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Kultur

Viel Wirbel für einen Titel ohne Mittel

Von Peter Grubmüller  14. Mai 2019 05:53 Uhr

Viel Wirbel für einen Titel ohne Mittel
Der Andorfer Maler Manfred „Odin“ Wiesinger wird dem neuen Landeskulturbeirat ab 14. Juni auf FPÖ-Ticket angehören.

Landeskulturbeirat: Warum alle der FPÖ bei der Nominierung des "deutschnationalen" Innviertler Malers Manfred "Odin" Wiesinger auf den Leim gehen.

Die breite Mehrheit der Oberösterreicher hatte bis gestern noch nie etwas vom Landeskulturbeirat (LKB) gehört. Und das zu Recht. Doch als ruchbar wurde, dass der in Andorf pinselnde Manfred "Odin" Wiesinger von der FPÖ für dieses Gremium nominiert wurde, hatte sich in der Wahrnehmung des LKB etwas verändert. Seit Wiesinger 2016 von Präsidentschaftskandidat Norbert Hofer als Lieblingsmaler geoutet worden ist, kann er sich der Aufträge nicht mehr erwehren. Von der beherzt agierenden Oberösterreich-Gruppe der Grazer Autorenversammlung (GAV) über die engagierte Kulturplattform Oberösterreich (Kupf) bis SPÖ und Grüne flatterten offene Briefe durchs Internet, in denen Landeshauptmann Thomas Stelzer aufgefordert wurde, Wiesingers Bestellung zu verhindern. Warum eigentlich? Weil Wiesinger ein "deutschnationaler" Maler sei, dessen Signatur Ähnlichkeiten zur nationalsozialistischen Odal-Rune aufweist und der eine "Bildserie mit dem Titel ,Endsieg’" fabriziert hat.

Auf OÖN-Nachfrage wollte Stelzer in das Nominierungsrecht von Parteien nicht eingreifen. In der Regierungssitzung um 15 Uhr wurde Wiesinger mit den Stimmen von ÖVP und FPÖ gegen jene von SPÖ und Grünen durchgewinkt, genauso wie die zwei weiteren FPÖ-Vorschläge: Architekt Wolfgang Sedelmaier (Schärding) und Galeristin Birgit Standl (Linz).

Im Gespräch mit den OÖN hatte Wiesinger gestern freilich Antworten vorbereitet, warum er die vier Hände mit jeweils abgerissenen Fingern zeigende Lithografie aus den 90er-Jahren "Endsieg" genannt hat. Das sei von Kämpfer-Parolen im Jugoslawien-Krieg abgeleitet. Und so wie Wiesinger weiß, welche Reflexe er mit diesem abscheulichen Titel auslöst, spekulierte auch die FPÖ mit der Reaktion auf die Nominierung. Allerdings für ein Amt, das diesen Titel nicht verdient: Der 1988 gegründete LKB wird nach Mandatsverteilung im Landtag (ÖVP: vier Mitglieder, FPÖ: drei, SPÖ und Grüne je eines) und auf Zuruf von Kultur-Institutionen beschickt. Die Beschlüsse des 25-köpfigen Gremiums haben ausschließlich beratende Funktion für die Kulturpolitik, die sich um diese Beratung traditionellerweise nicht schert.

Mit Fortdauer der vierjährigen Periode fällt es im LKB immer schwerer, Mitglieder für Sitzungen zu motivieren. Der aktuell Vorsitzende Paul Stepanek bangt also beim LKB-Abschlussplenum am 3. Juni um die Beschlussfähigkeit (Anwesenheit von mehr als der Hälfte der Mitglieder). Der neue LKB wird am 14. Juni konstituiert – mit dem bisher wegen keinem der erhobenen Vorwürfe rechtskräftig verurteilten Manfred "Odin" Wiesinger. Sollte der Andorfer Maler gegen eine der Empfehlungen stimmen, gibt es 24 andere Mitglieder, die das regeln können – wie etwa den ehemaligen Bruckneruni-Vizerektor Josef Eidenberger, Goldhauben-Obfrau Martina Pühringer, Schauspieler Erich Josef Langwiesner, AK-Referentin Elfi Sonnberger, Kupf-Chefin Verena Humer oder Theater-Phönix-Geschäftsführerin Romana Staufer-Hutter.

Die FPÖ hat diese Aufregung günstig vor der EU-Wahl orchestriert. Und alle haben mitgespielt.

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