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Kultur

Wenn Menschen und Pointen vom Himmel fallen

Von Peter Grubmüller   04. Februar 2019 00:04 Uhr

Wenn Menschen und Pointen vom Himmel fallen
Theresa Palfi, Horst Heiss, Jan Nikolaus Cerha, Anna Rieser, Clemens Berndorff, Katharina Hofmann, Eva-Maria Aichner (v.l.).

Schauspielhaus: Regisseur Matthias Rippert treibt Oscar Wildes Komödie "Ernst ist das Leben" grandios auf die Spitze.

Wenn Matthias Rippert in einigen Jahren mit wichtigen Regie-Preisen ausgezeichnet sein wird, mag sich mancher daran erinnern, dass dieser stille Bühnen-Zauberer 2019 in Linz Oscar Wildes beißende Komödie "Ernst ist das Leben (Bunbury)" mit wunderbaren Einfällen zum feinen Spaß inszeniert hat. Nach der Premiere am Samstag im Schauspielhaus ist es kein Kunststück, dem 30-Jährigen eine glorreiche Zukunft zu prophezeien.

Rippert lässt seine von der Text-Bearbeitung Elfriede Jelineks zugespitzten Spießgesellen vertikal auftreten. Schreiend fallen sie durch eine Öffnung an der Bühnendecke - wie Aliens einer Oberschicht, die im Spießbürgertum aufschlagen (Bühne: Fabian Liszt, Kostüme: Johanna Lakner). Damit sich niemand verletzt, landet freilich jeder auf einer Matte. Die Szene erinnert an Mister Beans Film-Intro, wenn der Komiker in einem Lichtstrahl auf die Erde knallt. Das Bildzitat hat nichts Anmaßendes, weil Überhöhung und Ironie über zweieinhalb Stunden (mit Pause) in blendender Balance bleiben.

Jan Nikolaus Cerha ist ein Vollblutkomödiant, wenn er als stoisch-hinterfotziger Lebemann Algernon mit seinem Spezi Jack (ein schöner Widerpart: Clemens Berndorff) das rhetorische Florett kreuzt. Die beiden haben Fantasiegestalten ausgeheckt, um parallel zur gesellschaftlichen Enge ihre Leidenschaften zu pflegen: Algernon den kranken Freund Bunbury, Jack den fiktiven Bruder Ernst. Die Maskerade kippt, als sich Jack in Gwendolyn (verführerisch wie berechnend: Theresa Palfi) verknallt, und Algernon auf Jacks Mündel Cecily (Anna Rieser steigert sich zur tragenden Linzer Schauspiel-Säule) anspringt. Dass sich beide Frauen einen Gatten namens Ernst einbilden, bringt die Herren in die Bredouille.

Katharina Hoffmann ist als Gwendolyns Mutter Lady Bracknell eine laszive Intrigantin. Horst Heiss jongliert das anrüchige Doppelleben von Reverend Chasuble mit Leichtigkeit, und Eva-Maria Aichner lüftet das Geheimnis über Jacks Herkunft mit dem richtigen Ton.

Bis sich alle kriegen, muss Georg Lindorfer als Butler ein entzückender Blitzableiter für den Zickenkrieg von Gwendolyn und Cecily sein. Playback-Schmonzetten von Katja Epsteins 80er-Jahre-Schlager "Abschied ist ein bisschen wie sterben", Nik Ps "Da wo die Liebe deinen Namen ruft" und Udo Lindenbergs "Wenn du von mir gehst" verkleinern das Kreisen der Salonlöwen nicht zur Farce, sondern überhöhen Jelineks Kalauer zu einem Spektakel, das nichts als pure Komödie sein möchte. Erleichterter, ungekünstelter Applaus. Ripperts nächste Station: Jelineks "Wolken.Heim." ab 29. März in Martin Kusejs Münchner Residenztheater.

Fazit: Köstliches Regie- und Darsteller-Ereignis. Selten macht Theater so viel Spaß.

Schauspiel: "Ernst ist das Leben (Bunbury)", von O. Wilde, bearbeitet von E. Jelinek. Regie: Matthias Rippert, Premiere: 2. Februar, Schauspielhaus Linz, Termine: 5., 23., 26., 27. 2., 22. 3.; 4., 18., 22., 27. 4. – bis 1. Juni. Karten: www.landestheater-linz.at, Tel: 0732/7611-400

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