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Als das Fernsehen bunt wurde

Von Helmut Atteneder und Barbara Rohrhofer   01. Dezember 2015 00:04 Uhr

Als das Fernsehen bunt wurde
Harald Vostrovsky (links) bei der Arbeit Mitte der 1960er Jahre

Farbfernsehen: Heute vor 50 Jahren startete der ORF sein Farbfernseh-Versuchsprogramm. Als Mastermind hinter dieser Pionierarbeit stand Harald Vostrovsky, heute 81 Jahre alt, aus Gmunden

  • Farbfernsehen: Heute vor 50 Jahren startete der ORF sein Farbfernseh-Versuchsprogramm. Als Mastermind hinter dieser Pionierarbeit stand Harald Vostrovsky, heute 81 Jahre alt, aus Gmunden.

Harald Vostrovsky

Harald Vostrovsky ist mit seinen 81 Jahren immer noch ein kritischer Geist. Wenn ihm beim Fernsehen etwas technisch nicht einwandfrei vorkommt, greift er zum Telefon. "Ich rufe beim ORF an und lasse mich mit dem technischen Verantwortlichen verbinden", sagt der Wiener, der seit zehn Jahren in Gmunden wohnt.

Dann spricht er quasi von Technikchef zu Technikchef. Auch wenn Vostrovskys Zeit beim ORF schon einige Jahre zurückliegt, nämlich in der Pionierzeit des Farbfernsehens (von 1956 bis in die 1980er Jahre).

Am 1. Dezember 1965 begann im Staatsfunk die Ära der bunten Bilder. Versuchsweise, denn damals gab es keine Erfahrung in diesem Bereich. Wenn Fachbücher über die Thematik publiziert worden sind, waren sie längst überholt. Learning by doing war die tägliche Devise der Farbpioniere. "Geld war genug da, weil sich Fernsehen besser entwickelt hat als ursprünglich angenommen. Die Ersten, die mehr Geld forderten, waren übrigens die Kameraleute, "denen ist von der Farbe angeblich schwindlig geworden".

Staatstragende Fanfare

Im vierten Bezirk wurde ein Versuchsstudio eingerichtet, übertragen wurde über den Sender am Kahlenberg. Jede Farbsendung wurde staatstragend mit einer Fanfare begonnen.

"Anfangs hatten wir nur eine einzige Farbkamera", erinnert sich der ehemalige Technik- und Produktionschef mit 600 Mitarbeitern. Wo das Problem lag? "In einer Farbkamera waren drei Bildröhren, die auf die Grundfarben getrimmt waren. Aus diesen drei Bildern musste man ein Farbbild zusammensetzen. Beim Fernsehgerät waren in der Farbbildröhre drei Elektronenkanonen. Jede Kanone musste die rote, blaue und grüne Farbe treffen. Es war alles ein einzigartiges, großes Experiment", erzählt Vostrovsky, der immer noch stolz ist, bei dieser epochalen Entwicklung federführend dabei gewesen zu sein.

Gezeigt wurden anfangs Filme, etwa mit Marika Rökk, oder der "Sportstammtisch". In Farbe geschaut wurde damals meist im Wirtshaus, denn bei einem Preis von 25.000 Schilling setzte sich Farbfernsehen in privaten Haushalten nur langsam durch.

Am 1. Jänner 1969 bestand Ostrovsky mit seinen Leuten die Feuertaufe. Das Neujahrskonzert war die erste Live-Sendung in Farbe. "Das Beste war, als die Übertragung zu Ende war. Da haben sich alle den Schweiß abgewischt, da hat ja halb Europa zugeschaut."

SD, HD und UHD

SD ist out, HD normal, UHD kommt

SD ist out, HD normal, UHD kommt
(ORF)

 

Der Kärntner Michael Götzhaber ist der aktuelle Technische Direktor beim ORF. Ihm stellen sich andere Herausforderungen als dem Pionier Harald Vostrovsky. Es sind Kürzel wie SD, HD, UHD, 4k, 8k und 3D, die ihn beschäftigen. Seit 2008 wird der gesamte Sender samt technischem Gerät auf HD (High Definition – hochauflösende Bilder) umgestellt – 2017 wird diese Investition abgeschlossen. SD (Standard) wird dann Geschichte sein, sofern der Empfänger ein HD-kompatibles Fernsehgerät hat. Die nächste Stufe beim ORF ist UHD (4-fache Pixelanzahl von HD). Noch mehr Qualität der Pixel, mehr Kontrast, größere Farbtiefe und eine höhere Bildwiederholungsfrequenz sollen einen 3D-Effekt bescheren. Das will der ORF bis 2022 gewährleisten. Um die Effekte auch wahrnehmen zu können, ist natürlich ein entsprechendes Fernsehgerät nötig.

Nachgefragt

Nachgefragt bei Primar Kurosch Yazdi

Er klärt über Süchte auf, die auch Kinder betreffen
Suchtexperte Kurosch Yazdi (gespag)

Leiter des Zentrums für Suchtmedizin an der Landesnervenklinik Wagner-Jauregg in Linz.

 

  1. OÖN: Zuerst Schwarzweiß-, dann Farbfernsehen – hatte der Umstieg eine Auswirkung auf das Fernsehverhalten?

    Kurosch Yazdi: Das Fernsehverhalten hat sich meiner Meinung nach massiv verändert, als das TV-Kastl zum Massengerät und damit für viele leistbar wurde. Damals haben Experten lautstark davor gewarnt, dass TV-Konsum schnell süchtig machen könne. 
  2. Hatten die Experten recht mit ihren Befürchtungen?


    Nein. Wir wissen heute, dass Fernsehen nur ein geringes Suchtpotenzial birgt, da der Mensch ein Feedback braucht, um wirklich süchtig zu werden. Wenn ich auf Facebook etwas poste, bekomm’ ich eine Reaktion – genau das kann zu einer Abhängigkeit führen.
  3. Aber es gibt doch viele Menschen, die täglich vor dem Kastl sitzen und stundenlang Sender wechseln.

    Das ist keine Sucht, sondern eine Verhaltensschleife. Am Schluss kann es einem nur leidtun, so viele Stunden verschwendet zu haben.

 

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