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Kultur

Von Merkel bis Macron: Was deren Körpersprache mit uns macht

Von Claudia Riedler  04. April 2019 00:04 Uhr

Von Merkel bis Macron: Was deren Körpersprache mit uns macht
Donald Trump

Stefan Verra (46) ist Experte für Körpersprache. Seit mehr als zehn Jahren beobachtet er weltweit Wahlkämpfe – und schreibt seine Auswertungen systematisch auf. Die OÖN haben ihn zum Interview getroffen.

"Ich wollte herausfinden: Sind die alle so besonders? Sind die alle gecoacht?", sagt er. Nun hat der Osttiroler ein Buch geschrieben ("Leithammel sind auch nur Menschen", Ariston-Verlag). Am 10. April tritt er mit seinen Erkenntnissen im ausverkauften Neuen Rathaus auf.

Im Bild: Stefan Verra

OÖNachrichten: Was kann ich mir von den Mächtigen abschauen?

Stefan Verra: Es gibt nicht den Code der Macht. Jeder, der sagt, er habe den Code der Körpersprache, ist ein Scharlatan. Das ist wissenschaftlicher Humbug. Die Machtpolitiker signalisieren uns aber etwas, sodass wir uns angesprochen oder abgestoßen fühlen. Die Bindung des Wählers schafft man über die Körpersprache.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Manche schaffen es, das Bedürfnis nach Vernunft zu bedienen, etwa Sebastian Kurz. Mit langsamen Gesten, niedriger Frequenz, stabiler Körpersprache. Damit zeigt er: Alles bleibt, wie es ist.

Was kann ich von einem wie Donald Trump lernen?

Wenn Ihr Mann sagt: "Bügel mir schnell das Hemd!", dann schauen Sie ihn einfach mit dem Trump-Blick an. Drehen Sie sich ihm also mit steifem Nacken zu und blicken ihn nur aus den Augenwinkeln mit leicht erhobenem Kinn an. Dann weiß er genau, er kann sich das Hemd selbst bügeln.

Können Sie noch mit jemandem reden, ohne bewusst auf seine Körpersprache zu achten?

Wenn ich nur schauen würde, was die anderen machen, müsste ich zum Psychiater (lacht). Was ich den Leuten sagen möchte: Körpersprache ist keine Geheimkunst. Manchmal schaue ich ein wenig genauer, aber das meiste entgeht mir auch. Doch das bisschen Mehr, das ich sehe, verschafft mir ungemeine Vorteile. Durchschauen kann ich niemanden.

Geht es also nicht ums Enttarnen, sondern ums Bewusstmachen?

Ich kann nur mich selbst enttarnen. Wenn etwa Emmanuel Macron positiv auf jemanden wirkt, sagt das etwas über diese Person. Wenn Macron mit seinen Bewegungen ständig nach oben geht, erfüllt das ein emotionales Bedürfnis. Ähnliche Gesten macht man, wenn man sich über etwas ärgert. Also lernt man etwas über sich selbst und warum einen manche Menschen ansprechen. Ich halte den Leuten einen Spiegel vor.

Kann man seine Körpersprache dann auch bewusst einsetzen?

Ja, wenn man seine Kinder begeistern will, muss man das mit der Körpersprache tun. So wie Emmanuel Macron. Da braucht es eine höhere Frequenz in der Gestik.

Machen Politiker das unbewusst, oder ist es antrainiert?

Das meiste machen sie unbewusst, genauso wie alle Menschen. Das nennt man Temperament. Und das ist unabänderlich. Es gibt Angela Merkels – kleine Bewegungen, und es gibt Macrons – größere Bewegungen. Und es gibt auch einen Teil, der ist angelernt. Das ist aber der kleinere Teil. Wenn alle gecoacht wären, wären alle gleich. Gute Coaches verstärken nur das, was der Politiker von Natur aus macht.

Wie viel ist Körpersprache, wie viel ist Inhalt?

Die Studie, die hier immer zitiert wird, ist von Albert Mehrabian. Sie wird aber falsch verstanden. Er sagt: 7 Prozent sind Inhalt, 38 Prozent Stimme, 55 Prozent Körpersprache. Er ging jedoch davon aus, dass der Inhalt bereits feststeht. Stimme und Körpersprache verändern die Bedeutung des Inhalts. Mehrabian hat also herausgefunden, dass das Wort selbst wenig Bedeutung für die Botschaft hat.

Ist also das Drumherum wichtiger als der Inhalt?

Körpersprache kann etwas, was der Inhalt nicht kann, und umgekehrt. Körpersprache ist diffus, das ist ein Überblicksgefühl. Ob man sich kompetent, selbstbewusst oder durchsetzungsfähig gibt – das sieht immer gleich aus. Worte dagegen sind konkret. Doch: Zuerst wird die Körpersprache wahrgenommen, also eine Emotion, und dann erst der Inhalt. Die stärkere Bindung schafft die Emotion. Ich warne also jene, die glauben, sie entscheiden nur rational, tun es aber nicht.

Wie wirkt man besonders selbstbewusst?

Die Frequenz reduzieren, also keine hektischen Bewegungen, aber die Amplituden – also die Gesten – ganz groß machen. Niedrige Frequenz heißt: nicht mehr ganz jung und damit erfahren. Große Bewegungen, die man lange stehen lässt, bedeuten: Ich traue mich, mich sichtbar zu machen.

Der Auftritt in Linz am 10. April ist ausverkauft; nächster Termin: 13. 3. 2020, Neues Rathaus

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Claudia Riedler

Leiterin Redaktion Leben und Gesundheit

Claudia Riedler
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