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Damals/Vor 100 Jahren

Der Mann, der Hitlers Lieblingsstadt Linz nazitauglich herausputzen sollte

Von Josef Achleitner   08. April 2019 00:04 Uhr

In einem der Hitlerbauten von Linz, die in der Ära des NS-Architekten und Reichsbaurates Roderich Fick entstanden.

Ein Jahr nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich wollte Adolf Hitler damit beginnen, seine Lieblingsstadt architektonisch zu einer der führenden Kulturstädte im nationalsozialistischen Sinn zu machen.

Am 20. März 1939 berichtete die unter dem Diktat des NS-Gaupresseamts stehende „Tages-Post“ unter dem Titel „Der Führer in Linz“ von dessen inoffiziellem Besuch im „Heimatgau“. Im damals ersten Haus der Stadt, dem Hotel Weinzinger an der Donaulände – heute steht dort das Generali-Hochhaus – galt es, die Pläne von der Nibelungenbrücke und den Brückenkopfgebäuden über die zur Prachtstraße ausgebaute Landstraße bis zum ebenfalls im NS-üblichen Monumentalstil auszuführenden Bahnhof zu besprechen.

Erstmals im Mittelpunkt stand der Architekt und Uni-Professor Roderich Fick als Reichsbaurat, der Hitler mit dem Projekt „Haus der deutschen Ärzte“ in München aufgefallen war. Das hatte Fick sowohl viele Planungsaufträge an Hitlers Rückzugsort Obersalzberg als auch den Uni-Lehrstuhl gebracht. Das Ärztehaus wurde 2004 übrigens von der RaiffeisenLandesbank erworben und hieß ab dann, mit dem Landeswappen geschmückt, Oberösterreich-Haus. Der Architekt trat erst 1937 der NSDAP bei: Das bei den vielen Aufträgen nicht zu tun, hätte er für eine „Unhöflichkeit“ gehalten, sagte er nach 1945. Fick war dem „Führer“ direkt verantwortlich und hatte Vollmachten etwa bei Auswahl oder Genehmigung von Bauplätzen, die ihn teilweise über die Stadtführung stellten. Konflikte waren programmiert. Unter Ficks Verantwortung entstanden die in Linz (zum Erstaunen nicht weniger Besucher) noch immer Hitlerbauten genannten Wohnanlagen am Bindermichl, Spallerhof und in Urfahr mit 11.000 Wohnungen für die durch die Industrialisierung stark steigende Bevölkerung. Wobei zum Wohnbau und in der Industrie auch tausende Zwangsarbeiter herangezogen wurden. Weiters gehen das frühere Raiffeisenhaus, heute Heinrich-Gleißner-Haus, und die Brückenkopfgebäude (Kunstuniversität) am Hauptplatz sowie die Nibelungenbrücke auf dessen Ära zurück.

Die Bauten blieben als einzige „Zeugen“ der bis ins Irrwitzige monumentalen Pläne für die „Patenstadt des Führers“ Linz, alles andere fiel dem auf die Katastrophe zugehenden Kriegsverlauf zum Opfer. Hitler betraute wohl auf Betreiben seines Sekretärs Martin Bormann ab 1941 zunehmend NS-treue Architektenprominenz von Albert Speer abwärts, Hermann Giesler etwa sollte sich um Kulturbauten kümmern.

Nach dem Untergang des NS-Regimes wurde Fick 1948 als nicht korrumpierter „Mitläufer“ eingestuft und zu einer Geldbuße verurteilt. Er arbeitete weiter als Architekt, u. a. ab 1952 beim deutsch-österreichischen Kraftwerk Jochenstein, und starb 1955.

 

Die Originalseiten der Tagespost vom 29. März 1939:

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