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Landsleute

Helene Stockinger: Ein Anker für Obdachlose in der Krise

Von Dietlind Hebestreit  28. März 2020 00:04 Uhr

Helene Stockinger, Sozialarbeiterin bei der Evangelischen Stadt-Diakonie

Sozialarbeiterin versorgt im Linzer Of(f)’n-Stüberl wohnungslose Menschen.

Was soll man uns noch nehmen? So reagierten anfangs viele Obdachlose auf die Corona-Krise“, sagt Helene Stockinger. Die Sozialarbeiterin der Evangelischen Stadt-Diakonie hält mit Kollegen das Vormittags-Café Of(f)’n-Stüberl für wohnungslose Menschen offen.

Wo sonst vor allem Ehrenamtliche Kaffee einschenkten und Brotaufstriche zusammenrührten, sind jetzt vor allem die Hauptamtlichen gefragt. „Wir wollen möglichst niemanden gefährden. Nicht die Ehrenamtlichen, aber vor allem auch nicht unsere Gäste“, sagt Stockinger. Denn bei den Obdachlosen geht jetzt doch die Angst um: Wo bleibe ich, wenn ich krank werde? Wer pflegt mich? Wie bekomme ich medizinische Unterstützung?

Üblicherweise kommen ins Of(f)’n-Stüberl täglich 80 bis 120 Gäste zum Frühstücken – nicht nur Obdachlose, sondern auch Menschen mit wenig Geld. Seit Beginn der Corona-Krise dürfen sich Linzer, die ein Dach über dem Kopf haben, nur noch ein Jausenpaket abholen. Die rund 30 Gäste, die dort jetzt ihr Frühstück genießen oder duschen, leben unter Brücken, in Toilettenanlagen oder im Park.

„Ich fahre viel mit dem Fahrrad und gehe gerne mit unserem Spitzmischling Luna spazieren. Wenn ich jetzt durch die Stadt radle, kenne ich fast alle Menschen auf der Straße. Früher sind die Obdachlosen in der Masse untergegangen“, sagt die Mutter von zwei Teenager-Töchtern. „Die Obdachlosigkeit fällt jetzt mehr auf. Wohnungslose werden immer wieder von der Polizei aufgefordert, nach Hause zu gehen. Sie müssen sich äußern, das ist oft schwierig“, sagt die 47-Jährige, die seit elf Jahren für die Stadt-Diakonie arbeitet.

Anders als die Obdachlosen, die jetzt sichtbarer sind, drohen laut Stockinger nun andere Zielgruppen unter die Räder zu kommen: „Gerade von Familien, von denen wir wissen, dass sie Unterstützung brauchen, hören wir jetzt wenig.“ Oft sind es Alleinerzieherinnen, die keinen Computer haben und sich deshalb digital keine Hilfe holen können. „Da müssen wir in Zukunft besonders achtsam sein.“

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