Lade Inhalte...

Kultur

Voller Virtuosität in stoischer Ruhe

Von Helmut Atteneder  28. September 2020 00:04 Uhr

Voller Virtuosität in stoischer Ruhe
Andreas Eggertsberger

Der Pianist Andreas Eggertsberger am Freitagabend in der Pfarrkirche Ansfelden.

Andreas Eggertsberger galt international lange als Wunderkind, ehe es ruhig um ihn wurde. Diese Stille hatte ihm die in Musikerkreisen gefürchtete Krankheit namens fokale Dystonie aufgezwungen. Jetzt, nach gut acht Jahren, ist der 40-Jährige geheilt, seine neue CD "Dystonia" wurde in der Fachwelt als Meilenstein des "neuen" Eggertsberger bejubelt.

Am Freitagabend trat der Pianist in der Pfarrkirche seiner Heimatstadt Ansfelden auf Einladung des Brucknerbundes auf. Es wurde ein besonderes Konzert. Weil Andreas Eggertsberger sich offenbar wirklich frei spielen konnte von seiner Krankheit, die ein unwillkürliches Wegstrecken von Fingern zur Folge hat. Weil es ihm nur aufs Spiel ankommt, auf das, was ihm der Komponist zu sagen hat. Einzig die Wahrhaftigkeit der Noten zählt.

Andreas Eggertsberger ist kein Showman, kein Entertainer, kein Verkäufer seiner Kunst in dem Sinn, dass er sie mit ausfallender Gestik und Mimik zu verstärken versucht. Ihm zuzuhören ist genauso schön, so spektakulär und erfüllend, wenn man es mit geschlossenen Augen tut.

Fast stoisch ruhig im Habitus fliegen im Gegensatz dazu seine Finger über die Klaviatur, wenn er Ludwig van Beethovens Sonate in d-moll – "Der Sturm" – freien Lauf lässt. Seine wahre Meisterschaft offenbart Eggertsberger im zweiten Teil, für den er Franz Schuberts gewaltige Sonate in B-Dur ausgewählt hat. Schubert hat diese Sonate rund zwei Monate vor seinem Tod fertiggestellt und noch einmal seine ganze Schaffenskraft mobilisiert. Andreas Eggertsberger wurde dieser rund 40-minütigen Herausforderung bis zum letzten Ton vollauf gerecht.

Negativ anzumerken ist bei diesem musikalisch makellosen Abend das irritierende Verhalten eines Fotografen und Kameramanns, der Eggertsberger während des Spielens ungeniert mit Blitzlicht und Scheinwerfern malträtiert hat.

Artikel von

Helmut Atteneder

Redakteur Kultur

Helmut Atteneder
Lädt
turned_in

info Mit dem Klick auf das Icon fügen Sie das Schlagwort zu Ihren Themen hinzu.

turned_in

info Mit dem Klick auf das Icon öffnen Sie Ihre "meine Themen" Seite. Sie haben von 15 Schlagworten gespeichert und müssten Schlagworte entfernen.

turned_in

info Mit dem Klick auf das Icon entfernen Sie das Schlagwort aus Ihren Themen.

turned_in

Fügen Sie das Thema zu Ihren Themen hinzu.

mehr aus Kultur

0  Kommentare expand_more 0  Kommentare expand_less