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Kultur

Wenn eine kluge Plexiglasplatte über Oberösterreichs Kultur erzählt

Von Peter Grubmüller  17. Juni 2020 00:04 Uhr

Wenn eine kluge Plexiglasplatte über Oberösterreichs Kultur erzählt
Kulturvermittlerin Ursula Traunsteiner spricht aus dem Hologramm

Die geheimnisvolle Litzlbergerin: Kultur-GmbH-Chef Alfred Weidinger entwickelte mit dem historisch bedeutenden Fund ein mobiles, technisch ausgefeiltes Ausstellungsformat.

Wie erreicht eine Landesinstitution wie die Kultur GmbH (vormals Landesmuseum) ihr Publikum in den Regionen? Wie erfindet man Kulturvermittlung neu? Und wie steigert man die Flexibilität von Ausstellungen?

Diese Fragen werden aktuell in einem Container am Parkplatz zum Strandbad Seewalchen am Attersee beantwortet. Als Ende März Bauarbeiter bei Grabungen in Litzlberg auf einen Metallsarg und das Skelett einer Frau gestoßen waren, offenbarte sich rasch, dass es sich um den historisch bedeutsamen Fund von Anna Engl von Wagrain handelte (mehr dazu im Kasten unten). Und Kultur-GmbH-Geschäftsführer Alfred Weidinger wollte nichts Geringeres, als die Bevölkerung unmittelbar an der kleinen Sensation teilhaben lassen. Er ließ einen Container aufstellen, mit Holz und Platten aus dem Baumarkt entstand eine den Fund und dessen historische Einordnung erklärende Fassade, die obendrein als Kunstwerk durchgeht. Schon ab 21. Mai waren dort die ans Licht gekommenen Stücke in Vitrinen aus dem eigenen Lager zu sehen. So geht eine sparsame, aber keineswegs billige Ausstellung in Echtzeit.

"Ist die echt?"

Im Raum zur Rechten sind die 400 Jahre alten, aber so gut wie unversehrten Seidenteile von Engls Kleidung zu sehen. "Für die gibt es Anfragen von Wissenschaftern aus aller Welt", sagt Weidinger. Links spannt sich eine riesige Plexiglasscheibe vertikal über gut die Hälfte der Raumhöhe – und wie aus einem Hologramm spricht ein Mensch zu den Besuchern. Allerdings nicht altbacken in Form eines Lehrfilms, sondern live, in Farbe und lebendig.

An diesem Tag ist es die Kulturvermittlerin Ursula Traunsteiner, die auf der Plexiglasplatte schimmert. Sie weiß alles bisher Bekannte über Anna Engl und teilt es im Gespräch mit den Besuchern mit. Traunsteiner sitzt im Büro in der Linzer Welser Straße, einer Depot-Niederlassung der Kultur GmbH. Eine Kamera projiziert ihr Bild nach Seewalchen. Eine zweite Kamera im Container zeigt ihr, mit wem sie es zu tun hat. Traunsteiner: "Zuerst schauen viele Leute, ob ich tatsächlich echt bin. Aber dann kommt es zu berührenden Momenten. Vergangenen Sonntag beispielsweise wurde ich am Ende unseres Gesprächs von mir bis dahin unbekannten Besuchern zu einem privaten Besuch in Litzlberg eingeladen. Ich soll im Sommer vorbeikommen und anläuten. Was für eine Herzlichkeit! Erstaunlich, was eine Technologie wie diese in der Realität zu leisten vermag."

Gleich neben Traunsteiner rotieren kleine, an einem Kreuz befestigte LED-Lampen und zeichnen bei hoher Geschwindigkeit den bei Engl gefundenen Ring mit der Inschrift "Leben an Christ" übergroß in den Raum. "Nach der Untersuchung durch das Kunsthistorische Museum wissen wir seit vergangener Woche, dass es sich um einen Totenring handelt", sagt Weidinger. "Es hätte keinen Sinn, das kostbare Stück auszustellen, es wäre zu klein, niemand würde etwas erkennen können."

Anna Engls Grabbeigaben, ihre Kleidung, ihr Sarg und die Grabtafel sind noch bis 28. Juni zu sehen. Die kleine Schau ist zudem lohnend, um sich vom neuen Format, mit dem die Kultur GmbH künftig durch Oberösterreich tourt, für Kulturgeschichte verführen zu lassen. Und wann spricht man schon sonst mit einem Hologramm?

  • "Die geheimnisvolle Litzlbergerin", Container am Parkplatz zum Strandbad Seewalchen am Attersee. Öffnungszeiten: täglich 9-11 und 16-18 Uhr (bis 28. Juni). Der Eintritt ist frei.

Anna Engl, die geheimnisvolle litzlbergerin

Bei Grabungsarbeiten für ein Wohnhaus wurde Ende März in Litzlberg bei Seewalchen ein Metallsarg mit einem weiblichen Skelett entdeckt. Gut konserviert im Erdreich, waren der weibliche Leichnam, die Kleidung der Toten und ihre Grabbeigaben nahezu unversehrt geblieben, darunter ein goldener Ring und eine zusammenklappbare Kupfertafel. Die Tafel führte auch zur Identifizierung der Frau: Per computertomografischer Untersuchung durch die FH Wels wurde die Inschrift entziffert, die bestätigte, dass es sich bei der Verstorbenen um Anna Engl von Wagrain, geborene Furtin, handelt. Sie war die aus Steyr stammende Tochter des kaiserlichen Rates und Vizedoms von Niederösterreich, Wolf Furth und Magdalene (geb. Urkauf). Durch ihre Ehe mit Simon Engl von Wagrain wurde sie Mitglied einer wohlhabenden Adelsfamilie. Anna Engl war 1,55 Meter groß, sie starb am 2. Juli 1620 im Alter von 46 oder 47 Jahren.

 

 

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Peter Grubmüller

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