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Landsleute

Stefan Harringer: „Ich will, dass dieser Brauch weiterlebt“

Von Herbert Schorn   19. April 2019

Stefan Harringer ist neuer Vorsänger beim Antlaßsingen in Traunkirchen.

Stefan Harringer ist neuer Vorsänger beim Antlaßsingen in Traunkirchen.

Heute in der Früh, am Morgen des Karfreitags, wird Stefan Harringer vor allem eines tun: schlafen. Denn er hat eine lange und außergewöhnliche Nacht hinter sich. Er war zum ersten Mal als Vorsänger beim Antlaßsingen in Traunkirchen unterwegs. Der 29-Jährige folgte damit Sepp Vogl nach, der diese Tätigkeit nach 37 Jahren in jüngere Hände legt.

Das Antlaßsingen ist ein uralter Brauch, der sich in Österreich nur in zwei Gemeinden erhalten hat: in Großarl im Salzburger Pongau und in Traunkirchen. In der Nacht von Gründonnerstag auf Karfreitag, der so genannten Antlaßnacht, wandern die Gläubigen zwischen 21 und drei Uhr in der Früh zu jeder vollen Stunde zu zwölf Plätzen im Ortszentrum und singen vom Leiden Jesu Christi. So erinnern sie daran, wie Jesus nach dem letzten Abendmahl im Garten Gethsemane eine Nacht lang Todesängste ausstand. Dabei wird immer das gleiche Lied gesungen: „Aber zu jeder Stunde eine neue Strophe“, sagt Harringer. Die Gläubigen ziehen also zu jeder vollen Stunde zu zwölf Stationen und singen dort eine Strophe. Zum Abschluss wird um halb vier Uhr in der Früh eine Art Ballade, das 24-Stunden-Lied, intoniert. Organisiert wird für das Antlaßsingen, das es seit mehr als 300 Jahren gibt, nahezu nichts: „Trotzdem sind jedes Jahr bis zu 80 Leute dabei“, sagt Harringer.

Er selbst ging als Kind beim Antlaßsingen mit. Als ihn Sepp Vogl als Nachfolger vorschlug, musste Harringer nicht lange nachdenken. „Ich will, dass dieser Brauch weiterlebt“, sagt der Traunkirchner. Hauptberuflich arbeitet er als Produktionsleiter bei einer Fertighausfirma und ist dafür zuständig, dass die Häuser richtig produziert werden. Mit seiner Partnerin Rebecca hat der leidenschaftliche Handwerker den eineinhalbjährigen Sohn Oliver. Der Kleine war auch ein Grund, warum der Vater so schnell zusagte: „Ich bin mit dem Antlaßsingen aufgewachsen und will, dass auch mein Sohn diesen Brauch kennenlernen kann und nicht im Geschichtsbuch lesen muss, dass es ihn einmal gab.

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