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Geschichte

"Der Pöstlingberg brennt": Als das Linzer Wahrzeichen in Flammen stand

Von Herbert Schorn  und  Michael Schäfl 17. April 2019

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Bild 1/20 Bildergalerie: Was von Notre-Dame übrig geblieben ist

Bereits zwei Mal ging die Basilika auf dem Linzer Pöstlingberg in Flammen auf – das erste Mal vor 100 Jahren, zuletzt im Jahr 1963.

Die Bilder gingen gestern um die Welt: Schockierte Pariser, die fassungslos mitansehen müssen, wie ihr Wahrzeichen, die Basilika Notre-Dame, ein Raub der Flammen wird. Bereits zwei Mal mussten die Linzer ein ähnliches Schicksal erdulden, als verheerende Brände die Basilika auf dem Pöstlingberg schwer beschädigten.

Das erste Mal vor 100 Jahren: Es war am 17. Mai 1919, als ein heftiges Gewitter über dem Pöstlingberg tobte. "Nach viertel acht Uhr erhellte ein greller Blitz die Stadt und zugleich machte ein Donnerschlag die Luft erbeben", berichtete die Tagespost, die Vorläuferin der OÖNachrichten, später.

"Der Pöstlingberg brennt": Als das Linzer Wahrzeichen in Flammen stand
1919 brannte der Dachstuhl der Basilika ab.

1919 brannte der Dachstuhl der Basilika ab. (Lentia Verlag)

 

"Es hatte eingeschlagen." Und weiter: "Ein Blitzstrahl, der aus den Lüften fuhr, hatte das Unheil heraufbeschworen und das Dach der Kirche in Brand gesetzt." Binnen kurzer Zeit stand der gesamte Dachstuhl in Flammen, der "Funkenflug war so arg", schreibt die Tagespost, dass Passanten weitum ausweichen mussten. "Vom Kirchendache peitschte es die Flammen gegen den Pfarrhof." Die Feuerwehren mussten das Dach den Flammen überlassen und sich auf die Rettung das Pfarrhofes konzentrieren – was ihnen auch gelingen sollte.

Glocke im Turm schmolz

Die Folgen waren dennoch verheerend: Der gesamte Dachstuhl, der mit Holzschindeln gedeckt war, stand in Flammen. Auch einer der beiden Türme brannte aus. In der Nacht schmolz die einzige Glocke der Kirche. Noch am Abend wurden die sakralen Gegenstände aus der Kirche gebracht. Nur das Gnadenbild konnte nicht entfernt werden, blieb aber unversehrt.

Fast auf den Tag genau 44 Jahre später, am 31. Mai 1963, kam es zum zweiten Großbrand auf dem Pöstlingberg. "Wie ein Lauffeuer ging gestern am frühen Nachmittag die Schreckensnachricht von Mund zu Mund: Der Pöstlingberg brennt!", schrieben die OÖNachrichten einen Tag später. Dieses Mal war aber kein Unwetter die Brandursache, sondern – ähnlich wie beim Feuer in der Pariser Kathedrale Notre-Dame – Renovierungsarbeiten.

"Der Pöstlingberg brennt": Als das Linzer Wahrzeichen in Flammen stand

"Dramatische Stunden"

Auslöser war eine Lötlampe. Spengler hatten bei Arbeiten am Nordturm ein Holzstück in Brand gesteckt, das unbeachtet ins Turminnere fiel. Nachdem die Handwerker den aufsteigenden Rauch bemerkt hatten und den Brand nicht mit Handfeuerlöschern ersticken konnten, alarmierten sie die Feuerwehr. Zu spät, das Feuer hatte sich bereits rasch ausgebreitet. Noch während der Löscharbeiten stürzte gegen 15 Uhr der Nordturm ein, wenig später gab auch das Kirchendach nach. Der Schaden betrug 15 Millionen Schilling.

"Für die Linzer waren es in beiden Fällen dramatische Stunden", sagt Walter Schuster, Leiter des Stadtarchivs der Stadt Linz. "Die Kirche auf dem Pöstlingberg ist eines der markantesten Bauwerke der Stadt und das bekannteste Linzer Wahrzeichen."

Am Sonntag nach dem verheerenden Brand, dem Pfingstsonntag, sollen Zehntausende auf den Pöstlingberg gepilgert sein, um die Brandruine anzuschauen. "Das zeigt", sagt Schuster, "wie wichtig diese Kirche für die Stadt ist."

Auch in Wien stand man schon vor derartigen Herausforderungen:

 

Vor 27 Jahren: Als die Wiener Hofburg brannte

Vor 27 Jahren: Als die Wiener Hofburg brannte
Redoutensäle zerstört

Es war ein Wachmann, der den Brand während eines Rundgangs entdeckte: In der Nacht auf den 27. November 1992 brach ein Feuer in der Wiener Hofburg aus. Die Flammen konnten sich beinahe ungehindert ausbreiten: Brennbares Material wie Holz war im Dachstuhl und in den Zwischendecken reichlich vorhanden, Brandabschnitte gab es damals keine.

Der Brand vernichtete einen Teil des Dachstuhls, die prunkvollen Redoutensäle wurden beinahe vollständig zerstört. Der Schaden betrug umgerechnet rund 60 Millionen Euro, die Ursache wurde nie geklärt. Nach aufwendigen Instandsetzungsarbeiten – der kleinere Saal wurde originalgetreu restauriert, der größere neu gestaltet – wurden die Redoutensäle 1998 wieder in Betrieb genommen.

12.000 Brandmelder

Ist ein Großbrand wie bei der Kathedrale von Notre-Dame heute noch in der Hofburg möglich? Ein derart großes Areal mit 250.000 Quadratmetern zu schützen, sei eine Herausforderung, sagt Burghauptmann Reinhold Sahl, der aus Neuhofen/Krems (Bezirk Linz-Land) stammt: "Wir haben 12.000 Brandmelder und eine Feuerwache, die rund um die Uhr besetzt ist. Nach menschlichem Ermessen haben wir alles getan, um so etwas zu verhindern."

 

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