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Diese Wunden heilen nie

Von Alexander Zambarloukos   28. Mai 2015

Die Tragödie von Heysel  

Die Stadion-Katastrophe von Heysel: 39 Menschen hatten in Brüssel ihr Leben gelassen, das Europacup-Finale 1985 ging trotzdem über die Bühne

  • Die Stadion-Katastrophe von Heysel: 39 Menschen hatten in Brüssel ihr Leben gelassen
  • Das Europacup-Finale 1985 ging trotzdem über die Bühne

Diese Wunden heilen nie

Nie zuvor war der Ausgang eines Fußball-Europacup-Finales der Landesmeister so nebensächlich wie an jenem schwarzen 29. Mai 1985. Juventus Turin hatte nach einem von Superstar Michel Platini verwandelten Elfmeter (58.) den FC Liverpool mit 1:0 (0:0) in die Knie gezwungen und die Trophäe mit geballten Fäusten und einer Jubeltraube seinen Fans im Sektor Z präsentiert.

"Dafür schäme ich mich heute noch", gesteht der unverwüstliche ehemalige Mittelfeldspieler Marco Tardelli mit Tränen in den Augen. Fast 30 Jahre danach.

Wohl wissend, dass die Optik alles andere als zu jener Tragödie passte, die sich Stunden zuvor im Heysel-Stadion zu Brüssel zugetragen hatte. Doch in einer Ära, der Internet, Video-Streams und mit der Wahrheit herausrückende Funktionäre unbekannt waren, hielt sich der Informationsfluss in Grenzen.

Die Tragödie von Heysel

 

Die Ausschreitungen hatten sich sehr wohl bis in die Kabinen durchgesprochen, nicht jedoch ihre Auswüchse. Die Atmosphäre war aufgeheizt, eine Racheaktion englischer Hooligans für die Zwischenfälle im Rahmen des Endspiels 1984 in Rom im Busch gewesen. Provozierende Sprechchöre, durch die Gegend fliegende Feuerwerkskörper und letztlich ein Sturmlauf aus den den Briten zugeordneten Sektoren X und Y. Mittendrin eine viel zu lang nur zusehende Armada an Polizisten, eine Tribünenmauer, die dem Druck nicht mehr standhielt, und eine Massenpanik, die den Schauer des Todes anzog.

39 Menschen – 32 Italiener, vier Belgier, zwei Franzosen und ein Nordire – starben in diesem "Gemetzel", 454 wurden verletzt. Das deutsche Fernsehen blendete sich daraufhin aus Pietät noch vor dem Anpfiff aus, der ORF übertrug weiter. "Das schlimmste Match meines Lebens", ist Reporter-Legende Robert Seeger noch heute fassungslos.

Die UEFA hatte die Show auf dem – bildlich gesprochen – blutgetränkten Rasen laufen lassen. Unter dem Vorwand, dass eine Absage noch mehr Opfer mit sich gebracht hätte. Opfer, die zumindest Juventus immer in Ehren halten wird. Ihre Namen sind nicht nur im Klub-Museum allgegenwärtig. Sie waren es auch am Samstag bei der "Meister-Party in memoriam 1985". Das 3:1 gegen Napoli? Ebenfalls Nebensache ...

Die Tragödie von Heysel  

3 Fragen

3 Fragen zum Thema

Das Drama von Heysel bleibt unvergessen: 39 Tote und hunderte Verletzte erzwangen ein Umdenken in der Fußball-Szene.

  1. Welche Konsequenzen hatten die Ausschreitungen? 


    Die englischen Fußballvereine wurden für fünf Jahre von allen internationalen Wettbewerben ausgeschlossen. Der FC Liverpool, der 1985 zum zweiten Mal in Folge das Finale im Europacup der Landesmeister erreicht hatte, bekam sogar sieben Jahre „aufgebrummt“. Die generelle Konsequenz: bauliche Veränderungen in vielen Stadien und ein deutlich strenger kontrollierter Kartenverkauf.
  2. Wurden die Rädelsführer ausfindig gemacht und bestraft? 


    Von den insgesamt 26 an Belgien ausgelieferten Übeltätern erhielten 14 Haftstrafen bis zu drei Jahren. Die belgischen Behörden überwiesen den Hinterbliebenen der Opfer umgerechnet 1,25 Millionen Euro Entschädigung.
  3. Was passierte mit dem Heysel-Stadion? 


    Neun Jahre nach der Tragödie wurde die alte Arena geschleift und am 23. August 1995 das neue König-Baudouin-Stadion mit dem Fußball-Länderspiel Belgien gegen Deutschland (1:2) eingeweiht. Seit 2005 gibt es an der Außenseite des Ovals eine Gedenkskulptur mit den Worten „Haltet die Uhren an“.
     

 

Das Jahr 1985

Das Jahr 1985

 

  • 14. April: Bernhard Langer gewinnt als erster deutscher Golf-Profi das US Masters in Augusta.
  • 21. April: Der viel zu früh verstorbene Ayrton Senna feiert beim Grand Prix von Portugal in Estoril im Lotus seinen ersten Triumph in der Formel 1.
  • 7. Juli: Boris Becker siegt als jüngster Tennisspieler bei einem Grand-Slam-Turnier. Der damals 17-jährige Deutsche bezwingt im Finale von Wimbledon den Südafrikaner Kevin Curren mit 6:3, 6:7, 7:6, 6:4.
  • 13. Juli: In Paris überquert der ukrainische Star-Stabhochspringer Sergej Bubka bei einem Hallen-Meeting als Erster die Sechs-Meter-Marke.
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