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175 Jahre Wia z'haus Lehner: Was der neue Pächter vorhat

Von Philipp Braun  15. April 2022 01:23 Uhr

175 Jahre Wia z’haus Lehner in Linz
Erfolgreicher Koch mit Handwerksqualität: Michael Wenzel

Michael Wenzel ist seit 1. April neuer Pächter des Linzer Traditionsgasthauses und bleibt der bodenständigen Küche treu.

Wenn eine Tür zugeht, geht woanders eine auf. In der Gastronomie hatte man in der Vergangenheit oft den Eindruck, dass die Türen bei traditionellen Wirtshäusern für immer geschlossen bleiben. Nimmt man das jetzt achselzuckend zur Kenntnis, oder überzeugt man sich lieber vom Gegenteil?

Pessimisten sei eine Reise in den Linzer Stadtteil Urfahr empfohlen. Dort verköstigt das Wirtshaus Lehner die Gäste seit 1847. Mit 1. April führt Michael Wenzel das Wirtshaus nach Margot Koll als Pächter weiter. Es ist davon auszugehen, dass die Türen weiterhin noch lange offen bleiben. Denn dem Koch, der bereits acht Jahre im Betrieb arbeitet, ist es zu verdanken, dass sich die Qualität in den vergangenen Jahren spürbar verbessert hat. Und das, obwohl das Wirtshaus mit 200 Sitzplätzen, ganztägigen Öffnungszeiten (von 11.30 Uhr bis 22 Uhr) und zwei Gastgärten (einer davon Selbstbedienung) eine logistische Herausforderung darstellt.

Das Team ist aber perfekt eingespielt. Bis auf Pommes stellt es nahezu alles selbst her: Schweinefleisch bezieht Wenzel vom Familienbetrieb in Ottensheim, Würste produziert sein Schwiegervater. Weiters setzte der Koch vor zwei Jahren 70 Beerenstauden aus und meistert zudem mit Salaten, Gurken und Zucchini aus eigenem Anbau die Nachfrage im Sommer.

Bier liefert die Brau Union. Unter anderem das Linzer Original, das in Zipf gebraut wird. Oder das extra für das Wirtshaus gemischte Lehner’s Bier.

Die Küche bleibt unverändert, der Erfolg gibt Wenzel recht. Am Samstag trudeln die ersten Gäste bereits um 11 Uhr ein. Gute Hausmannskost funktioniert eben: kräftigende, einwandfreie Rindssuppe mit Milzschnitten (4,30 Euro) zum Beispiel. Oder eine der Saison entsprechende Bärlauchsuppe (4,90 Euro). Allerdings hätten sich die zusammengewürfelten Gebäck- und Brotwürfel eine knusprige Wohlfühlbehandlung verdient.

175 Jahre Wia z’haus Lehner in Linz
Die Bärlauchsaison zeigt sich in cremiger Suppe.

Das vorzügliche Kalbsrahmbeuschel ist gut geschnitten, mit wohltuender Säure versehen, etwas pikant abgeschmeckt und mit herzhaftem Gulaschsaft (10,90 Euro) aufgepeppt. Faschierte Laibchen mit cremigem Erdäpfelpüree und gschmackigem Natursaftl (12,50 Euro) docken im Genusszentrum an. Die frische Beilage, ein gut marinierter Salat mit Rucola, Blutampfer oder Kresse begleiten die Laberl perfekt.

175 Jahre Wia z’haus Lehner in Linz
Fleischlaberl mit herzhaftem Safterl und cremigem Püree.

Das gilt grundsätzlich auch für das gebratene und schmackhafte Forellenfilet auf knackigem Gemüse (18,50 Euro), in dem zwecks Aromatik ein Stück Zitrone mitgebraten wird und bei Sehschwäche ein sensorisches Wunder auslösen kann.

Palatschinken (5,40 Euro) schupft das Küchenteam frisch aus der Pfanne. Dazu selbst gemachte, warme (!) Marillenmarmelade. Herrlich. Was will man noch sagen, außer: Hereinspaziert, die Gasthaustür ist offen!

175 Jahre Wia z’haus Lehner in Linz
Pala mit wohltuend warmer Marmelade

Kategorie: Wirtshaus
Harbacher Str. 38, 4040 Linz
Telefon: 0732/730510
Ruhetage: Montag, Dienstag
www.wiazhaus-lehner.at

Küchenleistung: 4 von 6 Kochlöffeln
Barrierefrei, Grillabende mit Musik, Gourmetabende

Artikel von

Philipp Braun

Kulinarik-Redakteur

Philipp Braun

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