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Kultur

Schritt für Schritt ins Unglück

Von Barbara Eidenberger 22. Juli 2019 00:04 Uhr

Schritt für Schritt ins Unglück
Wolfgang Aistleitner (l.) und Christian Lemperle

Premiere: Ferenc Molnárs "Liliom" in Leopoldschlag.

Die Grenzlandbühne Leopoldschlag macht es ihrem Publikum bei den Sommertheatertagen nicht einfach. Und das mit Absicht. Statt einer amüsanten Sommerkomödie wählt man bewusst ernste Volksstücke mit Anspruch.

In diese Tradition reiht sich heuer "Liliom", das am Samstag Premiere feierte. Und der Liliom (hervorragend gespielt von Christian Lemperle) macht es dem Zuschauer auch nicht einfach. Rotzig-trotzig nimmt er sich im Leben, was er möchte. Und greift doch jedes Mal daneben. Den Job beim Ringelspiel verliert er aus falschem Stolz, auf der Suche nach dem falschen Glück verliert er seinen Anteil am geplanten Raubüberfall, bevor dieser noch begangen ist – und schließlich ohnehin schiefgeht. Also tut Liliom das einzig Falsche und bringt sich um. Das Großmaul entzieht sich der Verantwortung. Für die verblendete, hilflos in ihn verliebte Julie (zu Recht seit Jahren weibliche Hauptrolle auf der Grenzlandbühne: Martina Lanzerstorfer) und für sein ungeborenes Kind. Ihr eindringliches "Bleib zu Haus!" bleibt ungehört.

Sympathie für die Hauptfigur in dem Stück von Ferenc Molnár aufzubringen, fällt daher nicht leicht. Viele Chancen bekommt er, jede lässt Liliom ungenutzt vorüberziehen. Um Ausreden ist er nicht verlegen, selbst dafür, dass er Julie schlägt. Ebenso wenig ist sie um Entschuldigungen für den Grobian verlegen, über seinen Tod hinaus verklärt Julie ihre Beziehung.

Beschönigt wird in der Inszenierung von Regisseur Daniel Pascal daher nichts, bewusst lässt er den Zuschauer darüber den Kopf schütteln, wie sich zwei – wohl doch Verliebte – das Leben so schwer machen können.

Jana-Marie Bauer gibt die hinreißend naive Marie, Dominik Chalupar den korrekten Wolf Bleifeld, Daniela Bauer die resolute Ringelspiel-Betreiberin Frau Muskat, Gerhard Neunteufel den durchtriebenen Fiscur und Wolfgang Aistleitner den Polizeikonzipisten, der Liliom eine allerletzte Chance gibt. Denn: "Solange du nicht vergessen bist, so lange bist du noch nicht fertig mit der Erde."

Fazit: Ein Stück, das beschäftigt, top gespielt – in Leopoldschlag ist auch heuer wieder der Beweis gelungen, dass Sommertheater keine leichte Kost sein muss.

Grenzlandbühne Leopoldschlag, "Liliom" Drama von Ferenc Molnár, Regie: Daniel Pascal, Premiere: 20. Juli, Termine: 26., 27. Juli; 2., 3., 8., 9., 10. August (20 Uhr); 4. August (15 Uhr), Info/Karten, Tel: 0664/ 63 89 389, www.grenzlandbuehne.at

Artikel von

Barbara Eidenberger

Redakteurin Innenpolitik

Barbara Eidenberger
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