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Nierlichs Spuren für die Ewigkeit

Von Marlies Czerny   10. Februar 2015

Vail, Riesentorlauf Herren am 09.02.1989:Helmut Mayer (li), Rudi Nierlich und Pirmin Zurbriggen (Schweiz, rechts) jubeln nach dem Rennen. 

Unvergessen: Bei der WM in Vail 1989 ist es dem Rudi Nierlich besonders gut „glaf’n“. Der zweifache WM-Titel ist seinem Vater Günther präsent, als wäre er gestern geglückt. Die Erinnerung bleibt ewig.

  • Unvergessen:  Bei der WM in Vail 1989 ist es dem Rudi Nierlich besonders gut „glaf’n“. Der zweifache WM-Titel ist seinem Vater Günther präsent, als wäre er gestern geglückt. Die Erinnerung bleibt ewig.

Nierlichs Spuren für die Ewigkeit

„Einmal in meinem Leben will ich so werden wie Rudi Nierlich“, sagte ein kleiner Bub namens Hannes Reichelt. Weltmeister nämlich. 16 Jahre nach dem stillen Siegertyp aus dem Salzkammergut brachte der ruhige Radstädter seinen Kindheitstraum im WM-Super-G von Vail ins Ziel. Also begann Reichelt seine eigene Erfolgsgeschichte beim Rudi zu erzählen.

„Der Hannes und Benjamin Raich haben mir gesagt, dass der Rudi ihr großes Vorbild war“, weiß Günther Nierlich, Rudis Vater. Er nimmt einen Schluck Verlängerten im Hotel Seevilla in St. Wolfgang. „Mich freut’s, wenn jemand über Rudi redet. Dann lebt er weiter“, sagte der 70-Jährige beim Besuch der OÖN.

Rudi musste viel zu früh gehen

Das tragische Ende nahm das Leben seines 25-jährigen Sohnes in einer regnerischen Mai-Nacht 1991. Nur zwei Minuten von der Haustüre entfernt verunglückte er auf der Salzkammergut-Bundesstraße bei einem Auto-Unfall tödlich. „Da hab ich mich nicht mehr ausgekannt. Irgendwann habe ich es aber akzeptiert. Und mich an schönen Erinnerungen festgehalten“, sagte Nierlich senior. Das Grab auf dem Friedhof in St. Wolfgang überdeckte eine schneeweiße Decke. Es scheint, hier ruht jemand in Frieden.

Denkwürdige Momente gibt’s einige, sie sind in viele Bilder gerahmt im Haus oberhalb des Sees. Als Rudi Nierlich in Übersee seinen zweiten Weltmeister-Titel ins Slalom-Ziel brachte, „da haben s’ mich nicht mehr halten können“, erzählt Günther. Ohne Akkreditierung sprang er über die Bande an den Securitys vorbei. „Das ist der Vater vom Champion“, sagten sie rund um ihn. „Da kommt heute noch Freude auf.“

Nierlich schaffte auf 2,05 Meter langen Latten Schräglagen, die andere erst später auf Carvingskiern zustande brachten. „Der Rudi war so ein Bewegungstalent“, erzählt der Vater. Er spannte hinter dem Haus ein Seil (auf neudeutsch: Slackline). Und er baute für die Kinder auf dem Hügel nebenan aus einem Kompressormotor und einem Getriebe eine Tellerlift-Anlage. 2000 Schilling im Monat für die Skihauptschule Windischgarsten waren viel Geld für eine sechsköpfige Familie, die Haus baut. „Aber mein Nachbar sagte: Die Lehrer sind wie Väter. Das hat mir gefallen.“

„Wonn’s laft, daun laft’s“

Es zaubert Günther immer wieder ein Lächeln ins Gesicht, wenn Sportler seinen Sohn zitieren. Mit „Wonn’s laft, daun laft’s“ hatte Rudi die Erklärung nach seinem ersten Weltcup-Sieg in Schladming auf den Punkt gebracht, warum er gewonnen hat.

Die Weltmeisterin von nebenan

Mit Andrea Limbacher freut sich Günther Nierlich über die neue Skicross-Weltmeisterin vom Wolfgangsee. Sein zweiter Sohn Günther junior ist der Obmann im WSV St. Wolfgang. Dort flammte Limbachers Begeisterung zum Skisport auf – auch dank der Nierlichs. Günther senior ist eines klar: „Man braucht vor allem die Liebe zu etwas. Dann kann daraus Großes wachsen. 

Sternstunden


Die zehn Ski-Sternstunden Oberösterreichs

  1. Rudi Nierlich: "Goldene Zeiten für einen Oberösterreicher“ ließen 1989 die gesamte rot-weiß-rote Skination jubeln. Am 12. Februar gewann Rudi Nierlich aus St. Wolfgang, der hoch talentierte Rennläufer, seine zweite Goldmedaille bei den alpinen Skiweltmeisterschaften in Vail. Nach dem Riesentorlauf siegte Nierlich auch im Slalom. Die Sternstunde des oberösterreichischen Wintersports. Österreichs erster Slalom-Weltmeister seit 25 Jahren hatte im zweiten Durchgang Nervenstärke bewiesen und den führenden Deutschen Armin Bittner noch abgefangen. Als Bittner ins Ziel fuhr, sagte Nierlich nur „I hob’s“ – und riss die Arme in die Höhe. Mit seinen zwei Gold-Medaillen war der Oberösterreicher endgültig zum Superstar der Weltmeisterschaft in Vail geworden.
  2. Die Erfolge von Hannes Trinkl - WM-Gold und Olympia-Bronze: Es war der 22. Dezember 1993, als beim Super-G von Lech am Arlberg der 25-jährige Bauernsohn aus St. Pankraz mit Startnummer 51 in das Rennen ging und am Ende seinen ersten Weltcupsieg feierte. Der Italiener Werner Perathoner und Armin Assinger mussten ihm den Vortritt lassen. Acht Jahre später stand Trinkl, der 1998 bei den Olympischen Spielen in Nagano Abfahrtsbronze holte, wieder bei einem Rennen in Österreich auf dem obersten Podest. Bei der Heim-WM in St. Anton holte er Gold vor Hermann Maier. Trinkl: „Jeder träumt irgendwann davon, dass man Olympiasieger oder Weltmeister wird. Mir ist das noch dazu vor heimischem Publikum passiert. Das ist außergewöhnlich. Das taugt mir nach wie vor.“

  3. Josef Fischer und sein Star - die ersten Erfolge der Marke Fischer: „Zehn Jahre lang mussten wir wegen der Erfolge Jahr für Jahr die Fabrik erweitern“, erinnert sich Josef „Pepi“ Fischer, heute 83, an den Aufstieg seiner Skimarke. Der Höhepunkt war am 5. Februar 1976, als Franz Klammer am Patscherkofel auf dem C4 zum Sieg raste. Schon 1964 hatte Fischer Gold am Patscherkofel gefeiert. Egon Zimmermann fuhr den „Alusteel“. Josef Fischer war mit dem Metallski Pionier. Nur: Die Alpenstars wollten ihn nicht. Erst die deutschen Läufer brachen den Bann: „Sie haben ihn getestet und gesagt: Der ist der Schnellste.“ 1962 gewann der Bayer Fritz Wagnerberger die Kandahar-Abfahrt in Mürren.

  4. Weltcup-Premiere Auf der Höss - die Höss im Mittelpunkt: Die Hannes-Trinkl-Piste gab‘s in Hinterstoder noch nicht, aber die Bärenalm. Und große Ambitionen. Und Weltcup-Pioniere wie den mittlerweile verstorbenen Rudi Rohregger oder Eugen Stallinger. Der „Erfinder“ der ersten Ski-Hauptschule Österreichs war 1986, als der Skizirkus das erste Mal im Pyhrn-Priel-Gebiet Station machte, als Zielrichter im Einsatz und freute sich damals über den Sieger und die Werbung für das Stodertal: „Der Bittner, das war ein Haupttreffer.“ Denn: Bittner war auf dem Siegerfoto und hatte die Region in die deutschen Medien gerückt. Der Weltcup kehrte daraufhin mehrmals nach Oberösterreich zurück.

  5. Empfang für Annemarie Moser-Pröll: „Sowas habe ich noch nie erlebt“, zitierten die OÖN am 4. April 1979 Annemarie Moser-Pröll. Tatsächlich stand Linz kopf, als die beste Skifahrerin der Welt am Tag zuvor bei einem von den OÖN eingefädelten Empfang in einem Cabrio über die Landstraße chauffiert wurde. „Diese Fahrt vergisst man nie“, sagt Alois Bumberger. Der heute 73 Jahre alte Oberösterreicher saß bei diesem Triumphzug neben seinem Star. Hunderte Autogrammwünsche musste Moser-Pröll, die ein Jahr später unter Bumberger olympisches Abfahrtsgold gewann, erfüllen. Der Verkehr in der Innenstadt brach zusammen.

  6. Franz Gruber - ein Sieg und neun Podestplätze: Vier Tore vor dem Ziel fiel der Mollner Franz Gruber bei den Olympischen Winterspielen 1984 in Sarajevo aus. In allen vorangegangenen Rennen dieses Winters war er durchgekommen, immer war er unter den ersten Fünf gelandet. Im Riesentorlauf fuhr er mit zwei Mal dritter Laufzeit auf Platz vier. Von Sarajevo 1984 träumt er heute noch schlecht. Mit seinem Sieg 1983 in Kranjska Gora gibt er nicht an, auch nicht mit seinen neun Podiumsplätzen auf den schwierigsten Pisten der Welt. 1982 bei der WM in Schladming war er auch dabei und wurde zwei Mal Siebenter. Heute bringt er es durchschnittlich nur noch auf zehn Skitage im Jahr.

  7. Die Linzer Mayrwiese - die „Moarwiesn“ und der Weltcup: Es waren Generationen von Linzern, die auf der legendären „Moarwiesn“ auf dem Pöstlingberg ihre ersten Stemmbogen lernten. In den Skiregionen gab es erst vereinzelt Liftanlagen. Schon die Anreise wäre in den strengen Wintern der Vor- und Nachkriegsjahre wohl zum Abenteuer geworden. Der nahe Pöstlingberg bot in den Anfängen des Skisports die passende Alternative und hätte sogar Schauplatz des Skiweltcups werden sollen. Was heute Marcel Hirscher und Felix Neureuther im Münchner Olympiapark zeigen, war einst auf der Mayrwiese geplant.

  8. Hans Kniewasser - Zweiter in Kitzbühel: Der Hinterstoderer beherrschte seinerzeit den gleichen Stil wie Rudi Nierlich: direkt, fast brutal schoss er auf die Stangen zu. Bereits in jungen Jahren galt er als Bewegungstalent, das durch seinen stilistisch perfekten Fahrstil und seine Haltung auffiel. Seine Eltern haben auf den Hutterer Böden die Skihütte bewirtschaftet. Als Kind ist er jeden Tag mit den Skiern in die Volksschule gefahren. Zu seinen größten Erfolgen zählte der zweite Platz in Kitzbühel 1974 hinter Hans Hinterseer. In der gleichen Saison wurde er Dritter in der Slalom-Weltcup-Wertung und Achter im Gesamtweltcup.

  9. Erika "Riki" Spiess-Mahringer - „Ski d‘Or“ für „Riki“: Bei den Olympischen Winterspielen 1948 in St. Moritz wurde Erika Spieß-Mahringer zwar in der Kombi-Abfahrt auf Platz 19 zurückgeworfen, im Slalom zeigte die Linzerin aber viel Kampfgeist und holte schließlich noch die Bronzemedaille in der Kombination. Als Draufgabe gab es Bronze im Spezialslalom. Ihre Prämie bei der Rückkehr nach Österreich: fünf Kilo Zucker. Gestartet hatte Spieß-Mahringer ihre Karriere auf dem Pöstlingberg. Ihre Ski-Karriere krönte sie 1954 mit dem Gewinn des „Ski d‘Or“ – dem Vorgänger des Gesamtweltcups.
  10. Sepp Loidl - Oberösterreichs Pionier: Sepp Loidl (66) war der erste Oberösterreicher im alpinen Ski-Weltcup. Von 1968 bis 1974 dauerte seine Karriere, mit der Teilnahme an den Olympischen Spielen 1972 in Sapporo als Höhepunkt. Dort erlebte er eine Sternstunde – auch wenn es schließlich bei der Olympia-Abfahrt am 7. Februar dann doch „nur“ zum 9. Platz reichte. Mehr als 800 Pokale hat der gebürtige Ebenseer gewonnen. Viermal wurde er österreichischer Meister, war Militär-Weltmeister und Polizei-Europameister.

 

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