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Thrilla in Manila: "Es war wie der Tod"

Von Dominik Feischl   29. September 2015

"Es war wie der Tod"
"Der Größte" hatte auf den Philippinen das bessere Ende für sich.

Unerbittlich: Die Ringschlacht „Thrilla in Manila“ am 1. Oktober 1975 zwischen Weltmeister Muhammad Ali und Herausforderer Joe Frazier ging nicht nur wegen ihrer Härte in die Boxgeschichte ein.

  • Unerbittlich: Die Ringschlacht „Thrilla in Manila“ am 1. Oktober 1975 zwischen Weltmeister Muhammad Ali und Herausforderer Joe Frazier ging nicht nur wegen ihrer Härte in die Boxgeschichte ein.

Es war wie der Tod

„Es war wie der Tod“, murmelte Weltmeister Muhammad Ali noch später in der Umkleidekabine, nachdem er am 1. Oktober 1975 als Sieger des Schwergewichts-Boxkampfs gegen Herausforderer Joe Frazier hervorging. Am Donnerstag jährt es sich zum 40. Mal, dass der legendäre „Thrilla in Manila“ in der philippinischen Hauptstadt über die Bühne ging. Ali gewann den dritten Schlagabtausch mit Kontrahent Frazier damals durch Aufgabe in der 14. Runde. „Smoking Joe“, der mit zugeschwollenen Augen nichts mehr sehen konnte, blieb in der letzten Ringpause auf seinem Hocker wie ein Häufchen Elend sitzen. Sein Trainer Eddie Futch hatte davor das Handtuch geworfen. Unter heftigen Protesten seines Schützlings, doch sein Coach ließ später die Medienwelt wissen: „Der nächste Schlag hätte tödlich sein können.“

Beide Boxer hatten sich davor bei 43 Grad in der philippinischen Hitze vor 28.000 Zuschauern vor Ort und hunderten Millionen vor dem Fernseher nichts geschenkt, die Auseinandersetzung im Ring wurde später zum „besten Kampf des 20. Jahrhunderts“ von der Box-Bibel „The Ring“ gekürt. „Das war mehr eine Schlacht als ein Kampf. Ich glaube, es hat bis heute keinen brutaleren Boxkampf mehr gegeben“, erinnert sich auch ORF-Reporterlegende Sigi Bergmann.

Vor allem Frazier musste viele schwere Treffer einstecken, doch der tapfere Ex-Champion wollte nicht aufstecken. Aber auch Ali ging über seine Grenzen. Er brach nach der Aufgabe seines Widersachers in seiner Ecke zusammen, nachdem er noch kurz die Arme zum Sieg hochreißen konnte. „Der Größte“, wie er sich selbst gerne bezeichnete, gab sich danach kleinlaut. „Es besteht die große Möglichkeit, dass ihr heute meinen letzten Kampf gesehen habt. Ich möchte abtreten, solange ich ganz oben und noch bei bester Gesundheit bin“, sagte Ali. Worte, an die er sich aber nie hielt. Er sollte noch bis 1981, schon von der Parkinson-Krankheit gezeichnet, weitermachen.

"Es war wie der Tod"
Ali, heute von Parkinson gezeichnet

Applaus für Widersacher

Frazier erlag vor vier Jahren seinem Lungenkrebs. Bei der Trauerfeier am 14. November 2011 in Philadelphia erhob sich Box-Legende Ali und applaudierte ein letztes Mal seinem Rivalen. Es war die späte Versöhnung mit seinem wohl größten Gegner.

 

Nachgefragt bei...

Nachgefragt bei Sigi Bergmann
 

Die Box-Reporterlegende moderierte für den ORF den „Thrilla in Manila“ am 1. Oktober 1975 von Wien aus. Als Nachteil sah er das nicht, wie er im OÖN-Gespräch verrät.

 

  1. Wie haben Sie diesen Kampf damals erlebt?


    Das war mehr eine Schlacht als ein Kampf. Ich glaube, es hat bis heute keinen brutaleren Boxkampf mehr gegeben. Der Fight stieg am Vormittag Ortszeit, also zur Prime Time in den USA. Es hatte 43 Grad und hohe Luftfeuchtigkeit. Beide sind dann weit bis über die Schmerzgrenze hinausgegangen und es war an Härte und Unerbittlichkeit nicht zu überbieten. Ich habe den Kampf in Wien moderiert und aufgrund der dort vorherrschenden Wetterbedingungen war ich auch froh darüber.
  2. Welche Auswirkungen hatte die Niederlage für Frazier?


    Er hat sie nie wirklich verdaut. Ali hat ihn vor dem Kampf verhöhnt als „Onkel Tom Nigga“, als einen, der den Weißen hörig ist. Ich habe Frazier 1996 bei den Olympischen Spielen in Atlanta wiedergesehen. Es hatte ihn schwer getroffen, dass Ali dort die Flamme entzünden durfte, er, der ebenfalls Olympiasieger war, jedoch einfach übersehen wurde.
  3. Wird die Boxwelt wieder solch einen Schlagabtausch sehen?


    Seit Jahren herrscht schon Fadesse. Die Klitschkos dominieren die Szene seit langem. Nur interessiert das in den USA nicht wirklich jemanden. Und der Mayweather-Kampf gegen Pacquiao war viel Lärm um nichts. Es fehlt der einstige Glanz.
„Boxen ist für mich die Urdramaturgie schlechthin“
Sigi Bergmann ist der Box-Experte des ORF.
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