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Ein „Gott“ kam nach Bad Ischl

Von Alfons Krieglsteiner   11. Juni 2015

Nach dem Ständchen setzte sich der Dalai Lama den Trachtenhut auf.

Hoher Besuch: Vor 17 Jahren schaute der Dalai Lama in der verregneten Kaiserstadt vorbei – Als Geschenk gab’s eine Uhr vom „alten“ Kaiser Franz Joseph – Chinesische Delegation wollte den Besuch verhindern

  • Hoher Besuch: Vor 17 Jahren schaute der Dalai Lama in der verregneten Kaiserstadt vorbei. 
  • Geschenk: Als Geschenk gab’s eine Uhr vom „alten“ Kaiser Franz Joseph. Eine chinesische Delegation wollte den Besuch verhindern

Ein Gott kam nach Ischl

Heute vor 17 Jahren stieg ein Gott zu den Bad Ischlern hernieder: „Seine Heiligkeit“, der 14. Dalai Lama, erwies der Kaiserstadt seine Reverenz. „Eingefädelt“ hatte den Besuch Hubert von Goisern, der das Oberhaupt des tibetischen Buddhismus in dessen Exil in Indien kennengelernt hatte. „Der Hubert ist an mich herangetreten, ob ich den Dalai Lama nach Ischl einladen würde, ich hab’ die Einladung sofort schriftlich formuliert und er hat sie ihm bei seinem nächsten Besuch in Indien überreicht“, sagt Helmut Haas (70), damals Bürgermeister von Bad Ischl (SPÖ). Die Zusage ließ nicht lange auf sich warten.

Auch nicht der unvermutete Besuch einer Vier-Mann-Delegation der chinesischen Botschaft. „Die sind im Februar im Rathaus vorstellig geworden und wollten, dass ich ihn wieder auslade“, berichtet Haas. „Als ich ihnen aber klar gemacht habe, dass das nicht in Frage kommt, sind sie unverrichteter Dinge gegangen.“

Zu Mittag einen Tafelspitz

An den großen Tag kann sich Haas, Stadtoberhaupt von 1995 bis 2007, genau erinnern. „Es war ein Donnerstag, das Wetter war schlecht, deshalb musste der Dalai Lama umdisponieren.“ Statt wie geplant mit dem Hubschrauber, reiste er im Auto-Konvoi an. „Ich habe ihn im Sitzungssaal begrüßt und ihm ein Geschenk überreicht – eine Uhr, die einst Kaiser Franz Joseph zu seinem 60. Regierungsjubiläum verschenkt hatte und die nicht mehr funktionierte.“ Denn der Dalai Lama, ein begeisterter Uhrensammler, wollte unbedingt eine Uhr, an der er basteln konnte, und deshalb bekam er auch noch ein Uhrmacherbesteck dazu.

„Er hat sich gleich ans Reparieren gemacht, schließlich hat er sich doch bewegen lassen, mit Bischof Maximilian, Superintendent Eichmeyer, Landeshauptmann Pühringer, Karl Habsburg und mir das Mittagsmahl einzunehmen.“ Ein Tafelspitz hatte es dem hohen Gast besonders angetan. Auf dem Podium in der Kaiser-Franz-Joseph-Straße sprach der Friedensnobelpreisträger anschließend mit Hilfe eines Dolmetschers zu 1000 Besuchern, die sich vom Regen nicht hatten abhalten lassen. Dann besuchte er in der Trinkhalle am Sparkassenplatz die Ausstellung „Faszination Tibet“, lauschte einem Ständchen und nahm einen Gamsbarthut entgegen, „den er gleich anprobiert hat“, sagt Haas.

Mit zwei Mönchen betete er dann vor einem Mandala-Kunstwerk aus Sand, „nach dem Gebet hat er den Sand mit einer Handbewegung durchmischt und das Bild unkenntlich gemacht“, so Haas. Noch ein „Bad in der Menge“, dann machte sich der Dalai Lama gegen 18 Uhr auf die Weiterfahrt nach Graz. Winkend und lächelnd nahm er Abschied. Nicht für immer, denn Hannes Heide, derzeit Bürgermeister von Bad Ischl, will ihn wieder einladen.

 

So berichteten die OÖN

Der Dalai Lama suchte die Nähe der Besucher.  

"Sein Lächeln erhellte Ischl"

"Das Lächeln des Dalai-Lama machte das verregnete Bad Ischl ein bisschen heller", betitelten die OÖnachrichten am 12. Juni 1998 einen Bericht, verfasst von Meinhard Buzas. Ausführlich wurde der Besuch des Nobelpreisträgers dokumentiert. Die "Symbolfigur der Welt gewann viel Sympathie" schrieb Wolfgang Eisl in einem zweiten Bericht, der am selben Tag abgedruckt wurde. 

Der Originalbericht aus dem Jahr 1998:

Seine Mönche hatten das Schlechtwetter nicht wegmeditieren können. Aber das herzliche Lächeln des Dalai-Lama machte das verregnete Bad Ischl gestern doch ein bißchen heller.

Hubert von Goisern hatte in Tibet den Kontakt geknüpft, Bürgermeister Helmut Haas die Gelegenheit beim Schopf gepackt, die Kaiserstadt auch als Friedensstadt zu profilieren. Also begab es sich, daß gestern um elf Uhr das geistliche und weltliche Oberhaupt Tibets, der 63 Jahre alte 14. Dalai-Lama, dort buddhistische Ausgeglichenheit und lächelnde Ruhe verbreitete, wo sonst alles von Kaiser und Sisi geprägt ist.

40 Gendarmen, teils von der Sondereinsatzgruppe, bemühten sich um Sicherheit, die nie gefährdet war. Etwa 300 Schaulustige mit Schirmen und in Regenjacken umlagerten das Rathaus in der Pfarrgasse, in dem der Bürgermeister dem fernöstlichen Gast und Uhrensammler eine Kaiser-Geschenksuhr verehrte: eines der seltenen Exemplare, die Franz Josef zu seinem 60. Regierungsjubiläum verschenkt und das Uhrenhändler Harald Baumann vor langer Zeit erworben hatte. Der Dalai-Lamabedankte sich mit einem weißen tibetischen Schal.

Beeindruckend an dem Nobelpreisträger, der seinen gewaltlosen Widerstand gegen die chinesische Besetzung Tibets weltweit predigt: seine Freundlichkeit, die von innen kommt, sein herzliches, ein bißchen kehliges Lachen, seine spürbare Sanftmut. Von einem Mitglied der Hochtraxlecker Sprungschanzenmusi, die ihm in der Trinkhalle ein Ständchen brachte, ließ er sich bereitwillig den Gamsbarthut aufsetzen. Dann verharrte er mit zwei Mönchen im Gebet vor einem farbigen Sand-bild und beäugte interessiert und kundig ("das ist nicht aus Tibet, sondern mongolisch") die Exponate einer kleinen Tibetausstellung.

Landeshauptmann Pühringer, Karl Habsburg und Ex-Mundl Karl Merkatz aßen unter anderen mit dem Gast zu Mittag. Er wollte einheimische Kost: Leberknödelsuppe, Tafelspitz, Apfelstrudel. Vegetarisches (Dinkelnockerl, Hirselaibchen) stand als Alternative bereit.

Theresia Streibl und Alexandra Hödlmoser, beide sieben, freuten sich: Sie durften Blumensträuße überreichen. Tseten Zöchbauer, Tibeterin, und ihre Kinder Tenzyn (6) und Karma (5) strahlten, auch wenn sie vorerst von Sicherheitsbeamten an der Begrüßung gehindert wurden. Und einige der Ischler, die gekommen waren, zeigten unübersehbare Zeichen der Rührung: Der Dalai-Lama war leibhaftig da. (Von Meinhard Buzas)

Im Gespräch mit dem Landes-Chef.

 

"Symbolfigur der Welt" gewann viel Sympathie

Auch der heftige Regen hielt gestern nachmittag etwa 1000 Neugierige nicht davon ab, zur Kundgebung des Dalai-Lama ins Ischler Stadt-zentrum zu kommen.

Dafür, den Dalai-Lama, den Linzer Bischof Maximilian Aichern und den Superintendenten Hansjörg Eichmeyer zu hören, stellten sich viele zwei Stunden in den Regen.

An den Stadteinfahrten stauten sich kurzfristig die Autos. Kluge ließen die Fahrzeug stehen und gingen zu Fuß ins Zentrum. Außerhalb des Sicherheitskorridors um die Tribüne für die Redner gab es ein gewaltiges Gedränge. Vielen nahmen die Regenschirme der Ehrengäste innerhalb der Absperrung die Sicht. "Schirme weg", skandierten Jugendliche. Tatsächlich spannte der Großteil der Prominenten die Schirme ab.

Nach dem Lob der Kirchenvertreter: "Im inneren Dialog der Kirchen ist der Buddhismus bevorzugter Partner des Christentums" (Eichmeyer), ergriff die "Symbolfigur der heutigen Welt" (Aichern) das Wort.

Während der Übersetzung erwiderte er immer wieder Winken aus dem Publikum. Damit und mit seinem Lachen gewann er die Sympathien der Zuhörer, sofern er sie nicht schon besessen hatte. Neben dem Appell zur Friedfertigkeit, "der Friede des Geistes ist nicht zu kaufen", und für die Zusammenarbeit der Religionen erklärte er sein politisches Programm, eine tibetische Autonomie. Kaum beachtet wurden einige Demonstranten. (Von Wolfgang Eisl)

Nachgefragt bei...

Helmut Haas war Bürgermeister von Bad Ischl als der Dalai Lama die Kaiserstadt besuchte.   

Helmut Haas, Ex-Bürgermeister von Bad Isch, im OÖN-Gespräch
 

  1. Wie ist Ihnen der Dalai Lama in Erinnerung geblieben?

    Als eine Persönlichkeit, deren charismatischer Ausstrahlung man sich nicht entziehen konnte. Er wirkte unglaublich ruhig und gelassen, und auch wenn ihn die prekäre Entwicklung der Beziehungen zu China sehr belastet haben, zeigte er sich weltoffen, hat nichts kritisiert und über nichts geschimpft. Sein Lächeln kam von Herzen.
  2. Wie haben Sie sich damals auf den Besuch vorbereitet?

    Ich bin zu Bürgermeister Alfred Stingl nach Graz gefahren, der kannte den Dalai Lama von einem früheren Besuch in der steirischen Landeshauptstadt. Er hat gesagt: Keine Sorge, das ist ein ganz einfacher Mensch.
  3. Welche Sicherheitvorkehrungen wurden getroffen?

    Vierzig Gendarmen, teils von der Sondereinsatzgruppe, waren für die Sicherheit zuständig. Nur einmal sind die Beamten nervös geworden: als er unvermutet den Weg durch die enge Kirchengasse eingeschlagen hat. Doch es gab keine Probleme.
  4. Das Ansinnen einer chinesischen Delegation, den Dalai Lama auszuladen, haben Sie abgelehnt. Hatte das für Sie später unliebsame Folgen?

    Das konnte man zuerst nicht wissen. Jedenfalls hatte ich ein ungutes Gefühl, als ich mit einer oberösterreichischen Delegation zur Intensivierung der wirtschaftlichen Beziehungen im Jahr 2003 nach China fliegen wollte. Ich dachte, dass man mir die Einreise verweigern würde. Doch diese Befürchtungen erwiesen sich als unbegründet.
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