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Kultur

Reisen einer Revolutionsromantikerin

14. April 2021 00:04 Uhr

Eva Schörkhuber
Eva Schörkhuber

Eva Schörkhubers Roman "Die Gerissene" vereint Romantik und Zeitkritik.

Wer noch keine klare Vorstellung davon hat, wie Revolution und Romantik ineinandergreifen, kann sich bei Eva Schörkhuber weiterbilden. In ihrem neuen Roman "Die Gerissene" demonstriert die in Oberösterreich aufgewachsene Autorin, wie hart die schnöde Wirklichkeit den sozialpolitischen Traum von einer befreiten und gut versorgten Menschheit ignoriert.

Die Träumerin ist eine junge Frau, Mira. In ihrem ungeliebten Heimatdorf fühlt sie sich als Außenseiterin, also bricht sie auf in die weite Welt. Das Motiv der Reise als Befreiungsakt kennt man aus der deutschen Romantik, man denke an Eichendorffs "Taugenichts". Der individuelle Freiheitsdurst verbindet sich aber bei Mira nicht nur mit einem Schuss Narzissmus, sondern auch mit sozialpolitischem Messianismus.

Im Halbschlaf sieht sie sich an der Spitze vieler Menschen, "denen ich den Weg weisen würde, den Weg hinaus in ein besseres Leben." Gut gemeint, aber nicht wirklich gut, denn schon an den ersten drei Stationen von Miras Reise – Marseille, Oran, die Wüste – scheitert die Mobilisierung der revolutionären Massen. Die "Verdammten dieser Erde" haben andere Sorgen und andere Methoden, damit zurechtzukommen. Erfolglos bleibt die enttäuschte Weltreisende allerdings nicht. Ihre originellen Ideen für textile Kreationen finden Beifall und Kaufinteresse – als brauchbares Geschäftsmodell, nicht als subversives Kampfmittel. Was tut eine Revolutionsromantikerin in dieser peinlichen Lage? Sie verweigert den kapitalistischen Geschäftserfolg und reist nach Havanna, um dort zu studieren, wie eine Revolution über Jahrzehnte die Welt verbessert hat. Das ernüchternde Ergebnis ist nur mit kubanischem Rum zu ertragen – und mit einem überarbeiteten Revolutionsmodell nach Landkommunenart. Ob das Zukunft hat?

Man merkt, wie schwer es der Autorin fällt, ihre Protagonistin vom Revolutionsmythos zu erlösen. "Die Gerissene" ist ein weiblicher Schelmen- und Reiseroman, in dem Eva Schörkhuber Romantik mit Zeitkritik und sozialem Realismus gekonnt verknüpft. Dem Bilderreichtum hätte man den einen oder anderen Damm entgegenstellen können. Aber die Musikalität der Sprache, ihr Rhythmus bereitet sinnliches Lese- vergnügen. (schach)

Eva Schörkhuber: "Die Gerissene", Roman, Edition Atelier, 227 Seiten, 22 Euro

OÖN Bewertung:

 

Tipp: Podcast zur Lesung Eva Schörkhuber / Birgit Müller-Wieland am 27. 4. im StifterHaus Linz www.stifterhaus.at

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