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Ein Satz und ein Bild stehen für das neue Österreich

Von Wolfgang Braun   15. Mai 2015

Ein Bild, das Geschichte machte: Leopold Figl und der Staatsvertrag.

"Österreich ist frei": Am 15. Mai 1955, heute vor 60 Jahren, wurde der Staatsvertrag unterzeichnet und von Außenminister Leopold Figl auf dem Balkon des Belvedere präsentiert – ein historischer Augenblick.

  • "Österreich ist frei": Am 15. Mai 1955, heute vor 60 Jahren, wurde der Staatsvertrag unterzeichnet und von Außenminister Leopold Figl auf dem Balkon des Belvedere präsentiert – ein historischer Augenblick.

Ein historischer Augenblick

Am 15. Mai 1955, um 11.34 Uhr, unterzeichneten Österreichs Außenminister Leopold Figl (VP), sein sowjetischer Amtskollege Wjatscheslaw Molotow sowie die Außenminister John Foster Dulles (USA), Harold Macmillan (Großbritannien) und Antoine Pinay (Frankreich) den Staatsvertrag.

Was dann folgte, steht wie kein anderes Ereignis für den Beginn des neuen, freien und selbständigen Österreich: Figl auf dem Balkon des Wiener Belvedere, glücklich den Vertrag präsentierend und dazu sein Satz "Österreich ist frei". Gesagt hat er das zwar im Marmorsaal des Schlosses und nicht, während er auf dem Balkon stand. Aber in der kollektiven Erinnerung des Landes sind dieses Bild und dieser Satz zu einem Moment verschmolzen.

Mühsame Verhandlungen

Mühsame Verhandlungen

Vor der Unterzeichnung des Staatsvertrages standen jahrelange diplomatische Bemühungen und heikle Verhandlungen. Mit dem Tod Stalins 1953 stiegen Österreichs Chancen.

Im März 1955 lud die Sowjetunion eine österreichische Delegation nach Moskau, am 15. April wurde das Moskauer Memorandum unterzeichnet, das die Grundlage für den Staatsvertrag lieferte. Darin garantierte die Sowjetunion Österreich den Staatsvertrag und die Unabhängigkeit, Österreich wiederum verpflichtete sich zur immerwährenden Neutralität.

Bei den letzten Verhandlungsrunden im Mai in Wien gelang es Figl sogar noch, Molotow davon zu überzeugen, den Hinweis auf die österreichische Mitverantwortung am Zweiten Weltkrieg aus der Präambel des Staatsvertrages zu streichen – etwas, was die Sowjets bis zu diesem Zeitpunkt strikt abgelehnt hatten.

Ein Satz und ein Bild stehen für das neue Österreich
Ein Bild, das Geschichte machte: Leopold Figl und der Staatsvertrag

1945 zum Tod verurteilt

Nach der Unterzeichnung läutete die Pummerin, die Menschen feierten vor dem Belvedere. Leopold Figl machte spätestens dieser Augenblick zu einer der bedeutendsten Persönlichkeiten der jüngeren österreichischen Geschichte.

Dabei hatte der Bauernsohn aus Rust im Tullnerfeld zehn Jahre zuvor nur noch wenige Tage zu leben: Die Nazis verurteilten ihn während der letzten Kriegswochen im April 1945 zum Tod. Doch am Tag seiner geplanten Hinrichtung befreite die Rote Armee Wien.

Im November 1945 wurde Figl erster frei gewählter Bundeskanzler Österreichs, musste aber 1952 nach VP-internem Druck Julius Raab weichen.

Sein neuer Platz war jener des Außenministers – und damit drei Jahre später der Balkon des Belvedere.

Mai 1955

Mai 1955

  • 15. Mai 1955: Der Tag des Staatsvertrages war vor 60 Jahren auch für die Oberösterreichischen Nachrichten ein einschneidendes Ereignis: Fünf Seiten widmete man der so lange ersehnten Unterzeichnung – enorm viel, wenn man bedenkt, dass die Ausgabe des folgenden Tages insgesamt 12 Seiten stark war. An Figls Satz konnten auch die OÖNachrichten nicht vorbei. „Österreich ist frei“ wurde in Rot zum Titel auf Seite 1 erkoren, der historischen Bedeutung entsprechend.
  • Der Staatsvertrag: Der Original-Staatsvertrag umfasst mit Übersetzungen (russisch, englisch, französisch) knapp 300 Seiten. Insgesamt trägt er neun Unterschriften. Jene der vier Außenminister der Besatzungsmächte sowie der damals für Österreich zuständigen Hochkommissare. Für Österreich unterzeichnet nur Leopold Figl – übrigens als Einziger mit grüner Tinte.
  • 15. Mai 2015: Zum Gedenken an den Staatsvertrag vor 60 Jahren findet heute um 11 Uhr ein Festakt im Belvedere statt.
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