Menschen standen und stehen vor großen Herausforderungen, die nicht selten auch an die Grenze der emotionalen Belastbarkeit führen.

Trennungen, Hoffnungslosigkeit und Einsamkeit waren die häufigsten Probleme, zu denen sich die Menschen Hilfe holten.

"Es ist noch nicht vorbei", sagt Sonja Hörmanseder. Die Leiterin der Krisenhilfe Oberösterreich erwartet trotz der teilweisen Rückkehr zum Alltag einen Anstieg der psychischen Erkrankungen. "Je länger die Zeitspanne der Verunsicherung, desto größer ist die Gefahr, dass die Psyche Schaden nimmt", sagte sie bei einer Pressekonferenz in Linz. Generell teilt sie die Corona-Zeit rückblickend in zwei Abschnitte: die Akutphase von Anfang, Mitte März bis Ende April und die zweite Phase ab Mai, in der es bereits erste Lockerungen gab.

Zwei Phasen der Krise

"Überrascht hat uns, dass es in der Anfangszeit nur sehr wenig Anrufe gab", sagte sie. Der Grund: "Viele sind damals in eine Art Schockstarre gefallen und haben sich erst einmal auf die Grundbedürfnisse konzentriert. Die Psyche ließen sie da vorerst außer Acht."

Nach und nach stiegen die Kontaktzahlen jedoch wieder deutlich. Zu den größten Problemen der Anrufer zählten dabei Beziehungskrisen und Trennungen, wie Psychologe Martin Schmid von der Krisenhilfe erklärt. "Zusammenleben auf engstem Raum ohne Rückzugsmöglichkeit, Mehrfachbelastungen wie Homeoffice und Kinderbetreuung können das Familienleben natürlich stark belasten. Aber auch ,brodelnde Konflikte‘, die im normalen Alltag ignoriert werden können, brechen leichter aus."

Jobängste und Zukunftssorgen

Außerdem hätten die Menschen in der Corona-Zeit vor allem mit Orientierungslosigkeit und Hoffnungslosigkeit zu kämpfen.

Besonders schwierig war und ist es für Menschen, deren Zukunftsperspektive und Arbeitsstelle unsicher sind. "Und dann war da natürlich die Einsamkeit, die vor allem die Älteren und die Alleinstehenden getroffen hat", so Schmid. Auch für jene, die schon vor Corona psychische Probleme hatten, seien die vergangenen Wochen eine enorme Herausforderung gewesen. "Der anfänglich große soziale Zusammenhalt war für viele Menschen hilfreich. Leider nimmt die Solidarität jetzt wieder ab, die Leute verfallen in alte Muster und damit auch in psychische Krisen", sagt er.

"Der Alltag mit alten und Corona-bedingten, neuen Belastungen holt jetzt viele Menschen ein. Zukunftssorgen, Ängste sowie depressive Verstimmungen treten vermehrt auf", sagt Silvia Hörmanseder.

Die von internationalen Experten prognostizierte Steigerung von Suiziden kann die Leiterin der Krisenhilfe aber derzeit (noch) nicht bestätigen, wie sie sagt. "Zweifelsfrei ist es aber heuer besonders wichtig, gute Unterstützungsangebote für psychisch belastete Menschen zur Verfügung zu stellen. Die Auswirkung der Corona-Krise auf die Psyche der Bevölkerung wird in nächster Zeit massiv zunehmen."

Hilfe unter 0732 / 2177

 

Die Krisenhilfe OÖ (eine gemeinsame Initiative von pro mente, Telefonseelsorge, Exit Sozial und Rotem Kreuz) bietet rund um die Uhr Unterstützung bei psychischen Krisen. Die Mitarbeiter stehen dabei unter der Telefonnummer 0732/2177 zur Verfügung. Das Angebot umfasst neben telefonischer und persönlicher Krisenintervention Onlineberatung, Hausbesuche, Unterstützung nach traumatischen Ereignissen und Unterstützung für Einsatzkräfte. Alle Leistungen sind für die Betroffenen kostenlos.

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