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„Raffiniert ins Schwarze getroffen“

Von Bernhard Lichtenberger   23. Mai 2015

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Bild 1/47 Bildergalerie: Österreich beim Song Contest: 1957 bis 2019

5. März 1966: Beim dritten Anlauf klappte es endlich. Udo Jürgens gewann in Luxemburg mit „Merci Chérie“ für Österreich den Grand Prix Eurovision de la Chanson.

  • 5. März 1966: Beim dritten Anlauf klappte es endlich. Udo Jürgens gewann in Luxemburg mit „Merci Chérie“ für Österreich den Grand Prix Eurovision de la Chanson. 

Ins Schwarze getroffen

Verschiedentlich kam es in diesen Tagen aus geringfügigen Anlässen zu hysterischen Reaktionen“, schrieben die Oberösterreichischen Nachrichten am 5. März 1966 auf Seite eins. Der Satz bezog sich allerdings nicht auf den anstehenden abendlichen Auftritt von Udo Jürgens, sondern auf die nach vier Monaten Nationalrats-Wahlkampf strapazierten Nerven der Parteifunktionäre. Nicht eine ankündigende Zeile war damals im Kulturteil zu finden. Im Fernsehprogramm hieß es lapidar: „21.50 Grand Prix Eurovision aus Luxemburg“.

Ein strahlender Udo Jürgens mit France Gall, die den Grand Prix 1965 gewonnen hatte.

„Der Fernsehkritiker meint“

Nicht ahnend, dass der erste Platz des Mannes am Klavier einmal zum legendären Ereignis für das musikalische Österreich stilisiert werden wird, deutete der zuständige Redakteur in der Rubrik „Der Fernsehkritiker meint“ den Triumph eher keck:

„Das Lied, der Schlager, das Chanson – ganz genau kann man diese neue Gattung der Bespielung von Schallplatten nicht umreißen – hatte raffiniert ins Schwarze getroffen.“ Den Siegertitel „Merci Chérie“, der mit insgesamt 31 Punkten die Konkurrenz deutlich abhängte, analysierte der nächtliche Kastl-Blicker so: „Eine zärtlich rhythmische, anspruchslose Melodie und ein Text, den sogar ein Eskimo nach dreimal zuhören auswendig lernen kann.“

Nach dem geäußerten Verdacht, der Wettbewerb sei nichts anderes als eine „Mustermesse für die internationale Schallplattenindustrie“, die prüfen wolle, welche Pressung sich auszahle, schließt der Fernsehkritiker doch noch versöhnlich: „Und weil dadurch das Wort ,Austria’ international wiederum größeres Gewicht erhält, seien wir stolz darauf und danken wir ihm alle, wenn auch manchem von uns Lieder von Hugo Wolf und Richard Strauss näher liegen.

Dennoch: ,Merci, chéri!’“ Vier Tage nach Udos Sieg sagte Karl Lackner, Unterhaltungschef des österreichischen Fernsehens, wie er sich den Chansonwettbewerb 1967 in Wien vorstelle: „Es soll ein charmantes Festival werden, bei dem viel mehr Kontaktpflege als bei den bisherigen das dominierende Element sein wird.“

Song Contest in Zahlen

Der Song Contest in Zahlen

 

  • Nummer 1: Der erste Song Contest fand unter dem Titel „Gran Premio Eurovision della Canzone Europea“ am 24. Mai 1956 in Lugano in der Schweiz statt. Sieben Länder nahmen mit je zwei Liedern teil, auftreten durften nur Solisten. Es galt das ungeschriebene Gesetz, in der Landessprache zu singen. Zur ersten Siegerin wurde die heute 91-jährige Schweizerin Lys Assia mit „Refrain“ gekürt.
     
  • 3000 Flaschen von „The Makemakes – Das Bier“ haben die diesjährigen österreichischen Song-Contest-Vertreter gemeinsam mit Braumeister Martin Simion in der Ottakringer Brauerei zubereitet und abgefüllt. Das englische Pale Ale wurde bei der „Welcome to Austria“-Party im „Euro Club“ der Brauerei ausgeschenkt.
     
  • 1717 Punkte entfielen bei den bisher 47 Teilnahmen auf Österreich.
     
  • Drei Mal engagierte Österreich „Gastarbeiter“, um die rot-weiß-rote Fahne zu vertreten. Mit „Sehnsucht“ belegte der Grieche Jimmy Makulis 1961 den 15. Platz. Zwei Jahre später trat die Isrealin Carmela Corren mit „Vielleicht geschieht ein Wunder“ ans Mikrofon. Das Wunder blieb aus, es reichte für Rang 7. 1968 heuerte Österreich den gebürtigen Pilsener Karel Gott an – ein Signal der Solidarität mit dem Prager Frühling.
     
  • 80 Cent beträgt der Wert der Sondermarke zum Eurovision Song Contest, die in einer Menge von 350.000 Stück aufgelegt wurde.
     
  • 14: Mit dieser Nummer gehen die Makemakes mit ihrem Song „I Am Yours“ bei der heutigen Final-Show in der Wiener Stadthalle an den Start.
     
  • Sechs Mal war Gary Lux für Österreich beim Wettsingen dabei. 1983 mit „Hurricane“ als Mitglied der Gruppe Westend (Platz 9), 1985 mit „Kinder dieser Welt“ (Platz 8) und 1987 mit „Nur noch Gefühl“ (Platz 20). Drei Mal unterstützte er als Backgroundsänger.

 

März 1966

Was sonst noch im März 1966 passierte

 

  • 3. März: Der Musicalfilm „Sound of Music“ mit Julie Andrews habe „in aller Welt Besucherrekorde erzielt“, schreiben die OÖN. Nur nicht in Linz, wo der Streifen unter dem Titel „Meine Lieder, meine Träume“ nach nur zwei Wochen wieder aus dem Programm des Phönix-Kinos genommen wird.
     
  • 4. März: In einem Interview sagt John Lennon: „Die Beatles sind heute populärer als Jesus.“ Der Satz löst in den erzkonservativen USA einen Aufruhr aus, der in Plattenverbrennungen und Morddrohungen gipfelt.
     
  • 6. März: Die ÖVP gewinnt bei der österreichischen Nationalratswahl die absolute Mandatsmehrheit. Das Ergebnis: ÖVP 85 (+2), SPÖ 74 (–2), FPÖ 6 (–2). Josef Klaus bleibt Bundeskanzler und bildet die erste ÖVP-Alleinregierung. Dass das Ergebnis ziemlich frühzeitig feststand, lag, wie die OÖN berichteten, am „Einsatz eines Computers (elektronisches Rechengehirn)“.
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