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Zwei Tage Glasnost in Linz

Von Heidi Riepl   13. Mai 2015

Gorbatschow
Die Politik- und Wirtschaftsprominenz riss sich um Gorbatschow.

LINZ. Gorbatschow-Besuch: Der Friedensnobelpreisträger und letzte Sowjet-präsident war zwei Tage lang Gast in Linz und warb unter anderem für die heute unvorstellbare Annäherung Europas an Russland.

  • Gorbatschow-Besuch: Der Friedensnobelpreisträger und letzte Sowjet-präsident war zwei Tage lang Gast in Linz und warb unter anderem für die heute unvorstellbare Annäherung Europas an Russland

Glasnost und Perestroika

Mit Blasmusik und einer Parade des Regauer Schützenvereins wurde in Linz am 14. Mai 2002 eine der bedeutendsten Personen des 20. Jahrhunderts empfangen: der Friedensnobelpreisträger und letzte Sowjetpräsident Michail Gorbatschow, der mit Glasnost und Perestroika die Öffnung der UdSSR einleitete und einen friedlichen Umbruch auf der ganzen Welt herbeiführte, hatte bei seinem zweitägigen Besuch jedoch kaum Zeit, die Landeshauptstadt näher kennenzulernen.

Die Polit- und Wirtschaftsprominenz des Landes riss sich geradezu darum, dem Ex-Präsidenten in Linz den roten Teppich auszulegen: Nach einer Visite in der Raiffeisen-Landesbank gab es einen Empfang bei Landeshauptmann Josef Pühringer, bevor "Gorbi" am Abend im Design Center vor 900 Gästen einen Vortrag mit dem Titel "Russland und die EU" hielt.

Zwei Tage Glasnost in Linz
Der letzte Sowjetpräsident besuchte unter anderem die voestalpine AG.

"Ohne Russland kein vereintes Europa"

"Ohne Russland wird es kein vereintes Europa geben", sagte der redselige Ex-Präsident und warb für "den unvermeidbaren Weg Russlands in die EU": "Es wäre sinnvoll, Russland den Status eines assoziierten Mitglieds anzubieten", sagte Gorbatschow. Dass die derzeitige Ukraine-Krise aber eine völlig andere Entwicklung brachte und die damalige Annäherung zwischen Europa und Russland jäh beendete, hätte sich damals niemand gedacht.

Am zweiten Besuchstag ging es zur voestalpine AG, wo sich der Ex-Präsident beim Werksrundgang höchst beeindruckt zeigte. Und weil "Gorbi" sogar den Börsenkurs der Stahlaktie wissen wollte, bekam er als Geschenk eine voest-Aktie. Als er dann im Gästebuch Foto und Unterschrift des Kosmonauten Juri Gagarin aus dem Jahr 1962 entdeckte, freute er sich: "Ein guter Bursche." Bei seinem Linz-Besuch stellte Gorbatschow auch einen Geschichtsirrtum klar: Die Behauptungen, er habe den legendären Satz "Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben" nie gesagt, seien falsch. "Doch, ich habe das im Gespräch mit Honecker seinerzeit genau so gesagt", sagte Michail Gorbatschow.

Das Jahr 2002

Das Jahr 2002

  • 1. Jänner: Der Euro wird als neue Währung in Umlauf gebracht.
  • 14. Februar: Bahrain wird Königreich. Erster König ist Scheich Hamad bin Isa Al Chalifa.
  • 11. April: Putsch gegen Venezuelas Regierung von Hugo Chavez, der zwei Tage später an die Macht zurückkehrt.
  • 6. Mai: Ermordung des niederländischen Rechtspopulisten Pim Fortuyn.
  • 14. Juli: Drei Zuschauer überwältigen in Paris den Franzosen Maxime Brunerie, als dieser bei der Parade zum Nationalfeiertag mit einem Karabiner den Staatspräsidenten Jacques Chirac töten will.
  • 10. September: Die Schweiz wird Mitglied bei den Vereinten Nationen.
  • 23. Oktober: Bei einer Geiselnahme im Moskauer Dubrowka-Theater bringen tschetschenische Rebellen 850 Menschen in ihre Gewalt.
  • 13. Dezember: Der EU-Gipfel in Kopenhagen beschließt die Aufnahme von zehn neuen Mitgliedern am 1. Mai 2004 („Osterweiterung“).

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