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Damals/Vor 100 Jahren

Für Friedenspapst Benedikt XV. war der Krieg eine "grauenhafte Schlächterei"

Von Josef Achleitner   08. September 2014 00:04 Uhr

In den ersten Septemberwochen 1914 ereignete sich eine Wende, die in der Folge den Kriegsverlauf und die Stimmung in Deutschland und Österreich-Ungarn drehte.

Die "Tagespost" schrieb nach einem Monat Krieg noch, man könne mit dem Verlauf "zufrieden sein". Aber der Traum der Deutschen vom schnellen Sieg über Frankreich scheiterte an einer Gegenoffensive, und die Österreicher mussten das galizische Lemberg aufgeben. Doch dazu mehr kommenden Montag.

Eine Wende löste auch die Wahl des neuen Papstes Benedikt XV. aus, die die Linzer "Tagespost" am 3. September vermeldete. Anders als der am 20. August verstorbene Pius X., der enge Beziehungen zu Österreich-Ungarn pflegte und auch die Annäherung an christliche Deutsche Reich forcierte, war Benedikt ein Freund Frankreichs. Der Grafensohn aus Genua war seit Anfang der 1880er Jahre engster Mitarbeiter des späteren Kardinalstaatssekretärs Mariano Rampolla gewesen, der eine betont frankreichfreundliche Politik verfolgte.

 

Papst Pius X.
Papst Pius X.

Papst Pius X.

 

Papst Benedikt XV.
Papst Benedikt XV.

Papst Benedikt XV.

 

Rampolla war 1903 jener Konkurrent des späteren Papstes Pius gewesen, gegen dessen Wahl Kaiser Franz Josef erfolgreich Veto eingelegt hatte. Während Pius im Juli 1914 über sein Umfeld wissen ließ, dass er ein "äußerst scharfes Vorgehen gegen Serbien" begrüße, sprach Benedikt schon vor seiner Wahl von der Notwendigkeit der Neutralität und der Pflicht zum Friedenswillen des Vatikans im Kriegsfall.

Nach Amtsantritt verfasste er ein Rundschreiben, in dem er seine Schritte ankündigte: Die katholische Kirche sollte im Krieg strikt neutral sein, humanitäre Hilfe organisieren und mit dem Papst an der Spitze versuchen, Friedensverhandlungen zu erreichen. Den Beinamen "Friedenspapst" bekam Benedikt ab 1915 nach seinem drastischen Appell an die kriegführenden Nationen, in dem er den Krieg als "grauenhafte Schlächterei" (orrenda carneficina) bezeichnete: "Im heiligen Namen Gottes (...) beschwören Wir Euch (...), diesem fürchterlichen Morden, das nunmehr seit einem Jahr Europa entehrt, endlich ein Ziel zu setzen".

Zwei Jahre später bot sich der Papst als neutraler Vermittler für Friedensverhandlungen an. Er forderte Abrüstung, ein internationales Schiedsgericht zur Kriegsvermeidung und den Verzicht auf Gebietsabtretungen. Im Grunde waren das Forderungen, die die internationale Friedensbewegung (mit der österreichischen Nobelpreisträgerin Bertha von Suttner) schon vor dem Krieg gestellt hatte. Der Plan wurde nicht nur von beiden Kriegsparteien abgelehnt, Benedikt wurde später auch von den Waffenstillstandsverhandlungen ausgeschlossen. Er hatte sich nämlich auch gegen einen der Auslöser des Zweiten Weltkriegs gewendet: die geplanten existenzgefährdenden Maßnahmen gegen die Verlierer im Friedensvertrag von Versailles.

Originalseiten der "Tagespost" lesen Sie hier:

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