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Tagespost

Der erste Walzer in der Oper

Von Valerie Hader   05. Februar 2015

Opernball

Der Wiener Opernball ist weltweit bekannt – für seine Eleganz und seine „Extravaganzen“.

  • Er ist der gesellschaftliche Höhepunkt der Ballsaison – und mit Tausenden Besuchern jährlich der größte Treffpunkt Österreichs für Kulturschaffende, Unternehmer und Politiker aus dem In- und Ausland: der Wiener Opernball.

Der Opernball

Seine Anfänge reichen in die Zeit des Wiener Kongresses (1814/15) zurück. Anschließend an dieses politische Ereignis veranstalteten die Künstler der Hofoper viele Tanzveranstaltungen. Ein Opernball am heutigen Standort wurde erstmals als Hofopern-Soirée 1877 abgehalten. In der Folge fanden bis 1899 jährlich zwei, manchmal drei Redouten statt, die Damen waren damals bis Mitternacht maskiert.

Nach dem Untergang des Kaiserreiches 1918 erinnerte sich die junge Republik erstaunlich bald an die imperialen Feste in der Oper. Bereits am 21. Jänner 1921 konnte die erste Opernredoute der Republik Österreich abgehalten werden, der erste auch so genannte „Wiener Opernball“ ging (nach fünf Jahren Weltwirtschaftskrise) am 26. Jänner 1935 „über die Bühne.“

Seitdem findet das Tanzereignis (fast) jedes Jahr am letzten Donnerstag im Fasching in der Wiener Staatsoper statt. Ausnahmen waren Zeiten militärischer Auseinandersetzungen, wie beispielsweise der Zweite Weltkrieg. 1939 wurde der Ball jedoch trotz des bevorstehenden Ausbruchs des Krieges auf Anordnung der deutschen Reichsregierung (am 21. Februar) abgehalten.

Am 9. Februar 1956 wurde er erstmals nach dem Zweiten Weltkrieg wieder veranstaltet. Eine weitere Unterbrechung gab es 1991 auf Grund des Golfkriegs, weil man nicht für die Sicherheit der in- und ausländischen (Staats-)Gäste garantieren konnte. Im Laufe der Jahre haben bis heute 58 Opernbälle in der Wiener Staatsoper stattgefunden.

Geschichte

Die Geschichte des Wiener Opernballs

  • 26. Jänner 1935: Unter dem Ehrenprotektorat von Bundeskanzler Kurt Schuschnigg findet der erste Opernball statt.
  • 9. Februar 1956: Nach dem Zweiten Weltkrieg wird der Opernball erstmals wieder veranstaltet. Kartenpreis: 250 Schilling
  • 1957: Ein Paar Würstl kosteten damals umgerechnet 73 Cent, eine Flasche Sekt 1,45 Euro

  • 1969: Zum ersten Mal überträgt der ORF live und in Farbe das Ballgeschehen aus der Staatsoper im TV

  • 22. Februar 1979: Erstmals kommt die Anti-Terrorbrigade „Cobra“ zum Einsatz, die Furcht vor Anschlägen ist groß.

  • 1981: Die bisherige Opernballchefin Gräfin Christl Schönfeldt muss nach 25 Jahren das Zepter an Lotte Tobisch abgeben.

  • 1989: Eine nicht genehmigte Anti-Opernball-Demo eskaliert. Bilanz: 52 Verletzte, Schäden in Millionenhöhe

  • 1991: In diesem Jahr wurde der Opernball wegen des Golfkriegs abgesagt.

  • 1992: „Richard Lugner bringt zum ersten Mal einen bezahlten „Stargast“zum Opernball: Harry Belafonte.

  • 1999: Stilgerecht speist man Krabbencocktail (235 Schilling) und Räucherlachs mit Oberskren (340 Schilling).

  • 2008: Desirée Treichl-Stürgkh übernimmt die Organisation des Traditionsballs von Elisabeth Gürtler.

  • 2013: Die Oper lukriert durch den Ball Einnahmen von 4,6 Millionen Euro (Ausgaben: 3,5 Millionen Euro).

  • 12. Februar 2015: Der 59. Opernball findet statt statt. Stargast: George Cloneys Ex-Freundin Elisabetta Canalis.

 

Die „Stargäste“ und die Skandale

Glanz und Glamour waren all die Jahre Markenzeichen des Wiener Traditionsballes – aber auch das eine oder andere Skandälchen. Vor allem, seit dem Jahr 1992, seit es sich der Wiener Baumeister Richard Lugner zur Aufgabe gemacht hat, alljährlich einen „Weltstar“ nach Wien zu holen, gibt es in dieser Hinsicht genug Gesprächsstoff, denn die Anzahl der „Hoppalas rund um das Ballgeschehen steigerte sich seit damals rasant.

So überwältige etwa Sophia Lorens „üppiges Dekolletee“ 1995 so manchen Opernball-Besucher („Der Busen wäre beinahe aus ihrem Kleid gehüpft“), genauso wie die schwer verliebte Grace Jones, die Lugners Loge 1996 – angeblich – kurzerhand für ein Tete-a-Tete mit ihrem neuen Freund genutzt haben soll. Große Hysterie gab es auch 2007 um die Millionärstochter Paris Hilton. Die Fotografen lieferten sich damals „Schlachten“ um die besten Bilder der Amerikanerin.

Mutter Kathy Hilton, die ihre Tochter zu dem Spektakel begleitet hat, bekam angesichts der Medienmeute sogar einen Panikanfall: „Oh Gott, sie wollen uns töten“, rief sie um Hilfe. Lugners Stargast, Burlesque-Model Dita Von Teese entging dem Trubel ein Jahr später, indem sie sich auf der Toilette verschanzte.

Den größten Eklat lieferte allerdings der österreichische Schauspieler Hubert „Hubsi“ Kramar, als er im Jahr 2000 als Hitler verkleidet über den roten Teppich stolzierte, um gegen die damalige schwarz-blaue Regierung zu protestieren. Dagegen scheint die Schlägerei im Vorjahr zwischen einem Ballgast und dem deutschen Moderator Johannes B. Kerner vergleichsweise harmlos ...

Opernball – Fixtermin für Demonstranten

Seit 1987 nutzen Demonstranten den Opernball immer wieder für Kundgebungen. Damals demonstrierten Gegner der Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf vor der Staatsoper, weil der dafür verantwortliche bayrische Ministerpräsident Franz Josef Strauß zum Ball angereist war.

Das Jahr 1988 wurde erstmals gegen den Ball demonstriert. Dafür wurde sogar ein „Anti-Obern-Ball“-Komitee gegründet. Selbst 1991, als der Opernball wegen des Golfkriegs abgesagt wurde, gab es eine Demonstration.
Danach flauten die Aktivitäten der Opernball-Gegner ab. Erst im Jahr 2000 eskalierte die Demo wieder. Es kam zu massive Ausschreitungen. In den Jahren danach wurde die Zahl der Sicherheitswachebeamten stark angehoben. Mittlerweile demonstrieren, nur noch Einzelpersonen vor der Staatsoper.

 

Interview

Treichl-Stürgkh
Welches Kleid Desiree Treichl-Stürgkh heuer am Opernball tragen wird, bleibt ein Geheimnis. Nur so viel: "Es ist von einer österreichischen Designerin".

„Der tollste Ball der Welt“

Zum achten Mal organisiert Desiree Treichl-Stürgkh den Wiener Opernball. Im Gespräch mit den OÖNachrichten erzählt die 50-Jährige Ehefrau von Erste-Bank-Chef Andreas Treichl, was sie persönlich mit dem „Ball der Bälle“ verbindet – und warum sie früher nicht im Traum daran gedacht hätte, sich eine Karte zu kaufen.

  1. Abseits ihrer Organisationpflichten – was bedeutet der Opernball für Sie?

    Ohne Opernball gäb’s mich vermutlich gar nicht – aber das habe ich erst später erfahren. Meine Mutter hat nämlich den ersten Opernball nach dem Krieg 1956 eröffnet und mein Vater hat ihr an genau diesem Abend einen Heiratsantrag gemacht. Seit ich das von einer Freundin der Familie weiß – meine Eltern sind ja leider schon gestorben – hab’ ich natürlich einen sehr romantischen Blick auf den Ball.
  2. Haben Sie den Opernball immer schon gerne besucht?


    Nein. Ich war zwar nie bei einer Demo aber als junge berufstätige Frau hat er auch nicht wirklich interessiert. Ich hätte mir auch nicht vorstellen können, so viel Geld für Karten auszugeben. Das hat sich natürlich geändert – heute ist er für mich der tollste Ball der Welt.
  3. Sie sind 2008 ja mit dem Vorhaben angetreten, den Ball zu „entstauben“, ihn ein bisschen schicker, trendiger und bunter zu machen. Mit Erfolg?

    Ich denke schon, das sieht man an den Gästen. Viele junge Leute kommen gern, auch viele Künstler – eine gute Mischung eben.
  4. Wird’s mit den Jahren einfacher, den Ball zu organisieren?


    Der Stress hat sich tatsächlich ein wenig gelegt. Freunde haben mich erst vor kurzem darauf aufmerksam gemacht, dass ich so gut wie gar nicht mehr vom Opernball erzähle. In den Anfangsjahren hab ich in diesen Wochen anscheinend über nichts anderes geredet. Dass ich entspannter geworden bin, hängt bestimmt auch mit meinem tollen Team zusammen, auf das ich mich total verlassen kann.
  5. Und auch Richard Lugner ist wie jedes Jahr mit dabei ...


    Ja.
  6. …auch kommenden Donnerstag, beim Opernball 2015. Wie läuft der Tag eigentlich bei Ihnen ab?

    Ich steh’ früh auf, denn meine drei Söhne müssen ja in die Schule. Dann geht’s in die Oper. Da mach ich mit meinen Mitarbeitern noch eine letzte Kontroll-Runde durchs Haus und so um 14 Uhr geh’ ich wieder nachHause. Da gibt’s da eine große Portion Nudeln und dann kommt mein Visagist. Gegen 18.30 fahre ich zurück in die Oper - und dann geht’s durch bis in der Früh. Zum Schluss gönnen sich mein Team und ich noch ein Paar Würstel in der Kantine – das ist schon ein schöner Brauch geworden. Und dann geht’s ab nach Hause und sofort in die Badewanne.
  7. Wie schaffen Sie es, bis in der Früh durchzuhalten?


    Adrenalin. Das ist ja mein Job und ich dauernd unterwegs: nach der Eröffnung gibt’s einen Empfang für die Künstler und danach versuche ich alle Sponsoren und Logengäste zu begrüßen und mich auch bei ihnen für ihre Unterstützung zu bedanken. Das ist ja nicht selbstverständlich in Zeiten wie diesen. So läuft die Zeit dahin.
  8. Und wie gelingt es Ihnen, den ganzen Abend lang zu glänzen? Gibt’s einen Beauty-Trick?

    Für mein Aussehen ist mein Visagist zuständig. Ich weiß nicht wie, aber der zaubert mir ein Strahlen ins Gesicht, dass ich aussehe, wie nach einem zweiwöchigen Wellness-Urlaub. Mein persönlicher Schönheits-Trick ist ganz einfach: Viel, viel Wasser trinken! Damit fange ich schon Tage vor dem Ball an, denn am Opernballabend selbst komm ich kaum zum Trinken.
  9. Apropos glänzen: Welches Kleid werden sie heuer tragen?


    Das bleibt traditionellerweise ein Geheimnis. Nur so viel verrate ich: Es ist von einer österreichischen Designerin.
  10. 2016 jährt sich der Opernball zum 60. Mal. Haben Sie schon Pläne für die Jubiläumsausgabe?

    Da denk ich meistens schon unterm Jahr darüber nach – und für 2016 sind mir schon einige tolle Ideen eingefallen. Aber die verrate ich noch nicht – jetzt bringen wir erst einmal den Opernball 2015 gut über die Bühne!
  11. Stimmt es eigentlich, dass ihr ältester Sohn heuer eröffnet?


    Nein, der ist mit 16 Jahren noch zu jung dafür. Der geht jetzt erst einmal in die Tanzschule und dann sehen wir weiter. Aber ich bin mir ohnehin nicht sicher, ob ich möchte, dass er den Opernball eröffnet. Da fangen die Schwierigkeiten schon damit an, dass ich nicht weiß, wo ich ihn hinstellen soll: Tanzt er in der ersten Reihe, heißt‘s gleich wieder „typisch“, stell‘ ich ihn nach hinten, glauben die Leute womöglich, ich geniere mich für ihn …
  12. Kritik scheint also in jedem Fall programmiert. Wie gehen Sie eigentlich generell damit um?

    Ein bisschen halte ich mich da an meine Vorgängerinnen Christl Gräfin Schönfeld  - die übrigens eine Freundin meiner Großmutter war - Lotte Tobisch und Elisabeth Gürtler. Alle drei früheren Opernball-Chefinnen haben mir ein paar Ratschläge mit auf den Weg gegeben.  Sie lauten: „Mach deine Sache ernst, aber nimm sie nicht zu ernst“ und „versuche, die Nerven zu behalten und schlaf eine Nacht drüber.“ Genau das versuche ich zu beherzigen.
  13. Ich habe gehört, Sie haben noch einen guten Vorsatz – und zwar mit dem Rauchen aufzuhören. Stimmt das?

    Ja, ich habe schon oft aufgehört, rund um die Opernballzeit fange ich meistens wieder an. Aber heuer ist damit endgültig Schluss. Ist ja auch grauslich!

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