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Innsbrucker Sternstunden

Von Stefan Fröhlich   14. Februar 2015

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Bild 1/12 Bildergalerie: Ski-Legende Franz Klammer

Die olympischen Triumphe von Franz Klammer und Egon Zimmermann begründeten die Erfolgsgeschichte des Rieder Skifabrikanten Fischer.

  • Die olympischen Triumphe von Franz Klammer und Egon Zimmermann begründeten die Erfolgsgeschichte des Rieder Skifabrikanten Fischer.

Innsbrucker Sternstunden

Legendär: "1:42, 43, 44. Jawoll! Bestzeit! 1:45,73 für unseren Franzi Klammer." Die Stimme des ORF-Sportkommentators Edi Finger überschlug sich, um 12.48 Uhr ging ein Jubelschrei durch Österreich, wie die OÖN tags darauf titelten. Franz Klammer hatte geschafft, was das skibegeisterte Land von seinem Nationalhelden erwartet hatte: die Goldmedaille im Abfahrtslauf bei den Olympischen Spielen in Innsbruck.

Es war der 5. Februar 1976, und der Druck einer ganzen Nation lag auf den Schultern des damals 22-jährigen Kärntners, der in den eineinhalb Jahren zuvor im Weltcup praktisch alles gewonnen hatte, was es zu gewinnen gab.

Vor seinem Husarenritt am Patscherkofel war nicht alles glatt gelaufen. Klammer wünschte sich die Startnummer drei, die aber erhielt sein Rivale Bernhard Russi aus der Schweiz. Der Österreicher dagegen musste mit der Nummer 15 ins Rennen gehen, bekam am Start Russis famose Zeit mit, an der sich die kommenden Läufer allesamt die Zähne ausbissen.

Auch die Materialfrage beschäftigte Klammer. Ursprünglich hätte er mit dem neuen Lochski starten sollen, doch er entschied sich für seinen alten Rennski, den Fischer C4, mit dem er zuvor so dominiert hatte. Ein Goldgriff.

Im oberen Teil der Strecke unterliefen Klammer gleich zwei Fehler, doch je länger er auf der Piste war, umso schneller wurde der Kärntner. Am Ende lag er 33 Hundertstel vor Russi. "Diese Fahrt hat mein Leben verändert", sollte Klammer später sagen.

Es war nicht nur für Franz Klammer und für Österreich der ganz große Triumph, sondern auch für den Hersteller seiner Goldlatten. Für den Skifabrikanten Fischer aus Ried im Innkreis war es der wahrscheinlich bedeutendste Sieg, der die Innviertler mindestens auf eine Stufe mit den großen Konkurrenten Atomic und Blizzard brachte. Heute ist Fischer die letzte große Skifirma, die zu hundert Prozent in österreichischem Besitz ist. Im Geschäftsjahr 2013/14 setzte das Unternehmen mit etwa 1800 Mitarbeitern, vor allem in Österreich und der Ukraine, 186 Millionen Euro um.

1964 kam der Durchbruch

Den Durchbruch schaffte die vom legendären Josef "Pepi" Fischer geführte Firma schon zwölf Jahre vor Klammers Triumph – ebenfalls auf dem Patscherkofel in Innsbruck. Am 30. Jänner 1964 gewann der Vorarlberger Egon Zimmermann olympisches Abfahrtsgold. Im Unterschied zu Klammer vertraute Zimmermann auf die neueste Technologie aus dem Innviertel: den "Alusteel". Dabei handelte es sich um einen Metallski mit Gummieinlage. Fischer löste dabei das Problem, Stahlkanten auf einem Metallski zu montieren, woran davor alle anderen Hersteller in den 1960er-Jahren gescheitert waren. Die Kante hielt, der Ski passte sich besser dem Gelände an, und Zimmermann distanzierte den Franzosen Léo Lacroix um 74 Hundertstel.

 

Die Deutschen als Pioniere

Fünf Jahre zuvor, nach dem Tod des Vaters, der 1924 das Unternehmen als Wagenbaubetrieb gegründet hatte, übernahm Josef Fischer die Firma. Leicht hatte er es zu Beginn nicht. "Ich bin am Anfang als Flachländler ausgelacht worden. Was willst denn mit deinen Kipfeln, haben die gesagt", erzählte der heute 85-Jährige einmal den OÖNachrichten. Ausgerechnet die Deutschen vertrauten als Erste auf die Skier aus Oberösterreich. Unsere Nachbarn testeten den Ski und stellten fest: "Der ist der schnellste." Sie sollten recht behalten.

1962 gewann der Bayer Fritz Wagnerberger mit dem "Alusteel" die Kandahar-Abfahrt in Mürren. Das überzeugte auch die Österreicher, und Zimmermann sattelte auf die zuvor belächelten Skier aus dem Innviertel um. Die Erfolge gingen für Fischer auch zwischen den beiden Olympischen Spielen in Innsbruck weiter: 1968 holte Gerhard Nenning den Abfahrtsweltcup, 1969 gewann Gertrud Gabl den ersten Gesamtweltcup für Österreich.

Genauso rasant, wie die Athleten von den Skiern zu Tale getragen wurden, verlief in dieser Zeit das Wachstum des Unternehmens. 1960 produzierte Fischer 70.000 Paar Holzskier, deren Ruf unter Spitzenfahrern kein guter war. Zehn Jahre später verließen die größte Skifabrik der Welt bereits mehr als eine halbe Million Paar.

Mittlerweile sind es freilich nicht mehr nur die Alpin-Skier und Skischuhe, die Fischer zur Weltmarke machen. 1971 stieg das Unternehmen in den Langlauf ein und entwickelte sich schrittweise zum weltweiten Marktführer. Aus dem Tennis-Geschäft, das 1974 gestartet wurde, zog sich Fischer 2009 aus wirtschaftlichen Gründen zurück, doch auch hier standen zahlreiche Erfolge wie etwa durch Michael Stich oder Jewgeni Kafelnikow zu Buche.

Dass bei Fischer das Wort Technologie nicht nur aus grammatikalischen Gründen großgeschrieben wird, dafür ist die Ausgründung FACC der beste Beweis. Ab 1986 lieferte Fischer auch Teile an die Flugzeugindustrie, 1989 entstand daraus eine eigene Firma. Im vergangenen Juni wagte FACC, derzeit zu 51 Prozent in chinesischen Händen, den Gang an die Börse.

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