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Tagespost

„Bedauerlicherweise sind wir bankrott“

Von Josef Achleitner   08. Februar 2015

Griechischen Parlament, 19. Jahrhundert
Das griechische Parlament gegen Ende des 19. Jahrhunderts, festgehalten in einem Ölgemälde von N. Orlof.

Griechenland ist zahlungsunfähig - keine aktuelle Meldung, denn vor 122 Jahren stand „der griechische Staat beim Bankerotte“.

  • Griechenland ist zahlungsunfähig - keine aktuelle Meldung, denn bereits vor 122 Jahren stand „der griechische Staat beim Bankerotte“.

Griechenlands Bankrott anno 1893

Es war nur eine kleine Meldung auf Seite 2 unten in der Linzer „Tagespost“ vom 10. Dezember 1893, und auch deren explosiver Inhalt ging an den kommenden Tagen unter, weil in Paris ein Anarchist eine Bombe ins Abgeordnetenhaus geworfen und 50 Politiker, Beamte und Zuschauer verletzt hatte. „Der griechische Staat steht beim Bankerotte“, hieß es in der damaligen Schreibweise. „Ministerpräsident Trikupis hat dies in einer Kammerrede offen eingestanden.“ Charilaos Trikoupis (so die heutige Schreibweise) hatte schon einige Jahre zuvor versucht, durch Einschnitte bei den Staatsausgaben das Ansteigen der Schulden zu verhindern. Er wollte das Land modernisieren, um den internationalen Gläubigern wieder Vertrauen einzuflößen. Eisenbahnbau, Infrastrukturprojekte, Gas- und Wasserversorgung in den Städten sollten das Land dem Standard der Zeit annähern.

Er senkte die Beamtenzahl und reduzierte Rüstungsausgaben. Doch Proteste wegen sinkender Lebensstandards brachten ihm die Abwahl. Sein Nachfolger nahm noch einmal deutlich Schulden in Kauf und überließ es Trikoupis, nach dessen Wiederwahl dem Volk und der internationalen Finanzwelt die Zahlungsunfähigkeit zu melden.

Athen stellte seine Zahlungen an das Ausland ein, das allein für Rüstungsgüter an die 60 Millionen Goldfrancs in Anleihen gesteckt hatte, insgesamt betrug die Schuldenlast ein Drittel des Staatshaushalts – heute ist es deutlich mehr. Die Zolleinnahmen der Häfen Piräus und Patras sowie die Monopoleinnahmen aus dem Verkauf von Salz, Zündhölzern und Petroleum hatten die Griechen als Sicherheit verpfändet, doch auch die konnten nicht mehr garantieren. Dass der Staat zu keinen ausreichenden Einnahmen kam, führten ausländische Beobachter in den 1890er Jahren auf „Vetternwirtschaft, Clan-Denken und blinde Gier“ zurück. Griechische Politiker würden den Staat nur als „Quelle von Profit und Ämtern“ sehen. Es fehle völlig an Gemeinschaftssinn. Bei den Ausgaben für Rüstung zeigten die Zeitzeugen etwas Verständnis: Das ab 1825 nach der Griechischen Revolution nach Jahrhunderten schrittweise aus dem Osmanischen Reich befreite Land konnte wegen massiver Anfangsschwierigkeiten schon wenige Jahre später nicht einmal die Zinsen für die Anleihen der Großmächte zahlen. Es musste in zahlreichen Gebieten, in denen Griechen lebten und die noch zur türkischen Seite gehörten, eingreifen. Kreta etwa konnte nur durch militärischen Einsatz und hohe Zahlungen zum neuen Griechenland kommen.

Noch eine Parallele zur heutigen Zeit zum Schluss: Als die Griechen 1897 noch einmal Geld brauchten, um Thessalien freizukaufen, diktierte ihnen die deutsche Reichsregierung knallharte Bedingungen. Damals scheint das geholfen zu haben: Bis zum Einmarsch der NS-Wehrmacht 1941 wurden Zinsen und Raten bedient.

 

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