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„Steyr-Baby“ - Der Käfer aus Österreich

Von Klaus Buttinger und Volker Weihbold (Fotos)   07. März 2015

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Bild 1/17 Bildergalerie: Eine Landpartie mit dem "Steyr-Baby"

Schon 79 Jahre ist es her, dass die österreichische Steyr-Daimler-Puch A.G. der Automobilpresse einen Volkswagen vorstellte.

  • Schon 79 Jahre ist es her, dass die österreichische Steyr-Daimler-Puch A.G. der Automobilpresse einen Volkswagen vorstellte. 
  • Das sogenannte "Steyr-Baby" galt damals als überaus modernes Auto.

Steyr-Baby

Genau am 6. März, kurz nach der Präsentation des Steyr Typ 50 – liebevoll „Steyr-Baby“ genannt – auf der Automobil- und Motorrad-Ausstellung in Berlin. Dort wurde zwar auch an einem Volkswagen, dem „Kraft-durch-Freude-Wagen“, später Käfer, gebaut, der aber erst ab 1946 an den zivilen Mann gebracht werden konnte.

Demgegenüber waren Mitte 1936 bereits eintausend „Babys“ produziert worden. Im Frühjahr 1938 bekam das Baby einen stärkeren Motor und wurde auf „Typ 55“ umgetauft. Insgesamt erblickten 13.000 „Babys“ das Licht der Werkshalle, bevor die Produktion 1940 kriegsbedingt eingestellt wurde.

Emil Meindl aus Walding besitzt ein „Baby“, einen Steyr 55 aus 1939. Sorgsam bedient er ihn, wenn er ins Mühlviertel hinauf ausfährt: „Immer mit Zwischenkupplung, Zwischengas“, sagt er und erklärt das unsynchronisierte Getriebe. 1993 hat er sich das „Baby“ angeschafft, um 100.000 Schilling, dann viel Geld hineingesteckt. Heute hat das gut gewartete Stück vielleicht einen Wert von 12.000 Euro. Aber was ist schon Geld, wenn’s ums Kind geht ...?

Steyr Baby
Das "Steyr-Baby" war in den 1930er Jahren ein überaus modernes Auto.    

Damals modern

Damals ein überaus modernes Auto

Autos aus Steyr galten damals als modern und waren entsprechend begehrt. Ein Gassenhauer verlautete: „Ich geh’ nur mit dem Mayer, denn der hat einen Steyr“.

Ein „Steyr-Baby“ besaß auch der weltberühmte Psychoanalytiker Sigmund Freud aus Wien. Als die Nazis 1938 in Österreich einmarschierten, wurde der jüdischstämmige Freud vertrieben, sein Auto mit dem Kennzeichen A 3523 von der Gestapo beschlagnahmt. Um nach London ausreisen zu dürfen, musste Freud bestätigen, dass er von den Parteileuten der NSDAP gut behandelt worden sei. Eine berühmte Anekdote lautet, er habe angeblich handschriftlich ergänzt: „Ich kann die Gestapo jedermann auf das Beste empfehlen.“

Viele „Steyr-Babys“ haben die Kriegswirren nicht überlebt. Eines fand ein überaus tiefes und nasses Grab. Es war vermutlich bei einer versuchten Fahrt über die Eisdecke auf dem Attersee eingebrochen und steht heute in 65 Metern Tiefe bis zu den Radnaben im Schlamm auf dem Grund des Sees. 

Tauchervideos davon gibt es auf YouTube. Ein Beispiel:

 

Infos für Steyr-Oldtimerfreunde: www.steyrregister.com

Daten

 

Technische Daten: Steyr 55

Motor: 4-Zylinder-Viertakt-Boxer, wassergekühlt, 1158 ccm, 25,5 PS, Anlasser als Lichtmaschine, 12 V, Viergang, Höchstgeschw.: 95 km/h

Fahrwerk: 2-Türer, Ganzstahlkarosserie, vorne Einzelradaufhängung, Zahnstangenlenkung, hinten  Pendelachse. Trommelbremsen, Leergewicht: 750 kg

Preis: 5000 Schilling

 

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