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Damals/Vor 100 Jahren

Nach Volksbegehren: Nur acht Jahre Gymnasium, Mocks Aufstieg

Von Josef Achleitner 20. Mai 2019 00:04 Uhr

OÖNachrichten von damals: Das neunjährige Gymnasium (wie in Deutschland und der Schweiz) blieb den Österreichern 1969 erspart und Alois Mock startete eine Blitzkarriere

Im Mai 1969, vor inzwischen 50 Jahren, ist in Österreich ein Volksbegehren mit fast 340.000 Stimmen zum Überraschungserfolg mit unerwarteten Folgen geworden.

Es ging darum, die 1962 im Schulgesetz für die Allgemeinbildenden Höheren Schulen (früher Mittelschulen) festgelegten neun (statt acht) Jahre Schuldauer zumindest auszusetzen. Die Betreiber stammten aus der Steiermark, Kärnten, Salzburg und Vorarlberg und wurden vor allem von Landtagsabgeordneten der Volkspartei unterstützt. In der Bundesrepublik Deutschland dauerte das Gymnasium schon seit der Einführung in Preußen im 19. Jahrhundert neun Jahre, auch in der Schweiz hielt man es so.

Die Meinungen in Österreich gingen quer durch die Parteien: Die Bundes-SPÖ mit dem damaligen Zentralsekretär und späteren Wiener Bürgermeister Leopold Gratz war im Gegensatz zur roten Arbeiterkammer strikt für das neunjährige Gymnasium und konnte sich auf den schwarzen Unterrichtsminister Theodor Piffl-Percevic berufen, der für den Fall einer Sistierung der Langform mit Rücktritt drohte. Die Führung der Volkspartei unter Kanzler Josef Klaus schwenkte nach dem Ausgang des Volksbegehrens vollends um und beschloss die Aussetzung. Die höheren Kosten und der damals herrschende Lehrermangel dürften die wegen eines Sparkurses ohnehin unter Sympathieverlusten leidende schwarze Alleinregierung dazu bewogen haben. Die SP ließ sich später in Verhandlungen ebenfalls überzeugen. Piffl-Percevic trat zurück. Hermann Polz, der langjährige Chefredakteur der OÖNachrichten, beschrieb die Lage der ÖVP in seinem "Der Punkt" genannten Meinungskastl unter dem Kürzel "hepo" spitz so: "In dieser Situation kann der Nachfolger nur Verlegenheit heißen, wie immer sein Name ist."

Er sollte recht haben, auf längere Sicht aber im Unrecht sein: Der Nachfolger im Unterrichtsministerium hieß Alois Mock, war Kabinettschef des Bundeskanzlers, stand kurz vor seinem 35. Geburtstag und war nach dem Jusstudium und einem mehrjährigen Einsatz bei der OECD in Paris auf eine Diplomatenkarriere im Außenministerium eingestellt. Was die Verlegenheit betrifft: Mock, ein Unterstützer des Volksbegehrens, kam erst in Frage, nachdem zumindest ein renommierter Wissenschafter (der spätere Bildungsminister Hans Tuppy) in der Partei nicht durchzubringen gewesen war.

Jedenfalls ist das neunte (insgesamt 13. Schuljahr für Gymnasiasten) seither Geschichte – man weiß ja, dass Provisorien in Österreich nicht selten Ewigkeitscharakter haben. In Deutschland ging es eine Zeitlang umgekehrt: Weil in der der DDR Abitur (Matura) mit 18 möglich war, setzten nach der Wende 1989 einige Bundesländer das auch im Westen durch. Inzwischen hat sich der Trend gedreht: Das "Turbo-Abi G8" wurde in einigen Ländern ganz oder teilweise wieder abgeschafft.

 

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