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Kultur

Charlie Watts: Das Herz der Rolling Stones hat zu schlagen aufgehört

Von Lukas Luger  24. August 2021 18:43 Uhr

Boogie-Woogie der Extraklasse in Ischl
An den Drums: Charlie Watts von den „Stones“.

LONDON. Eine Musiklegende ist tot: Charlie Watts, Schlagzeuger der Rolling Stones, ist im Alter von 80 Jahren "friedlich" verstorben.

Trotz der unterhaltsamen Bühnen-Spompanadeln von Mick Jagger, trotz der legendären Riffs von Keith Richards: Ohne Schlagzeuger Charlie Watts wären die Rolling Stones nie jene ikonische und stilprägende Band geworden, die sie heute sind. Der introvertierte Drummer war das coole Herz und die einfühlsame Seele der Stones. Gestern starb Charlie Watts im Alter von 80 Jahren in einem Londoner Krankenhaus. Vor einigen Wochen war bekannt geworden, dass Watts nicht an der kommenden US-Tournee seiner Band teilnehmen werde. Er erhole sich von einer nicht näher spezifizierten medizinischen Behandlung, hieß es.

„Mit großer Trauer geben wir den Tod unseres geliebten Charlie Watts bekannt. Er ist heute im Kreise seiner Familie friedlich in einem Londoner Krankenhaus gestorben“, lautete das offizielle Statement. „Charlie war ein geschätzter Ehemann, Vater und Großvater und auch als Mitglied der Rolling Stones einer der größten Schlagzeuger seiner Generation.“

Obwohl 58 Jahre Mitglied der Rolling Stones, waren dem am 2. Juni 1941 als Charles Robert Watts geborenen Musiker der Ruhm und das gleißende Scheinwerferlicht stets suspekt. Seine Zeit in der Band kommentierte er einmal launig als „fünf Jahre spielen und Jahrzehnte herumhängen“.

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Liebe zu Jazz und Blues

Aufgewachsen in ärmlichen Verhältnissen als Sohn eines Lkw-Fahrers, entdeckte Watts bereits als Zehnjähriger seine große Leidenschaft für Blues und Jazz, insbesondere für die Platten von Jelly Roll Morton, Miles Davis und John Coltrane. „Ich habe Charlie Parker immer bewundert“, sagte Watts dem britischen „Daily Telegraph“. „Aber der Erste, dessen Spiel ich bewusst gehört habe, war Saxofonist Gerry Mulligan, und das Stück war „Walking Shoes“ mit Chico Hamilton am Schlagzeug. Deshalb wollte ich Schlagzeug spielen.“

Während er als Grafiker in einer Werbeagentur arbeitete, erspielte sich der Absolvent der Harrow Art School den Ruf als einer der besten Drummers Londons. 1962 trat er Alexis Korners Band „ Blues Incorporated“ bei. Bei einem Auftritt lernte er Brian Jones kennen, den späteren Stones-Gitarristen. Am 12. Jänner 1963 spielte Charlie Watts im Ealing Blues Club in Westlondon seinen ersten Gig mit den „rollenden Steinen“. Was folgte: laut Watts „fünf Jahrzehnte, in denen ich ständig Micks Hintern vor mir hin und her laufen sah“.

Schweißte die Band zusammen

Im Gegensatz zu Jagger und Richards blieb Watts gerne im Hintergrund. Als Jazzmusiker wusste er musikalische Kollaboration zu schätzen und schweißte intern die Band zusammen – nicht nur, wenn er den Rhythmus auf der Bühne vorgab, sondern auch, wenn sich die ewigen Streithanseln Jagger und Richards wieder verkrachten.

Auch wenn er harte Jahre hinter sich hatte – mit Alkohol oder auch Heroin –, blieb der Schlagzeuger auch privat immer verlässlich.

Seit 1964 war Watts mit derselben Frau verheiratet, der Künstlerin Shirley Watts, mit der er eine erwachsene Tochter hat. Sie lebten auf einem Gestüt in der Grafschaft Devon und züchteten professionell Araberpferde.

Die Musik ließ ihn bis zu seinem Tod nicht los. Nach jeder Tournee versuche er sich zurückzuziehen, gestand Watts der „Times“ einmal grinsend. Keith Richards frage ihn, was er dann nur tun werde. „Ich weiß nicht, Rasenmähen? Also setze ich mich nicht zur Ruhe.“

Stimmen

„Ein sehr trauriger Tag. Charlie war der ultimative Drummer. Einer der stylishsten Männer und wunderbare Gesellschaft.“
Elton John, britischer Popstar

„Gott schütze Charlie Watts. Wir werden dich vermissen, Mann. Peace und Liebe für die Familie.“
Ringo Starr, Beatles-Drummer

„Rock ’n’ Roll wäre nicht Rock ’n’ Roll ohne den Rhythmus, den Stil dieses unglaublichen Musikers.“
Tom Morello, Gitarrist RATM

„Ich sah die Rolling Stones zum ersten Mal 1966 in der Bay Arena und seither war ich ein Fan.“
John Fogerty, Creedence-Ikone

„Charlie Watts war der Beat der Stones. Es gibt keine Worte für ihn, jeder seiner Grooves spricht für sich selbst.“
Lenny Kravitz, Rockstar

„Watts war der eleganteste und würdevollste Schlagzeuger. Er war einzigartig.“
Joan Jett, „I Love Rock ’n’ Roll“-Star

Artikel von

Lukas Luger

Redakteur Kultur

Lukas Luger
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