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Happy End in Monte Carlo

Von Christoph Zöpfl   09. Mai 2015

Jochen Rindt im Monaco-Siegerauto, dem Lotus 49 B  

Jochen Rindt: Vor 45 Jahren wurde Jochen Rindt mit seinem Sieg in Monte Carlo endgültig zum österreichischen Volkshelden. Vier Monate später starb er beim Training in Monza. Heute ist er eine Legende.

  • Vor 45 Jahren wurde Jochen Rindt mit seinem Sieg in Monte Carlo endgültig zum österreichischen Volkshelden.
  • Vier Monate später starb er beim Training in Monza. Heute ist er eine Legende.

Happy End in Monte Carlo

Bei Lotus kann ich Weltmeister werden oder draufgehen." Diese Prognose gab Jochen Rindt ab, als er mit dem neuen Lotus 72 in die Formel-1-Saison 1970 startete. Der vom Briten Colin Chapman konstruierte Rennwagen galt als filigran und riskant. In einer Zeit, in der die Freundinnen der Rennfahrer stets schwarze Kleider im Koffer hatten, um für den Fall eines Trauerfalls gerüstet zu sein, wurde die Lebensgefahr als Rahmenbedingung mehr oder weniger fatalistisch akzeptiert.

Vor 45 Jahren, beim Grand-Prix-Wochenende in Monte Carlo, war das Mini-Vertrauen in den neuen Lotus 72 trotzdem aufgebraucht. Rindt ließ das Vorgänger-Modell, den 49er-Lotus, auspacken, um nach dem Training im Gespräch mit dem OÖNachrichten-Reporter Helmut Wahl lapidar anzumerken: "Ich weiß, dass ich keine Chance habe, andere Wagen sind eindeutig schneller als mein alter Lotus." Er sollte sich täuschen.

Das Rennen am 10. Mai nahm er aus Position acht in Angriff und profitierte dann von Ausfällen von vier Vorderleuten, darunter sein Freund und Top-Favorit Jackie Stewart im March. Henri Pescarolo und Denis Hulme konnte Rindt überholen, plötzlich lag der Außenseiter mit neun Sekunden Rückstand auf Platz zwei hinter seinem ehemaligen Teamchef Jack Brabham. Die folgende Aufholjagd schrieb Rennsportgeschichte. Rindt machte Druck, fuhr außerirdische Rundenzeiten. In der letzten Kurve vor dem Ziel, der Gasometer-Haarnadel, stieg Brabham zu spät in die Eisen und rutschte mit voll eingeschlagenen Rädern in die Strohballen. Rindt presste sich vorbei und donnerte als Erster über die Ziellinie. Dem Mann mit der schwarz-weiß-karierten Fahne stand der Mund offen, er glotzte dem rot-goldenen Lotus nach und vergaß darauf, das Rennen abzuwinken. Die Zuschauer waren völlig aus dem Häuschen, in Österreich löste der Rindt-Sieg eine Euphorie aus, die nur mit Franz Klammers Olympia-Gold 1976 oder dem "I-werd-narrisch-Cordoba-Triumph" zwei Jahre später vergleichbar ist.

Vier Monate später, am 5. September 1970, verunglückte Rindt beim Training in Monza tödlich. Die rechte vordere Bremswelle seines Lotus 72 war gebrochen. Jochen Rindts eingangs erwähnte Entweder-oder-Prognose erfüllte sich trotzdem nicht. Der tote Superstar bekam am Saisonende posthum den Weltmeistertitel zugesprochen.

Günter Stadlmann

Interview

Drei Fragen an Günter Stadlmann


Der Welser war als Wegbegleiter von Jochen Rindt im Mai 1970 in Monte Carlo live dabei.

 

  1. Wo haben Sie damals das Finale des Rennens miterlebt? 

    Günter Stadlmann: Ich stand zufällig genau bei der Gasometer-Haarnadel, in der Brabham plötzlich geradeaus gerutscht ist. Es war unglaublich. Während Jochens Aufholjagd war ich mir sicher, dass das nicht gut gehen kann. Es hat ausgesehen, als wäre er ständig über dem Limit.
  2. Und wurde der Sieg nach dem Rennen groß gefeiert? 

    In der Lotus-Box ist es natürlich schon ziemlich zugegangen. Aber der Jochen war nicht so der emotionale Typ, sondern eher cool. Damals war er auch komplett ausgepowert. Allein die ganze Schalterei in Monte Carlo war ja unmenschlich, da gab es tausende Schaltvorgänge, die Fahrer hatten alle Blasen an den Händen.
  3. Angeblich war Rindt vor dem Rennen mit Brabham mittagessen und wollte ihn zu ein paar Gläsern Wein überreden... 

    Ja, das ist schon möglich. Heute ist so etwas in der Formel 1 unvorstellbar, aber damals war alles lockerer. Daran kann ich mich jedenfalls erinnern: Als Jochen nach dem Sieg in die Box kam, hat er sich zuerst einmal eine Zigarette angezündet.

 

 

Mai 1970

Mai 1970

  • 2. Mai: Die OÖNachrichten berichten über das Fußball-Länderspiel Österreichs im Maracanã-Stadion von Rio, das Brasilien 1:0 gewinnt. Brasiliens Teamchef Zagallo über die Österreicher: „Sie spielen wie Brasilianer.“
  • 21. Mai: Der LASK erreicht auf kuriose Art und Weise das ÖFB-Cup-Finale. Nach dem 3:3 gegen Bregenz entschied (nach Verlängerung) das Los.
  • 29. Mai: Der LASK verliert das Cup-Finale gegen Wacker Innsbruck mit 0:1. Als Trost gab es eine Prämie von 125.000 Schilling.
  • 31. Mai: In Mexiko wird die Fußball-WM angepfiffen. Der einzige aktive Österreicher ist Schiedsrichter Ferdinand Marschall aus Waldzell.
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