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Landsleute

Barbara Müller: „Solidarität verliert an Bedeutung“

Von Friedrich M. Müller   15. April 2019

„Die Ich-zuerst-Gesellschaft übersieht, dass das Leben reicher wird, wenn man andere Menschen nicht ausblendet.“ Barbara Müller, Krankenhaus-Seelsorgerin und Lektorin der evangelischen Pfarre in Wels

Seelsorgerin zur Karwoche: Chance nützen, um den Tod nicht auszublenden.

Das Leben der Menschen ist kreisrund. Davon ist Barbara Müller überzeugt: „Wir kommen als bedürftige Wesen zur Welt, die in Windeln liegen und werden – wenn wir alt sind – wieder bedürftig und oft auch in Windeln gewickelt.“ Die 54-jährige Welserin arbeitet im ökumenischen Seelsorgeteam am Klinikum Wels-Grieskirchen und engagiert sich als Lektorin in der evangelischen Pfarrgemeinde ihrer Heimatstadt.

In der Karwoche rückt das Leiden Christi wieder ins Bewusstsein. Die verheiratete, vierfache Mutter und frischgebackene Großmutter ist ständig mit dem Verdrängen des Todes in unserer Gesellschaft, einer unrealistischen Haltung dem Leben gegenüber, konfrontiert.

Die gebürtige Almtalerin spricht sich dagegen aus, Leben künstlich zu verlängern, nur um den Tod hinauszuzögern: „Es geht um lebenswertes Leben, die Qualität ist entscheidend, die Bedürfnisse von Kranken sind zu beachten.“

Die kommunikative Welserin begeistert mit dem ihr innewohnenden Optimismus, dennoch ist sie angesichts der gesellschaftlichen Entwicklung traurig: „Die Ich-zuerst-Gesellschaft übersieht, dass das Leben reicher wird, wenn man andere Menschen nicht ausblendet, sich um andere kümmert.“ Das erlebe sich bei ihrer Arbeit im Spital tagtäglich: „Ich lerne bei den Begegnungen mit den Kranken auch enorm viel über mich.“ Müllers Schlussfolgerung: „Gut bei sich zu sein, bedeutet auch, gut bei den Mitmenschen zu sein.“

Allerdings seien Solidarität und Nächstenliebe Werte, die für viele Menschen derzeit immer mehr an Bedeutung verlieren. Das werde auch bei der Entscheidung deutlich, dass Protestanten am Karfreitag nicht mehr arbeitsfrei haben: „Das ist Folge der Säkularisierung und zeigt, wie mit Minderheiten umgegangen wird: Die Profitgier ist der Götze, ein neuer Gott.“

Sie rät, sich in der Karwoche bewusst die „Leiden in der Welt“ vor Augen zu führen. Christen kann es nicht egal sein, wenn Kinder in Afrika verhungern oder wie wir mit Tieren – Stichwort hoher Fleischkonsum – und der Umwelt umgehen.

 

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