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Damals/Vor 100 Jahren

Als die Deutschen für die Briten zu "Hunnen" wurden

Von Josef Achleitner   25. August 2014 00:04 Uhr

In der letzten Augustwoche des Jahres 1914 sahen vor allem die deutschen Militärs Anlass zum Jubel. Im neutralen Belgien wurde die Stadt Lüttich eingenommen, Löwen zerstört, man steuerte auf den erwarteten schnellen Sieg zu.

Im ostpreussischen Tannenberg schlug die 8. Armee unter Paul von Hindenburg die russische Narew-Armee vernichtend. Die Österreicher schlugen bei Krasnik die Russen zurück.

Mit der mutwilligen Zerstörung der alten Universitätsstadt Löwen (französisch: Louvain) handelten sich die Deutschen aber auf Kriegsdauer und darüber hinaus den Hassnamen "Hunnen" ein. Sogenannte "Franctireurs", also zivile Freischärler, sollen von den Altstadthäusern herunter auf die deutschen Soldaten geschossen haben, worauf Wohnungen zerschossen und dann Häuserzeilen angezündet wurden.

Die Londoner "Times" schrieb damals unter dem Titel "Der Marsch der Hunnen": "Die Deutschen haben einen abscheulichen Akt gesetzt, der die Hände jeder zivilisierten Nation auf der Welt gegen sie wenden wird. Sie haben die friedliche historische Altstadt von Louvain, dem Oxford Belgiens, zerstört. Das schöne Hotel de Ville, ein wunderbares Beispiel der Neugotik, die stattliche Kirche von St. Pierre, die berühmte Universität, alles ist kaputt. Sogar die Bibliothek mit 70.000 Büchern und Manuskripten von unschätzbarem Wert wurde den Flammen ausgeliefert – von den rücksichtslosen Barbaren, die weiterhin "Deutsche Kultur" über die Welt verbreiten.

Den Namen Hunnen hatten die Briten von Kaiser Wilhelm und seiner Hetzrede im Jahre 1900 bei der Verabschiedung des deutschen Expeditionskorps zur Niederschlagung des Boxeraufstandes in China: "Wie vor tausend Jahren die Hunnen sich einen Namen gemacht hatten, der sie noch jetzt in der Überlieferung gewaltig erscheinen lässt, so möge der Name Deutschland in China in einer solchen Weise bestätigt werden, dass niemals wieder ein Chinese es wagt, etwa einen Deutschen auch nur scheel anzusehen." Heute noch bekannt aus dieser Hunnenrede ist auch der für den oft unüberlegt daherredenden Kaiser typische Spruch: "Pardon wird nicht gegeben! Gefangene werden nicht gemacht".

Die Linzer "Tages-Post" berichtete unter Berufung auf die "Vosssische Zeitung" von der Zerstörung Löwens, "die wegen des Schießens der Einwohner auf deutsche Truppen erfolgte". Der Kollege bedauerte die Vernichtung der alten Kulturstätte, "wofür nur der Unverstand der belgischen Regierung und der Bevölkerung verantwortlich gemacht werden kann". Heute wissen Historiker aus Tagebüchern von deutschen Soldaten, dass die angeblichen Zivilistenschüsse zu einem Gutteil "friendly fire" waren, also von kriegsunerfahrenen eigenen Rekruten stammten.

Originalseiten der "Tages-Post" sehen Sie hier:

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