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Kultur

Steyr hinter den Bergen, das war einmal

Von Helmut Atteneder  27. Mai 2022 00:04 Uhr

Steyr hinter den Bergen, das war einmal
Die Literaturwissenschafterin Karin Fleischanderl veranstaltet ihre sechsten Literaturtage Steyr.

Die sechste Auflage der Literaturtage bringt einen gelungenen Autoren-Mix nach Steyr.

"Es tut wahnsinnig gut, vor Menschen lesen zu können. Da beginnt der Text ganz anders zu leben", freut sich Ferdinand Schmalz schon auf den 3. Juni. Der gefeierte und vielfach ausgezeichnete Romancier und Dramatiker wird um 19 Uhr im Innenhof des Rathauses mit einer Lesung aus seinem Roman "Mein Lieblingstier heißt Winter" die sechsten Literaturtage in Steyr eröffnen.

Der Bachmann-Preisträger 2017 weiß von der befeuernden Wirkung öffentlicher Lesungen: "Ich erinnere mich noch gut an eine virtuelle Lesung. Dieses Ins-Leere-Reden fühlt sich sehr seltsam an."

Organisatorin Karin Fleischanderl präsentiert von 3. bis 5. Juni diesmal wieder an verschiedenen Orten (Museum Arbeitswelt, Café-Restaurant Rahofer, Zwinger und Schwechater Hof) einen neugierig machenden Querschnitt aus der heimischen Literatenszene. So lesen Regina Hilber, Romina Pleschko, Bernhard Strobel, Barbi Markovic und Norbert Gstrein aus aktuellen Texten.

Einst hinter den Bergen

Das Erfolgsgeheimnis hinter dem Festival – das Budget beträgt heuer 25.000 Euro – beschreibt die Autorin, Übersetzerin und Festival-Chefin Fleischanderl so: "Es hat eigentlich von Anfang an funktioniert und das Interesse ist ständig gestiegen." Ihre Heimatstadt sei früher in puncto Literatur ein Ort hinter den Bergen gewesen, in das ab und zu ein Dichter gekommen sei und gelesen habe, sagt Fleischanderl süffisant. Jetzt bemerkt sie, dass es etwa mit vermehrten Lesungen im Museum Arbeitswelt oder im Literaturschiff so etwas "wie Mitbewerber gibt. Und das ist ein gutes Zeichen."

Freuen darf man sich auch schon auf den Auftritt von Elias Hirschl, am Freitag, 3. Juni, 21 Uhr, im Museum Arbeitswelt. Der Wiener hat vergangenen Sommer mit seinem Roman "Salonfähig" über einen egozentrischen Parteichef namens Julius Varga, der stark an einen österreichischen Ex-Kanzler erinnert, ein breites Publikum erreicht. Die mitreißenden Lesungen des Literaten und Musikers aus seinen Poetry-Slam-Texten begeistern das Publikum immer wieder: "Meine performativen Texte funktionieren natürlich mit Live-Publikum besser, aber ich hatte auch während der Pandemie Lesungen über Facebook, die gut gingen. Nur, wenn du dann den Computer ausschaltest und allein in der Wohnung sitzt, ist das schon sehr komisch."

Hirschl arbeitet gerade als Stadtschreiber in Dortmund und verbindet diesen Aufenthalt mit einer bereits durchaus fortgeschrittenen Stoffsammlung für einen neuen Roman. Mit seiner Indie-Band "Ein Gespenst" veröffentlicht er am 10. Juni eine neue Single, im Oktober erscheint das erste Album.

Literaturtage Steyr: 3. bis 5. Juni. Programm und Infos www.steyrer-literaturtage.at; Eintritt frei.

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Helmut Atteneder

Redakteur Kultur

Helmut Atteneder

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